Kassenärztliche Vereinigung ändert Prozedere, wehrt sich aber auch gegen Kritik

Ärger im Korbacher Testcenter: Testwillige wurden weggeschickt

Abstrich: Der PoC-Antigen-Schnelltest ist pro Person einmal wöchentlich kostenfrei. Auch im Testcenter in Korbach wird er angeboten. Wenn viel Andrang ist, kann es passieren, dass nicht alle Testwilligen dran kommen.
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Abstrich: Der PoC-Antigen-Schnelltest ist pro Person einmal wöchentlich kostenfrei. Auch im Testcenter in Korbach wird er angeboten. Wenn viel Andrang ist, kann es passieren, dass nicht alle Testwilligen dran kommen.

Wer sich kostenlos auf das Coronavirus testen lassen möchte, kann dies unter anderem im Testcenter der Kassenärztlichen Vereinigung im Ziegelhütter Weg in Korbach tun.

Zwischen 8 und 10 Uhr können dort Menschen ohne Anmeldung vorbeikommen und an sich einen PoC-Antigen-Schnelltest durchführen lassen – das bescheinigte Ergebnis erhalten sie direkt vor Ort.

Allerdings: Ob man tatsächlich getestet wird, ist nicht immer zu 100 Prozent gesichert. Ein Leser unserer Zeitung aus Lichtenfels-Goddelsheim berichtete uns, dass er am vergangenen Freitag zusammen mit seiner Frau um kurz vor 9.30 Uhr am Testcenter in Korbach angekommen sei.

„Wir haben uns geduldig in die Schlange gestellt und uns langsam vorgearbeitet. Gegen 10 Uhr waren wir etwa in der Wartehallenmitte angekommen, als uns eine Dame lapidar mitteilte, dass auf Anweisung ab 10 Uhr keine Schnelltests mehr durchgeführt werden könnten und wir deshalb die Halle verlassen sollten“, berichtet der Leser.

Seiner Frau und ihm sei außerdem geraten worden, in der nächsten Woche wiederzukommen oder einen anderen Testort aufzusuchen. „Zusammen mit uns wurden etwa 20 Wartende, die allesamt rechtzeitig vor 10 Uhr im Testcenter waren, wieder weggeschickt.“

Der Leser berichtet weiter, dass dies für alle Betroffenen sehr frustrierend gewesen sei, denn die Anzahl der Wartenden sei dem Personal im Korbacher Testcenter ja bekannt gewesen – ebenso die Länge der Durchlaufzeit pro Person.

„Ich bin deshalb der Meinung, dass man die Wartenden sehr viel früher hätte informieren oder den Zugang zum Center rechtzeitig hätte schließen müssen“, sagt der Leser. Weil dies nicht passiert sei, wäre es vernünftig und fair gewesen, alle Testwilligen an diesem Tag noch dranzunehmen.

„Es gilt, Kontakte zu vermeiden“

Für die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen stellt sich der Fall mit Blick auf die Zahl der wartenden Menschen etwas anders dar. „Laut Aussage der Mitarbeiter im Testcenter waren es keine 20, aber es mussten tatsächlich Patienten weggeschickt werden“, sagt KV-Pressesprecher Karl Matthias Roth.

Karl Matthias Roth, Pressesprecher bei der Kassenärztliche Vereinigung Hessen

Er gibt zudem einen Einblick in das Test-Prozedere vor Ort: „Ab 10 Uhr führen wir im Testcenter ausschließlich PCR-Testungen durch. Um Kontakte im Warteraum mit Symptom-Patienten und Kontaktpersonen von Corona-Infizierten zu vermeiden, müssen deshalb eventuell Patienten, die für den PoC-Antigentest da sind, weggeschickt werden.“

Roth blickt in diesem Zusammenhang auch noch einmal auf besagten Freitag und betont, dass man aus den gemachten Erfahrungen bereits Lehren gezogen habe. „An diesem Tag war das Patientenaufkommen sehr hoch. Daher ist im Testcenter das Prozedere nun wie folgt geändert worden: Allen Patienten, die nach 9.15 Uhr zum PoC-Antigentest erscheinen, wird jetzt mitgeteilt, dass wir unser Bestes geben sie aber eventuell auch auf den nächsten Tag verweisen müssen.“

Der KV-Sprecher berichtet mit Blick auf die begrenzte Anzahl von Tests, dass deshalb noch niemand weggeschickt worden sei. Da habe es bislang keine Engpässe gegeben. Roth: „Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen hat nach völlig unzureichender Vorlaufzeit die Bürgertests in ihren Testcentern ab dem 8. März angeboten, obwohl das nicht ihr Auftrag im engeren Sinne ist. Die KV ist eigentlich nur für die Testung von symptomatischen Patienten zuständig.“ Wenn eine ohnehin schon angespannte Situation durch teilweise überzogene Ansprüche oder auch aggressives Verhalten – welches nicht nur ein Phänomen in Korbach sei – verkompliziert werde, sei das sicher nicht hilfreich.

PoC-Antigen-Schnelltest und PCR-Test: Das ist der Unterschied

Der PoC-Antigen-Schnelltest ist pro Person einmal wöchentlich kostenfrei. Im Testcenter in Korbach (Ziegelhütter Weg 29) wird er täglich von 8 bis 10 Uhr in begrenzter Zahl angeboten. „Dieser Test ist zum Beispiel für Menschen gedacht, die jemanden besuchen und mit einem negativen Ergebnis ein Stück mehr Sicherheit haben wollen“, sagt Karl Matthias Roth von der Kassenärztlichen Vereinigung. Das Testergebnis gebe es direkt vor Ort in Form einer Bescheinigung.

Der PCR-Test wird dagegen ausschließlich an Menschen mit Symptomen sowie an Kontaktpersonen von einer mit dem Coronavirus infizierten Person durchgeführt. Die Auswertung des PCR-Tests erfolgt anschließend im Labor. Das Ergebnis liegt nach wenigen Stunden bis Tagen vor.

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