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Gebühren der Tierärzte steigen: Verständnis bei Tierschützern trotz höherer Kosten

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Von: Julia Janzen

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Eine Frau mit einer verletzten Katze auf dem Arm
Gesund werden nach Tumor-Operation: Daniela Nürnberg von der Stiftung Arche KaNaum mit Kater Denver. Er hatte einen Tumor am Ohr. Die Operation kostete rund 500 Euro. Derzeit erholt sich der Vierbeiner von dem Eingriff. © Janzen, Julia

Ab dieser Woche gilt für Tierärzte deutschlandweit eine neue Gebührenordnung. Viele Leistungen werden teurer. Einer der wichtigsten Gründe für die Anhebung: Die Löhne der Tiermedizinischen Fachangestellten (TFA) steigen.

Bereits zum Oktober sind die TFA-Löhne angehoben worden. Das sei auch nötig gewesen, „um die Mitarbeiter halten zu können“, sagt Dr. Monika Reinhold, Tierärztin aus Volkmarsen. „Der Beruf soll attraktiver werden.“

Im Alltag, so sagt die Tiermedizinerin, werde sich mit Blick auf die Gebühren nicht allzu viel ändern. Spüren würde man das Plus vor allem bei Operationen und Notdiensten. Beim Notdienst kann nun für eine Behandlung bis zum vierfachen Satz berechnet werden.

Hund oder Katze: Kein Unterschied bei Untersuchungsdauer

Als Beispiel für die Steigerung der Gebühren werde oft die Untersuchung von Katzen herangezogen, sagt Monika Reinhold. Bisher waren 8,98 Euro für den Check einer Katze fällig, nun werden es 23,62 Euro sein, für Hund und Katze wird derselbe Betrag berechnet. Knapp neun Euro seien viel zu wenig gewesen, sagt Reinhold. „Auch weil es im zeitlichen Rahmen keinen Unterschied gibt.“ Sie habe diese Gebühr längst angepasst. „Ich bezahle meine Mitarbeiter gut, deshalb kostet es bei uns auch mehr“.

Die Mengeringhäuser Tierärztin Susanne Wallat sagt, dass die neue Gebührenordnung „aufgrund der aktuellen Energiekrise nicht mehr alles“ abdecke. Jede Praxis müsse betriebswirtschaftlich rechnen. Sie verweist auf „faire Bezahlung der Mitarbeiter, Fortbildungs- und Weiterbildungspflicht, Qualitätssicherung, moderne und hochwertige medizinische Geräte neben den eigentlich laufenden Kosten wie Strom und Miete“. Besser wäre aus ihrer Sicht eine „kontinuierliche Steigerung über die Jahre“ gewesen, wie es sie in anderen Berufen gibt. Da die Gebührenordnung aber ein Gesetz sei, sei das nicht organisierbar gewesen.

Daniela Nürnberg von der Arche KaNaum (Katze, Nager und mehr) in Mengeringhausen, sieht die neuen Gebühren als „absolut berechtigt“. Sie habe früher als TFA gearbeitet und wisse, dass die Löhne viel zu niedrig seien. Auch, wenn es finanziell schwierig werde: An Tierarzt und Futter werde nicht gespart, „es muss gestemmt werden.“ Karin Podbiol, Vorsitzende des Tierschutzvereins Bad Wildungen, rechnet mit „bis zu 40 Prozent mehr“ Kosten für Behandlungen. Den Verein bringe das in die Bredouille, man bemühe sich um mehr Spenden.

Landwirte: „Über höhere Verkaufserlöse wieder reinholen“

Auch tierhaltende Landwirte werden von den Kostensteigerungen der Tierärzte betroffen sein. „Die gestiegenen Kosten, die nicht nur bei den Tierarztkosten vorhanden sind, müssen dann über höhere Verkaufserlöse wie Fleisch oder Milch wieder reingeholt werden“, sagt Heiko Kieweg, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Waldeck.

„Meist besteht ein sogenannter Betreuungsvertrag, der zum Beispiel die Häufigkeit der Routinebesuche regelt. Wichtig ist eine schnelle Hilfe bei akuten Problemen wie beispielsweise Schwergeburten“, sagt Kieweg. Generell würden Großtierpraxen in den ländlichen Regionen weniger. „Ungeregelte Arbeitszeiten, Wochenenddienste oder ein raues Arbeitsklima in Offenställen verlangen schon ein großes Maß an Einsatz und Motivation im Vergleich zu einer Kleintierpraxis.“ Natürlich müsse dann auch eine entsprechende Entlohnung bei den Tierärzten ankommen.

Generell sei bei einer weiter abnehmenden Tierhaltung auch mit einer abnehmenden Anzahl an Großtierpraxen zu rechnen. „Eine Lösung sind hier Gemeinschaftspraxen, in denen geregelte Dienstzeiten eher eingehalten werden können als in einer Praxis mit nur einem Tierarzt“, so der Landwirt.

Gebührenordnung vom Bund beschlossen

2007 und 2017 sind die Gebühren für die Leistungen von Tierärzten pauschal um je zwölf Prozent gestiegen, schreibt AFC Public Services in einer Studie, die im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft angefertigt wurde. Dabei seien Faktoren wie gestiegene Personalkosten nicht berücksichtigt worden. Für die neue Gebührenordnung hat AFC unter anderem Tausende Tierärzte in Deutschland befragt. Die neue Ordnung ist Bundesgesetz: Bundestag und Bundesrat haben die Änderung beschlossen. 

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