Personalkarussell dreht sich

Stadtparlament und Magistrat: So geht es in Korbach weiter

Blick auf den neuen großen Sitzungssaal: Die Stadtverordnetenversammlung konstituiert sich am 26. April. Schon jetzt haben die Fraktionen personelle Weichen gestellt.
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Blick auf den neuen großen Sitzungssaal: Die Stadtverordnetenversammlung konstituiert sich am 26. April. Schon jetzt haben die Fraktionen personelle Weichen gestellt.

Ein ehemaliger Lichtenfelser Bürgermeister im Magistrat der Stadt Korbach, ein Nachrücker, der von seinen eigenen Listenkollegen nicht gewollt wird und ein neuer Vizebürgermeister: Die konstituierende Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 26. April lässt einige bemerkenswerte Personalentscheidungen erwarten.

Korbach – Keine Bündnisse, dafür fraktionsübergreifende Zusammenarbeit: Die sprichwörtlichen „Korbacher Verhältnisse“ werden sich wohl auch in den nächsten fünf Jahren fortsetzen. Das haben die Fraktionen bereits durchblicken lassen. Also bleibt alles beim Alten? Zumindest personell wird sich einiges ändern.

Die CDU ist – bislang –stärkste Fraktion – und hat deshalb traditionell den Anspruch auf den Posten des Ersten Stadtrats, dem Stellvertreter des Bürgermeisters. Doch wer wird Nachfolger von Günter Trachte (SPD), der bei der Kommunalwahl nicht mehr angetreten ist? Als wahrscheinlicher Kandidat gilt Heinz Merl. Die Verantwortung an der Spitze der CDU-Fraktion hat der erfahrene Kommunalpolitiker bereits an Jannick Göbel abgegeben. Er wäre also frei für eine verantwortungsvolle neue Aufgabe. Doch weder Merl noch Göbel wollten gegenüber unserer Zeitung entsprechende Ambitionen bestätigen.

Tyche Feddersen wird nicht der CDU-Fraktion angehören

Sicher ist derweil, dass Tyche Feddersen als zweiter Nachrücker auf der CDU-Liste in die Stadtverordnetenversammlung einziehen wird. Das ist insofern bemerkenswert, weil der parteilose Kandidat im Wahlkampf öffentlich Kritik am damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden Heinz Merl geübt hatte – und dabei selbst als Hospitant auf der Liste der Korbacher CDU stand. Mit einigen politischen Winkelzügen hätte die CDU verhindern können, dass Feddersen nachrückt. Doch Fraktionsvorsitzender Jannick Göbel erklärt: „Wir akzeptieren den Wählerwillen.“

Wie eine Zusammenarbeit mit Feddersen in der Stadtverordnetenversammlung aussehen werde, sei jedoch noch nicht entschieden – sagt zumindest Göbel. Tyche Feddersen selbst stellt die Sache anders dar: „Jannick Göbel hat mir am Donnerstag mitgeteilt, dass ich der CDU-Fraktion nicht angehören werde, ich bin also fraktionslos. Das ist enttäuschend, nicht zu begründen und spiegelt nicht den Wählerwillen wider.“ Die Frage, ob er sich einer anderen Fraktion anschließen wolle, ließ Feddersen offen.

Der Fall Feddersen ändert indes schon jetzt die Machtverhältnisse in der Stadtverordnetenversammlung: Die CDU verliert damit einen von bislang acht Sitzen und hat damit die gleiche Fraktionsstärke wie die SPD. Ohnehin hat die „heimliche Große Koalition“ aus CDU und SPD, die in der Vergangenheit auch schon Entscheidungen gegen die Stimmen der kleineren Fraktionen durchsetzte, keine Mehrheit mehr: Freie Wähler, Grüne, FDP und Aktive Bürger kommen zusammen auf 16 Sitze

Auch die Korbacher Sozialdemokraten haben schon erste personelle Weichen gestellt: Fraktionsvorsitzender bleibt Henrik Ludwig, sein Stellvertreter Helmut Schmidt. In den Magistrat wollen Sabine Weinreich und Moritz Briehl wieder einziehen. Respekt über alle Fraktionen hinweg hatte sich in den vergangenen Jahren Lilo Hiller als Stadtverordnetenvorsteherin erarbeitet. „Wir hätten jedenfalls nichts dagegen, wenn sie es auch weiterhin bleibt, auch wenn sie nicht der stärksten Fraktion angehört“, sagt Henrik Ludwig.

Ehemaliger Lichtenfelser Bürgermeister will in den Korbacher Magistrat

Er will wieder Rathausluft schnuppern: Uwe Steuber, der 18 Jahre lang Bürgermeister von Lichtenfels war, soll als Stadtrat für die Freien Wähler in den Magistrat einziehen. „Außerdem wollen wir Thomas Kuhnhenn in den Magistrat schicken“, sagt Kai Schumacher, der mit Beginn der neuen Wahlperiode auch dienstältester Fraktionsvorsitzender in der Stadtverordnetenversammlung sein wird.

Um zwei auf fünf Sitze gewachsen ist die Fraktion der Grünen. „Wir haben keine Bündnisse, keine Koalitionen geplant, wir wollen inhaltlich überzeugen“, kündigt Fraktionsvorsitzende Heike Kramer an. Stadtrat der Grünen soll wie bisher Bernd Kramer sein.

Die FDP-Fraktion wird sich erst an diesem Wochenende formieren, wie der bisherige und voraussichtlich auch neue Fraktionschef Jochen Rube mitteilt. In den Magistrat wollen die Liberalen wie bisher Bernd Richter-Schluckebier schicken. Die Zwei-Mann-Fraktion der Aktiven Bürger geht wie bisher mit Vorsitzenden Axel Krüer an den Start.

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