Interview

Halb Ossis, halb Wessi: Thüringer Paar berichtet vom Leben im Frankenberger Land

Leichte Ostalgie: Kerstin und Jens Görnandt, die in der DDR aufwuchsen und seit mehr als 20 Jahren im Landkreis Waldeck-Frankenberg leben, greifen gerne auf Ost-Produkte zurück. Das Foto zeigt sie vor ihrem Haus in Allendorf-Eder mit Hainichen-Gurken und Thüringer Bratwurst, die sie von ihrem letzten Besuch in der Heimat mitgebracht haben. Foto: Biedenbach

Waldeck-Frankenberg. "Im Osten war auch nicht alles schlecht", sagen Jens und Kerstin Görnandt. Das Ehepaar berichtet im HNA-Interview über sein Leben im Westen.

Sie stammen aus Thüringen und haben sich vor über 20 Jahren eine Existenz im Westen geschaffen: Jens (46) und Kerstin (44) Görnandt. Beide sind berufstätig, haben in Allendorf-Eder ein Haus gebaut, wo sie mit ihren beiden Töchtern leben.

Jens und Kerstin Görnandt sind halb Ossis und halb Wessis, denn sie lebten die erste Hälfte ihres Leben im Osten und die andere im Westen. Sie sind also ideale Interview-Partner für einen Vergleich von Ost und West.

Ganz direkt gefragt: Fühlen Sie sich nach mehr als 20 Jahren in Waldeck-Frankenberg mehr als Ossis oder als Wessis? 

Jens Görnandt: Ich fühle mich meiner Heimat in Thüringen verbunden. Die liegt nun mal im Osten, nicht im Westen.

Kerstin Görnandt: Ossi und Wessi, die Begriffe spielen eigentlich kaum noch eine Rolle. Allerdings sage ich, wenn wir in unsere Heimatstadt Bad Langensalza fahren, immer noch: Wir fahren rüber.

Wurden Sie jemals wegen Ihrer Herkunft aus der ehemaligen DDR als Ossis gehänselt oder angefeindet? 

Jens Görnandt: Die Arbeitskollegen haben schon mal Witze gemacht. Zum Beispiel: Man bezeichnete Leute aus dem Osten spaßhaft als „Udo“ - unser dummer Ossi. Aber das war in der Regel nicht ernst gemeint. Wenn ich aus Bayern gekommen wäre, hätte ich mir Bayern-Witze gefallen lassen müssen.

Schilderungen von Zeitzeugen und Berichte rund um den Mauerfall haben wir in diesem Dossier zusammengefasst.

Kerstin Görnandt: Anders als die Menschen aus Sachsen fallen wir hier mit unserem thüringischen Tonfall nicht besonders auf. Ich sorge nur manchmal mit Ausdrücken für Verwunderung, wie zum Beispiel Bratklößchen für Frikadellen oder Broiler für Brathähnchen.

Wieso haben Sie sich Anfang der 1990er-Jahre entschieden, in den Westen zu ziehen? 

Kerstin Görnandt: Das haben wir damals dem Zufall überlassen. Wir hatten die freie Wahl. Ich hatte in Erfurt eine gute feste Stelle als Verwaltungsangestellte der Berufsgenossenschaft und mein Mann war in Battenberg auf dem Auhammer beschäftigt. Die Frage war, kommt er zurück nach Thüringen oder gehe ich in den Westen?

Jens Görnandt: Ja, ich hätte sicher auch Arbeit in Thüringen gefunden. Wir haben deshalb den Zufall entscheiden lassen, Wir haben abgemacht, wenn ich die Werkswohnung vom Auhammer bekommen, um die ich mich beworben hatte, dann bleiben wir im Westen. Und so kam es.

Kerstin Görnandt: Wir waren damals Anfang 20, jung und flexibel. Ich habe dann beim Landkreis Waldeck-Frankenberg noch eine komplett neue Ausbildung zur Verwaltungsangestellten absolviert und bin dort bis heute tätig. (mab)

Haben sie ihre Entscheidung bereut? Was vermissen sie im Westen? Wie erleben sie die westliche Gesellschaft? Was war im Osten besser? Antworten auf alle diese Fragen lesen Sie in den gedruckten Sonntagausgaben der HNA Frankenberger und Waldecker Allgemeine

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