Sprachunterricht für Flüchtlinge: Es hakt mit der Zeit

Verständigung klappt: (von links) Lehrer Uwe Treude, Maher und Alaa aus Syrien, Sprachlehrerin Sabine Humer, Mohammed aus Somalia, Lehrer Wilfried Schwarz, Mohamed aus Somalia, Burkhard Zeunert vom Bürgerhilfeverein und Betreuer Peter Vaupel. Foto:  Skupio

Somplar. In Somplar im Oberen Edertal wird seit einem Monat Sprachunterricht für Flüchtlinge angeboten. Probleme stellen Zuverlässigkeit und mangelnde Pünktlichkeit der Flüchtlinge dar.

„Sie brauchen unbedingt Handschuhe, sonst kommen sie bald gar nicht mehr zum Unterricht“, beklagt sich Sabine Humer bei Peter Vaupel, der sofort verspricht, die Flüchtlinge zur Kleiderkammer der Gemeindeverwaltung zu begleiten.

Dem ersten Schneefall trotzend haben sich Maher, Alaa, Mohammed und Mohamed mit dem Fahrrad auf den drei Kilometer langen Weg von ihrer Unterkunft zum Sprachunterricht im Dorfgemeinschaftshaus in Somplar gemacht. Doch vor Sabine Humer stehen einige Namensschilder, hinter denen niemand sitzt.

Einige der 18 Teilnehmer haben ein Praktikum in Frankenberg begonnen oder sind unterwegs für eine Anhörung zu ihrem Asylantrag. Einigen war es einfach zu kalt, erfährt Humer von den Cousins Maher und Alaa. Die Brüder der beiden Syrer sind wegen des Schnees in ihrer Unterkunft geblieben. „Wir kommen jeden Tag her, egal welches Wetter“, sagen Alaa und Maher. Den ersten Schnee, den sie in ihrem Leben gesehen haben, finden beide „schön“.

Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit seien laut Humer die Hauptprobleme beim Sprachunterricht. „Ich habe ihnen schon zu Beginn gesagt, dass es der Deutsche mitunter sehr persönlich nimmt, wenn er hier ehrenamtlich steht und warten muss.“ Mittlerweile würden sich die Teilnehmer sofort entschuldigen, wenn sie etwas zu spät kommen. Die selbstständige Unternehmerin teilt sich ihre Arbeit ein, um im Wechsel mit den pensionierten Lehrern Uwe Treude und Wilfried Schwarz an vier Tagen in der Woche anderthalb Stunden Unterricht zu geben.

Problematisch seien auch die verschiedenen Level der Schüler: „Manchen muss man sich mit Händen und Füßen erklären, weil sie kein Englisch sprechen, während andere sich unterfordert fühlen.“ Es sei für alle ein bisschen frustrierend, dass nicht alle regelmäßig zum Unterricht kommen. „Aber alles ist besser als nichts zu tun.“

Es sei nicht okay, dass viele das Angebot nicht nutzen würden, man müsse die Arbeit der ehrenamtlichen Lehrer mehr respektieren, sagt Alaa. Seit drei Monaten ist der Syrer in Deutschland und hat sich privat noch Lernmaterial gekauft. „Ich weiß es zu schätzen, dass sich die Lehrer um uns kümmern.“

Der Sprachunterricht findet durch Ehrenamtliche, die über den Bürgerhilfeverein „Wir für uns“ vernetzt sind, im Dorfgemeinschaftshaus in Somplar statt. Seit drei Jahren kümmert sich der Verein um Flüchtlinge und nimmt sie beispielsweise kostenlos auf, um sie für Aktivitäten des Vereins zu versichern.

Um eine weitere Lernebene aufzubauen, soll ab November in einem Raum in der Böhlstraße in Bromskirchen ein Internetcafé eingerichtet werden. Der Raum wird zuvor in Eigenleistung mit den Flüchtlingen renoviert. Der Bürgerhilfeverein freut sich über Geld- und Sachspenden in Form von Computern, Tischen, Stühlen etc.

Kontakt: Burkhard Zeunert, Telefon: 02984/919265.

Warum es trotz einiger Probleme laut Zeunert wichtig ist, den Unterricht anzubieten, lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der HNA Frankenberg.

Liebe Nutzer, anders als die meisten Artikel auf HNA.de können Sie diesen Text nicht kommentieren. Leider erreichen uns zum Thema Flüchtlinge so viele unangemessene und beleidigende Beiträge, dass eine gewissenhafte Moderation nach den Regeln unserer Netiquette kaum mehr möglich ist. Deshalb können Sie nur ausgewählte Artikel zu diesem Thema kommentieren. Wir bitten um Verständnis. 

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.