Historischer Wintereinbruch in Spanien möglicherweise Ursache

Erste Kraniche bereits auf Nordkurs – Auch in Waldeck-Frankenberg gesichtet

Sehr ungewöhnliche Beobachtungen wurden im Landkreis dieser Tage gemacht: Kraniche kehrten unzeitgemäß bereits aus dem Süden zurück und flogen nordwärts.
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Sehr ungewöhnliche Beobachtungen wurden im Landkreis dieser Tage gemacht: Kraniche kehrten unzeitgemäß bereits aus dem Süden zurück und flogen nordwärts.

Die Natur ist immer wieder für Überraschungen gut. Diesmal waren es Kraniche, die zu einer völlig ungewöhnlichen Zeit auf ihrem Rückzug aus ihrem südlichen Überwinterungsgebiet über dem Landkreis Waldeck-Frankenberg auf Nordkurs gesichtet wurden.

Waldeck-Frankenberg – Die erste Meldung wurde am Samstag, 9. Januar um 11.05 Uhr über dem Rodenbacher Forst gemacht. Dazu schrieb der Informant: „Eine Kranichformation mit Doppelspitze, cirka 30 bis 40 Vögel, zog niedrig fliegend aus Richtung Frankenberg-Röddenau kommend in nördliche Richtung über den Rodenbacher Forst. Durch ihre lauten Rufe war ich beim Waldspaziergang aufmerksam geworden.”

Am 11. Januar gab es erneut eine Kranichmeldung aus Frankenberg. Danach flogen in zwei kleinen Keilen um 16.25 Uhr rund 40 Kraniche über Frankenberg-Ost in nördliche Richtung. Danach wurde bekannt, dass mindestens drei weitere, entsprechende Kranich-Beobachtungen im Kreis Waldeck-Frankenberg gemacht wurden.

Früher gab es gelegentlich auch schon mal Meldungen von Kranichen, die im Dezember unterwegs waren. Damals flogen die Zugvögel allerdings in südliche Richtung. Das war dadurch zu erklären, dass infolge der Klimaerwärmung nicht wenige Kraniche in ihren herbstlichen Rastgebieten an der Ostsee verweilten, ohne weiter in den Süden zu fliegen. Als es dann aber doch noch einen Wintereinbruch an der Ostsee gab, machten sie sich auf den Weg in den Süden.

Die meisten Kraniche, die im Herbst über den Kreis hinweg in den Süden ziehen, überwintern in Spanien, zum Beispiel in der Extremadura. Von dort machen sich die Kraniche in der Regel Anfang März in großer Zahl wieder auf den Weg in ihre nördlichen Brutgebiete.

Diesmal passt der Termin nicht in dieses Verhalten. Wer die jüngsten Nachrichten aufmerksam verfolgt hat, dem ist nicht entgangen, dass Spanien von einem historischen Wintereinbruch, wie seit 50 Jahren nicht mehr, betroffen ist. Dabei gab es in Madrid bis 60 Zentimeter Neuschnee nach 30 Stunden langem Schneefall. Örtlich fiel das Thermometer bis auf minus 36 Grad Celsius. 200 Dörfer sind von der Außenwelt abgeschnitten worden.

Dieses Hintergrundwissen ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der Schlüssel zur Erklärung dieses unzeitlichen Erscheinens von Kranichen dieser Tage bei uns.

Da die normalerweise kältesten Phasen noch vor uns liegen, könnten die Kraniche mit ihrem vorzeitigen Rückflug noch auf ein weiteres Problem stoßen.

(Von Gerhard Kalden)

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