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Spezial-Blühflächen für Rebhühner bei Basdorf - Gefahr durch frei laufende Hunde

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Von: Marianne Dämmer

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Rebhuhn-Initiative bei Basdorf: (von links) LLH-Beraterin Andrea Imhäuser, Bürgermeister Karsten Kalhöfer, und die Landwirte Heinrich Goebeler, Philipp Höhle und Heinrich Klinker.
Rebhuhn-Initiative bei Basdorf: (von links) LLH-Beraterin Andrea Imhäuser, Bürgermeister Karsten Kalhöfer, und die Landwirte Heinrich Goebeler, Philipp Höhle und Heinrich Klinker. © Marianne Dämmer

Eine Gruppe von Landwirten, Jägern und Naturschützern tut alles dafür, um einen kleinen Rebhuhn-Bestand bei Basdorf zu erhalten, ja möglichst zu vergrößern.

Vöhl-Basdorf - Rebhühner sind inzwischen so selten geworden, dass sie auf der Roten Liste der stark gefährdeten Arten stehen. Auf einer Anhöhe bei Basdorf aber leben zwei Rebhuhn-Familienverbände. Einer der beiden „Ketten“, wie Rebhühnerfamilienverbände auch genannt werden, hat späten Nachwuchs erhalten, der erst rund drei Wochen alt ist. Und eine Gruppe von Landwirten, Jägern und Naturschützern tut alles dafür, den Bestand zu erhalten, ja möglichst zu vergrößern.

Das ist die gute Nachricht zu dem Rebhuhn-Projekt, das 2015 auf privater Ebene begann, später aus Mitteln der ehemaligen Naturlandstiftung unterstützt wurde und seit Herbst 2020 mit Hilfe von Fördergeldern aus dem Topf des hessischen Agrar-Umweltprogramms „HALM“ erweitert wird.

Frei laufende Hunde riskieren Bestand

Die schlechte Nachricht: Es gibt Hundehalter, die ihre Tiere ausgerechnet in dem Rebhuhn-Schutzgebiet frei herumlaufen lassen und damit den dortigen Bestand riskieren.

„Die hoch gelegene Feldflur bei Basdorf ist ein gutes Gebiet für Rebhühner – sie wollen immer den Überblick haben“, erklärt Andrea Imhäuser, Biodiversitätsberaterin beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, die das Schutzprojekt der Basdorfer begleitet. „Rebhühner fühlen sich im strukturierten Ackerland wohl, weil sie dort Nahrung und Verstecke finden. Durch den Anbau mehrerer Sonderkulturen wie Weihnachtsbäume, Salweiden, Holunder und Rosenwurz ist die Umgebung hier ohnehin schon reich strukturiert – mit einer neu angepflanzten Hecke und der Anlage von mehrjährigen Rebhuhn-Blühflächen haben die Landwirte hier nun einen Lebensraum geschaffen, der für Rebhühner ideal ist und es möglich machen sollte, dass sich der Bestand erholt oder wächst“, sagt die Rebhuhn-Spezialistin.

Als Laufvogel und Kurzstreckenflieger brauchen Rebhühner Plätze, wo sie sich verstecken können.
Als Laufvogel und Kurzstreckenflieger brauchen Rebhühner Plätze, wo sie sich verstecken können. © Dieter Bark

„Insgesamt rund sechs Hektar Gesamtfläche, aufgeteilt auf elf unterschiedliche Areale, haben wir inzwischen mit Rebhuhn-Blühflächen versehen“, erklärt Landwirt Philipp Höhle, der unter anderem mit Hermann Büchsenschütz-Goebeler, Heinrich Klinker, Fritz Schäfer und Karl-Josef Walmanns an dem Projekt teilnimmt.

„Diese Blühflächen sind in ihrer Artenzusammensetzung und Pflege speziell auf die Bedürfnisse der Rebhühner im Jahresverlauf abgestimmt“, beschreibt Andrea Imhäuser. Fünf Jahre bleiben sie auf demselben Acker. „Sie bieten damit auch in der vegetationsarmen Winterzeit noch genügend Verstecke für die Rebhühner, andere Wildtiere sowie Überwinterungsmöglichkeiten für eine Vielzahl an Insekten“.

Wichtig sei, dass die Pflanzen nicht zu dicht stehen und der Bewuchs nicht zu hoch sei. Rebhühner würden sich eigentlich nur am Boden bewegen, meist nur bei Gefahr fliegen, „dann müssen Start und Landung im Notfall aber gesichert sein“. „Ab dem zweiten Standjahr werden die Flächen jedes Jahr nur halbseitig von den Landwirten bearbeitet, indem rund die Hälfte des Areals nach oberflächlicher Bodenbearbeitung neu ausgesät wird. Die übrige Fläche bleibt unberührt“, so Imhäuser. In der älteren Blühfläche können die Rebhühner sich vor ihren Fressfeinden – Habicht, Uhu, Marder, Fuchs, Dachs und Waschbär sowie streunenden Hunden und Katzen – verstecken.

Dringender Appell: Hunde an die Leine nehmen

Entlang der Basdorfer Schutzflächen weisen Infoschilder auf die Rebhuhn-Rettungsinitiative hin und machen Hundehalter darauf aufmerksam, wie notwendig die Leinenpflicht in dem Schutzgebiet ist.

„Wir appellieren hiermit noch einmal eindrücklich, Hunde unbedingt an der Leine zu führen“, sagt Heinrich Göbeler, der sich seit sieben Jahren mit aller Kraft für den Fortbestand der kleinen Rebhuhnpopulation einsetzt. Vor allem in der Brutzeit der Rebhühner vom 1. März bis 30. Juni sei darauf zu achten, außerdem sollten Hundebesitzer und Spaziergänger auf befestigten Wegen bleiben, betonen Heinrich Göbeler und seine Mitstreiter.

Rebhühner sind Bodenbrüter. Nisten sie, könne schon eine kleine Störung dazu führen, dass sie auffliegen, die Gelege damit auskühlen und dadurch zerstört werden. Sind die Küken geschlüpft, stehen sie gleich auf den Beinen – Rebhühner sind Nestflüchter. Sind sie mit ihren Eltern unterwegs und werden etwa durch Hunde aufgescheucht und von den Elterntieren getrennt, seien sie leichte Beute für Krähen und andere Beutegreifer. Auch wenn es kühl ist, es regnet oder die Küken eine Pause brauchen, nehmen die Eltern sie zum Schutz unter ihre Fittiche. „Küken können erst nach rund zwei Wochen fliegen“, erklärt Heinrich Göbeler. (md)

Gleichzeitig finden sie auf den neu angelegten Blühflächen im Frühjahr und Sommer Insekten, die sie dringend zur Aufzucht ihrer Brut benötigen, denn die Küken fressen in den ersten zwei Lebenswochen ausschließlich Insekten und deren Larven sowie Ameisen. Später kommen Blattteile, Knospen und Blüten, Sämereien von Gräsern und Wildkräutern sowie Getreidekörnern hinzu.

Feldränder bieten Schutz und Nahrung

Die Landwirte sorgen außerdem dafür, dass die Feldwege deutlich seltener gemulcht werden, um Strukturen und Deckung auch über das Winterhalbjahr zu erhalten; abschnittsweise bleiben die Feldränder ganz stehen und werden erst im Frühjahr gemäht. Heinrich Göbeler hat eigens zwei Kartoffelacker angelegt, wo die Tiere Deckung und Nahrung finden - mit Kartoffelkäfern jedenfalls hat Göbeler keine Probleme mehr.

„Die Flächen werden zudem weder gedüngt noch gespritzt“, erklärt Landwirt Heinrich Klinker. „Von diesem Projekt profitieren auch Hasen, Rehe und Insekten“, sagt Landwirt Fritz Schäfer. Auch die Jägerschaft vor Ort beteiligt sich: „Wir begrüßen diesen Einsatz absolut und unterstützen ihn zum Beispiel aktiv durch Prädatorenbejagung, das heißt, dass wir die Fressfeinde des Rebhuhns bejagen – sonst hat das Huhn als Bodenbrüter keine Chance“, betont Fabian Treyse.

„Vielen Dank an alle Beteiligten für ihr Engagement“, sagt Bürgermeister Karsten Kalhöfer: „Artenvielfalt ist ein wichtiges Thema und es ist gut zu sehen, wie erfolgreich das Projekt ist, weil alle aufeinander zugehen und zusammenarbeiten. Hier wird gezeigt, wie es funktionieren kann. Das ist vorbildlich, ich freue mich darüber“. Umso mehr unterstütze er den Aufruf, Hunde im Schutzgebiet an der Leine zu führen. (Von Marianne Dämmer)

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