Staatsanwalt: „Tat war extrem gefährlich“

Versuchter Totschlag im Treppenhaus: Haftstrafe für 60-jährigen Mann aus Korbach

Wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung hat das Landgericht Kassel einen 60-jährigen Korbacher zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.
+
Wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung hat das Landgericht Kassel einen 60-jährigen Korbacher zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.

Wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung hat das Landgericht Kassel einen 60-jährigen Korbacher zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.

Korbach/Kassel – Die Staatsanwaltschaft Kassel hatte dem Angeklagten vorgeworfen, am 2. August 2018 in Korbach seine Lebensgefährtin im Treppenhaus über das Geländer gehoben und schließlich losgelassen zu haben. Die Frau stürzte 7,5 Meter tief und schlug im Erdgeschoss auf dem Treppengeländer auf. Sie wurde schwer verletzt. Nach Angaben des Staatsanwaltes bestand aber keine akute Lebensgefahr.

Der Vorsitzende Richter Christian Geisler sprach bei der Urteilsverkündung von einer Tat mit einer besonderen Konstellation. Die Frau hätte tot sein können, sagte er.

Eine besondere Bedeutung bei der Strafzumessung habe die Tatsache, dass beide wieder zusammen seien. Das Gericht sei nicht davon überzeugt, dass es ein tragischer Unfall gewesen sei: „Es war ein absichtliches Loslassen, ein Fallenlassen aus 7,50 Meter Höhe.“ Die schweren Verletzungen seien Gott sei Dank nicht tödlich gewesen. Für den Angeklagten spreche, dass er nicht vorbestraft sei, die Reue und Entschuldigung sowie die geständige Einlassung. Es sei keine geplante, sondern eine spontane Tat gewesen. Die Beziehung sei weiter in Takt, obwohl nicht beantwortet sei, ob sie ihm verziehen habe. Die Voraussetzungen, den Mann in einer Entziehungsanstalt unterzubringen, lägen nicht vor, erklärte der Richter.

Nach den Worten von Staatsanwalt Johannes Dietrich hat die Verhandlung die Anklage bestätigt. Er habe die Frau absichtlich und bewusst in die Tiefe stürzen lassen. Es sei um gegenseitiges Vertrauen gegangen. Zum Tathergang stehe Aussage gegen Aussage. Die Frau habe den Angeklagten belastet. Er habe ihr die Möglichkeit genommen, sich festzuhalten. Der Beschuldigte habe während der Tat 2,06 Promille im Blut gehabt. „Die Tat war extrem gefährlich“, sagte Dietrich. Unter Hinweis auf die Aussagen der Ex-Frau und zwei seiner fünf Kinder (wir berichteten), sprach der Staatsanwalt von „recht dramatischen Ereignissen“.

Der Verurteilte muss die Kosten des Verfahrens tragen. Der Haftbefehl vom 3. August 2018 bleibt bestehen. Die bisher verbüßte Untersuchungshaft von einem halben Jahr wird auf die Gesamtstrafe angerechnet. In seinem letzten Wort entschuldigte sich der Angeklagte für die Tat und dankte allen, die seiner Lebensgefährtin geholfen haben – unter anderem dem Rettungsdienst. Am Ende des viertägigen Prozesse bedankte er sich für das faire Verfahren der 10. Großen Strafkammer. Ob er und sein Anwalt Rechtsmittel einlegen, darüber wollen sie „erst mal eine Nacht schlafen“. Staatsanwalt Dietrich verzichtete auf Rechtsmittel. Er hatte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren beantragt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.