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Komödie Frankenberg spielt den Räuber Hotzenplotz der zweiten Generation

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Von: Dirk Schäfer

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Räuber Hotzenplotz im Vogelkäfig: „Josefin“ (Nele Hirth) und „Kasperl“ (Jan Körbs) haben den Gauner (Karl-Willi Hirth) im Griff.
Räuber Hotzenplotz im Vogelkäfig: „Josefin“ (Nele Hirth) und „Kasperl“ (Jan Körbs) haben den Gauner (Karl-Willi Hirth) im Griff. © Harald Hörl

Die Geschichte vom Räuber Hotzenplotz: Ein gelungenes Experiment, bei dem das Schauspiel der Komödie Frankenberg genauso amüsant war wie die Kommentare der zuschauenden Kinder.

Frankenberg – Ein Raunen geht durchs Publikum, als sich Räuber Hotzenplotz auf die Bildfläche schleicht. Spätestens jetzt sind die vorwiegend jungen Zuschauer aufmerksam und ruhig. Sie leiden mit der wimmernden Großmutter, sie fiebern mit Kasperl und Josefin, sie staunen über jeden gelungenen Spruch des Zauberers, sie bewundern die Fee und lachen sich kaputt über jeden Fluch des Räubers, dessen schallendes Gelächter das Publikum nur wenig in Angst und Schrecken versetzt.

Hat es doch schnell erkannt, dass dieser Hotzenplotz, der auf ein Kinderpaar hereinfällt, der Angst vor Schnupfen und kindische Freude an der Melodie einer Kaffeemühle hat, weit weniger hinterlistig ist als es seine Branche verlangt.

Bekanntlich endet der Schurke zunächst als Gimpel im Vogelkäfig und nach Ende des Zaubers als gefangener Dieb im Spritzenhaus. Kasperl erlöst die Fee von ihrem siebenjährigen Dasein als Kröte, Zauberer Zwackelmann platzt vor Zorn und die Oma vor Freude, als sie die ihr geraubte musikalische Kaffeemühle von den mutigen Kindern zurückbekommt. Ende gut, alles gut. Und – so darf es die Komödie Frankenberg für sich verbuchen: Gut, dass wir es wieder gemacht haben.

Großmutter (Renate Goebel) hat ihre geraubte Kaffeemühle wieder.
Großmutter (Renate Goebel) hat ihre geraubte Kaffeemühle wieder. © Harald Hörl

Denn nicht zum ersten Mal hat sie ein Kinderstück aufgeführt, und die Premiere des Räuber Hotzenplotz am Donnerstagabend war eigentlich keine, denn 2014 stand der Otfried-Preußler-Klassiker, ein Jahr nach Kalle Blomquist, schon einmal im Spielplan. Gleichwohl war diese wie auch die Aufführung am Freitag ausverkauft.

Die älteren Zuschauer erinnerten sich sicher an Renate Goebel als schluchzende Großmutter oder an Harald Rudolph als Wachtmeister Dimpfelmoser. Und das Geheule der verzauberten Kröte (Nadine Oberender) hatten manche vielleicht auch noch im Ohr.

Und dennoch war vieles anders beim Hotzenplotz 2.0. Sicher auch, weil das „Schauspielhaus“ diesmal so anders war. Im Zirkuszelt im Teichgelände war die Bühne schlicht, die Atmosphäre aber besonders. Die Inszenierung mit Zaubernebel und Knalleffekten war komödienlike und die gesamte Aufführung auch deswegen und trotz störenden Geklappers der Metalltribüne auch in der Neuauflage sehr ansehenswert.

Dazu trugen auch andere und ganz neue Darsteller bei. Karl-Willi Hirth durchlebte eine „Metamorphose“. Aus dem Seppel von 2014 war der Hotzenplotz 2022 geworden, und die Kinder waren diesmal richtige Kinder. Jan Körbs und Nele Hirth, die als Statist bei den schauspielerischen Stadtführungen der Komödie ihre ersten Schritte als Laiendarsteller machten, schlüpften erstmals in tragende Rollen. Jan als Kasperl erhielt mit „Josefin“ eine Freundin in der Seppelrolle zur Seite. Der Charakter zweier verträumter, aber doch listiger Rotzlöffel fiel den Jugendlichen nicht schwer, die Spielfreude machte das Lampenfieber wett. Und sie zeigten mit Mimik und Gestik, dass sie lernwillig durch die Komödienschule gegangen sind.

Silvio Bartel mimte den imposanten Zauberer Petrosilius Zwackelmann, einen scheinbar coolen Typen, den aber eine kleine Prise Schnupftabak niederstreckt. Und mit Juniorin Nahla Ali Mohamed als glitzernde Fee Amaryllis sowie Senior Heinrich Balz als Reporter Laute ließ die Komödie einmal mehr bewusst die Schere zwischen Jung und Alt weit aufklappen.

Alles in allem ergab sich ein gelungenes Experiment, bei dem das Schauspiel genauso amüsant war wie die Kommentare der zuschauenden Kinder. Und mit Maximilian Kaletsch, der erstmal als Regisseur wirkte, bewies das Ensemble noch mehr, dass es auch an die Zukunft denkt und sich nicht scheut, der jungen Generation höhere Aufgaben anzuvertrauen.

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