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Sturm in Waldeck-Frankenberg: Das Aufräumen dauert noch Tage

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Von: Susanna Battefeld, Jörg Paulus, Philipp Daum, Marianne Dämmer

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Der Bauhof der Stadt Frankenau war am Montagmorgen im Einsatz, um Sturmschäden zu beseitigen. Im Bild Georg Baumann im Bagger.
Der Bauhof der Stadt Frankenau war am Montagmorgen im Einsatz, um Sturmschäden zu beseitigen. Im Bild Georg Baumann im Bagger. © Susanna Battefeld

Das Sturmtief Antonia hat nach Ylenia und Zeynep für neue Schäden und Verkehrsbehinderungen in Waldeck-Frankenberg gesorgt. Das genaue Ausmaß stand am Montag noch nicht fest.

+++ aktualisiert um 13.50 Uhr +++ Waldeck-Frankenberg - Umgestürzte Bäume, gesperrte Straßen und jede Menge Regen: Das ist die erste Bilanz des Sturmtiefs Antonia, das ab Sonntagabend (20.02.2022) auch über Waldeck-Frankenberg gezogen ist. In höheren Lagen des Landkreises fiel auch Schnee.

Die Folgen der Stürme werden die Bauhöfe noch mehrere Tage in Anspruch nehmen. Die Mitarbeiter der Gemeinde Haina sind auf den Gemeindestraßen unterwegs, um umgefallene Bäume und Äste zu beseitigen, informierte Bürgermeister Alexander Köhler am Montag.

Wie groß die Schäden in den Wäldern sind, das ist laut Forstamtsleitern noch nicht absehbar. Eindeutig ist aber ihre Warnung, die Eberhard Leicht vom Forstamt Burgwald so formuliert: „Keine Waldbesuche! Destabilisierte, geneigte, schief stehende Bäume können auch bei geringeren Windgeschwindigkeiten umstürzen.

Einige Straßen noch bis Mittwoch gesperrt

Die Straßenmeistereien von Hessen-Mobil in Nordhessen befinden sich seit Donnerstag im Dauereinsatz, um in Zusammenarbeit mit Feuerwehren, Bauhöfen und Hessen-Forst die Sturmschäden an und auf den Straßen so schnell wie möglich zu beseitigen, berichtete die Verkehrsbehörde in Bad Arolsen.

Die meisten Straßen konnten inzwischen wieder freigegeben werden, hieß es am Montagnachmittag. „In Waldeck-Frankenberg bleiben allerdings noch die L3076 zwischen Frankenberg und Rosental länger gesperrt, ebenso die Landesstraße 3083 zwischen Dehringhausen und Freienhagen und Ober-Waroldern und Korbach. Voraussichtlich bis Mittwoch bleiben außerdem die Landesstraße 3198 zwischen Bad Arolsen und Kohlgrund sowie die Kreisstraßen K83 Rhoden-Denkelhof und die K80 zwischen Massenhausen und Gembeck gesperrt.“

Lkw hingen auf der B253 an der Sackpfeife fest

Am Montagmorgen gab es auf der Bundesstraße 253 über die Sackpfeife Verkehrsbehinderungen, weil immer wieder Lastwagen auf der vom Neuschnee rutschigen und zum Teil vereisten Fahrbahn nicht mehr weiterkommen. Die Landesstraße zwischen Frankenberg und Rosenthal ist derzeit noch wegen umgestürzter Bäume gesperrt. Während wir dort ein Foto gemacht haben, haben aber etliche Autofahrer die Schilder „Durchfahrt verboten“ und „Windbruch“ ignoriert und sind dennoch weitergefahren.

B253 zwischen Laisa und Eifa, Winterdienst im Einsatz
Winterdienst im Einsatz auf der B253 zwischen Laisa und Eifa. © Paulus, Jörg

Der Sturm brachte ab Sonntagabend auch viel Regen mit nach Waldeck-Frankenberg, Flüsse und Bäche stiegen weiter an. In Somplar wurde ein Bacheinlauf verstopft, die Dorfstraße wurde überspült, zwei Keller liefen voll. „Die Feuerwehr hatte die Sache schnell im Griff, es gab keine größeren Schäden, berichtet Bürgermeister Ottmar Vöpel. 

Und es besteht weiterhin allgemein die Warnung, nicht in Wälder zu gehen, weil weitere Bäume umstürzen und Äste herunterfallen könnten. Zwischen Laisa und Eifa sorgten Bäume auf der Fahrbahn in der Nacht auf Montag dafür, dass ein Lkw dazwischen eingeschlossen wurde. In Friedrichshausen beschädigten umgestürzte Bäume die Grillhütte.

In Friedrichshausen beschädigten umgestürzte Bäume die Grillhütte.
In Friedrichshausen beschädigten umgestürzte Bäume die Grillhütte. © Gerlinde Himmelmann

Bauhöfe im Einsatz

In Frankenau sind etliche Bäume umgestürzt, auf einigen Gebäuden sind Ziegel von den Dächern gefallen. Es habe aber zum Glück keine größeren Sturmschäden gegeben, sagte Bürgermeister Björn Brede. Straßen waren im Stadtgebiet am Montagmorgen nicht gesperrt. „Betroffen waren vor allem Zuwege und Feldwege“, sagte Brede.

Die Mitarbeiter des Bauhofs seien damit beschäftigt, diese freizuräumen. Georg Baumann vom Bauhof und seine Kollegen waren Montagvormittag unter anderem in Allendorf/Hardtberg in der Brunnenstraße im Einsatz. Dort waren mehrere Weiden umgefallen. „Wir haben seit Donnerstag ordentlich zu tun“, sagte Baumann. Von umgestürzten Bäumen seien alle Frankenauer Stadtteile betroffen. „Unser Vorarbeiter hat Kontrollfahrten unternommen, um sich einen Überblick zu verschaffen, zum Teil haben uns aber auch Anwohner oder Ortsvorsteher angerufen“, berichtet Baumann.

Wie viele seiner Kollegen dankt Frankenaus Bürgermeister Björn Brede den Einsatzkräften, die nach den Stürmen der vergangenen Tage mit dem Aufräumen beschäftigt waren und noch sind. „Wir sind stolz auf unseren Bauhof, die Feuerwehr und das THW, dass sie dafür sorgen, dass das normale Leben wieder weitergehen kann“, sagte er am Montagmorgen.

Ruhige Nacht in Korbach und Diemelsee, keine Sturm-Unfälle

Für die Feuerwehren in Korbach und den Stadtteilen war es dagegen eine ruhige Nacht - und auch bis zum heutigen Montagmorgen änderte sich dies nicht. Nach Auskunft von Stadtbrandinspektor Carsten Vahland gab es für die Wehren bislang keinerlei Einsätze wegen des Sturmtiefs Antonia. „Wir waren natürlich vorbereitet, mussten aber nicht ausrücken“, so Vahland. Ob es auch über den Tag hinweg ruhig bleibe für die Feuerwehren, müsse abgewartet werden.

Manuel Luxenburger von der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg sprach mit Blick auf den Landkreis ebenfalls von einer „ruhigen Nacht“ für die Polizeibeamtinnen und -beamten. Zwar verwies auch er auf mehrere Einsätze, bei denen Feuerwehrleute Bäume von den Straßen im Landkreis räumen mussten. „Unfälle infolge des Sturmtiefs Antonia, zu denen wir gerufen wurden, gab es in der Nacht von Sonntag auf Montag sowie am Montagmorgen aber keine“, so Luxenburger.

Auch in Diemelsee war die Nacht von Sonntag auf Montag „sehr ruhig“, berichtete Jens Figge von der Feuerwehr Diemelsee. Lediglich am Montagmorgen sei die Feuerwehr Heringhausen gegen 8 Uhr zu einem Baum-Einsatz in den Sankt-Muffert-Weg gerufen worden. Dies sei in Zusammenarbeit mit dem Bauhof der Gemeinde Diemelsee abgearbeitet worden.

Die Landesstraße zwischen Frankenberg und Rosenthal ist derzeit noch wegen umgestürzter Bäume gesperrt.
Die Landesstraße zwischen Frankenberg und Rosenthal ist derzeit wegen umgestürzter Bäume gesperrt. © Kira Müller

Im Zuständigkeitsbereich der Polizeistation Bad Arolsen blockierten dagegen viele umgestürzte Bäume die Fahrbahnen von Landes- und Bundesstraße. Die Straßenmeisterei war die ganze Nacht über im Einsatz, um die Hindernisse zu beseitigen und die Fahrbahnen wieder freizubekommen.

Besonders betroffen waren die Landesstraße L3081 zwischen Rhoden und Wrexen, die L3438 zwischen Rhoden und Neudorf, sowie die Bundesstraße B450 zwischen dem Twistesee-Vorstau und Wolfhagen. Innerhalb der Stadt Bad Arolsen wurde am Montagmorgen gegen 8 Uhr die Feuerwehr alarmiert, weil ein Baum in der Albert-Schweitzer-Straße auf ein Auto zu kippen drohte.

Schäden im Wald so heftig wie 2018 nach Friederike

Sturm Zeynep hat im Stadtwald in Lichtenfels große Schäden angerichtet. Nach ersten Prognosen sind rund 4000 Festmeter Holz gefallen, darunter Hauptbaumarten wie Fichte, Lärche, Buche und Kiefer. „Nach derzeitigem Stand sind rund zwei Drittel der Holzmenge, die wir dieses Jahr einschlagen wollten, durch den Sturm gefallen. Unsere dringlichste Aufgabe ist nun die Aufarbeitung des Holzes, vor allem an den Hauptwegen und an den sonnenexponierten Stellen, damit der Borkenkäfer später nicht für noch größeren Schaden sorgt“, sagt der Lichtenfelser Bürgermeister Henning Scheele. Die tiefe Feuchtigkeit durch den vielen Regen erschwere eine Aufarbeitung vor allem auf steinigem Untergrund allerdings. 

Hohe Schäden gibt es auch an Zäunen und Wildgattern im Stadtwald. „Wir befürchten , dass die Schäden durch Zeynep ähnlich hoch sind wie 2018 durch Friederike, wenn nicht noch schlimmer“, so der Lichtenfelser Rathauschef.

Unter anderem viele Buchen hat der Sturm Zeynep umstürzen lassen im Lichtenfelser Stadtwald.
Ein Bild der Verwüstung: Der Sturm Zeynep hat am Freitagabend, 18. Februar 2022, schwere Schäden im Lichtenfelser Stadtwald angerichtet. Zwei Drittel der Holzmenge, die im laufenden Jahr einschlagen werden sollte, sind dem Sturm zum Opfer gefallen. Foto: Martin Wrosch/pr © Martin Wrosch/pr

„Unser Appell richtet sich an das Land Hessen und den Bund, uns und andere Waldbesitzer nach den Schäden, die die jüngste Orkanserie angerichtet hat, finanziell zu unterstützen. Wir brauchen einen Ausgleich, um die Schäden aufzuarbeiten und die zerstörten Flächen wieder zu bewalden“, unterstreicht der Bürgermeister.

Am Wochenende mit Schwerpunkt Freitag zwischen 19 Uhr und ein Uhr Samstagmorgen, hatten die Lichtenfelser Feuerwehren fünf Einsätze zu fahren: Fünf Wehren mit insgesamt 41 Kameradinnen und Kameraden waren für Hilfseinsätze unterwegs. Mitarbeiter des Bauhofs unterstützten teilweise mit Straßensperrungen, erklärt Bürgermeister Scheele. Am Samstag waren außerdem die Lichtenfelser Forstwirte im Einsatz, um Rettungswege freizuschneiden, darunter etwa den Aarweg bei Goddelsheim. Der war in Richtung Medebach zeitweise aufgrund umgefallener Bäume unpassierbar.  

Bauliche Schäden an städtischen Liegenschaften hielten sich in Grenzen. Verzeichnet worden seien Dachschäden am Rathaus in Goddelsheim, am DGH Rhadern und einer städtischen Scheune in Immighausen.

Von Hochwasserschäden blieb die Stadt Lichtenfels nach aktuellem Stand verschont. Nur auf einigen Wiesen habe sich viel Wasser in Senken gesammelt. Der kleine Bach, der an der Kirche in Dalwigksthal vorbeiführt und dann unterirdisch weiterführt, sei durch Mitarbeiter des Bauhofs am gesamten Wochenende immer wieder von Ästen und Laub befreit worden, um Überschwemmungen und Schäden zu verhindern.

Im Nationalpark Kellerwald -Edersee wird in den kommenden zwei bis drei Tagen das genaue Ausmaß der Schäden, die die Sturmtiefs Ylenia, Zeynep und Antonia verursacht haben, unter die Lupe genommen. Das berichtete Achim Frede vom Nationalparkamt. Anschließend werde man im Detail sagen können, welche Wege und Bereiche im Nationalpark-Gebiet aufgrund von Sturmschäden und Gefahren für Besucher gesperrt werden müssten. Frede warnt in diesem Zusammenhang weiterhin davor, in den kommenden Tagen in den Wald zu gehen. Bäume könnten nicht mehr standsicher sein - außerdem könnten abgeknickte Äste herunterfallen.

Durch den Sturm wurden einige Dächer beschädigt - bei dieser Scheune sind Dachziegel heruntergeflogen.
Durch den Sturm wurden einige Dächer beschädigt - bei dieser Scheune sind Dachziegel heruntergeflogen. © Battefeld, Susanna

Auch in Waldeck gab es in den zurückliegenden Tagen zahlreiche Sturmschäden. Bürgermeister Jürgen Vollbracht sprach auf seiner Facebook-Seite daher den Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehren sowie den Mitarbeitern des Bauhofs und den freiwilligen Helfern „ein großes und herzliches Dankeschön“ für den unermüdlichen Einsatz zur Beseitigung der Sturmschäden aus.

Züge fielen wieder aus

Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) hatte bereits am Sonntagabend erneute Zugausfälle angekündigt - wie an den Tagen zuvor schon bei den Stürmen Ylenia und Zeynep. Ab Sonntag 22 Uhr wurde unter anderem der Betrieb der Kurhessenbahn eingestellt. Davon waren auch die Linie RB/RE97 zwischen Marburg und Brilon über Frankenberg und Korbach betroffen sowie die RB/RE39 von Kassel über Wabern nach Bad Wildungen.

Der NVV empfahl, sich vor dem Start über die jeweiligen Verbindung zu informieren und Fahrten soweit möglich zu verschieben. Informationen finden sich in der NVV-Fahrplanauskunft und in der NVV-App oder können am NVV-Service-Telefon unter 0800/9390800 erfragt werden.  

Anders als am vergangenen Donnerstag und Freitag gab es keine generelle Empfehlung des Landkreises, dass die Schulen in Waldeck-Frankenberg geschlossen bleiben sollen. Während der Stürme Ylenia und Zeynep hatten die meisten Schulen an den beiden Tagen auf Präsenzunterricht verzichtet.

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