Im Landkreis gibt es rund 2000 Ziegen unterschiedlicher Rassen in 200 Betrieben

Ziegen sind Haustier des Jahres 2021 - In Waldeck-Frankenberg überwiegt die Hobbyzucht

Tierwohl ist ihm wichtig: Holger Berg mit seinen Zuchtböcken und einem Teil der Herde im Lengeltal. Er hält unter anderem bunte deutsche Edelziegen, weiße deutsche Edelziegen und Sankt Gallener Toggenburger.
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Tierwohl ist ihm wichtig: Holger Berg mit seinen Zuchtböcken und einem Teil der Herde im Lengeltal. Er hält unter anderem bunte deutsche Edelziegen, weiße deutsche Edelziegen und Sankt Gallener Toggenburger.

Die Ziege ist von der Stiftung Bündnis Mensch & Tier zum Haustier des Jahres 2021 gewählt worden. In Waldeck-Frankenberg gibt es rund 2000 Ziegen unterschiedlicher Rassen in 200 Betrieben.

Waldeck-Frankenberg – Die Kampagne soll anregen, die jeweiligen Tiere aus einem neuen Blickwinkel zu sehen und sie noch besser kennenzulernen, heißt es dazu seitens der Stiftung. Außerdem soll auf die Bedürfnisse der jeweiligen Art aufmerksam gemacht und gezeigt werden, wie man eine artgemäße Tierhaltung und den tiergerechten Umgang mit Tieren verwirklichen kann.

Im Landkreis gibt es nach Auskunft von Matthias Eckel vom Kreisbauernverband Frankenberg rund 2000 Ziegen unterschiedlicher Rassen in 200 Betrieben. „Der allergrößte Teil davon ist Hobbyhaltung“, sagt der Geschäftsführer.

Interessant sei die Ziege auch für die Landschaftspflege, da sie – anders als ein Schaf – auch verholzte Triebe und Hecken fresse. „Viele Schäfer halten deswegen in ihrer Herde auch ein paar Ziegen“, erläutert Eckel.

Was die Milchleistung betreffe, sei die Ziege im Vergleich zur Kuh viel effektiver: „Sie können 900 bis 1000 Liter im Jahr geben – das ist ganz schön viel für so ein kleines Tier“, sagt Matthias Eckel, der die Ziege „für eines der intelligentesten Tiere“ hält. Er habe selbst mehrere Jahre einen Ziegenbock gehalten, der ihm einige Nerven gekostet habe, da vor ihm keine Umzäunung und kein Blumenbeet sicher gewesen.

„Ziegen klettern gerne und sind Laubfresser, das heißt, wenn man Bäume, Büsche oder Hecken hat, die einem lieb sind, sollte man diese schützen“, bestätigt Rica Homrighausen vom Verein der Ziegenfreunde Frankenberg und Umgebung.

„Dass die Ziege zum Haustier des Jahres gekürt wurde, finde ich toll, denn die Ziege hat heute nicht mehr die Bedeutung, die sie früher mal hatte. Ziegen sind tolle und charakterstarke Tiere, mit denen man viel Freude haben kann“, sagt die Vereinsvorsitzende, die sich auch im Vorstand des Hessischen Ziegenzuchtverbandes engagiert. Außerdem seien Ziegen nützliche Helfer in der Landschaftspflege.

Züchter Holger Berg setzt auf Tierwohl

„Bravo, das wird auch mal Zeit“, kommentiert Holger Berg die Nachricht, dass die Ziege Haustier des Jahres 2021 ist. Der Ellershäuser hält seit über 20 Jahren Ziegen auf seinem Bioland-Hof „Grüne Hügel“ und freut sich über die Wahl.

Die Ziege gebe es schließlich schon seit 1100 vor Christus und sei damit eines der ältesten Haustiere überhaupt. „Was eine so lange Geschichte hat und sich über Jahrtausende bewährt hat, das muss ja gut sein“, ist sich der 60-Jährige sicher. Ihm ist wichtig, dass sich seine Tiere wohl- fühlen: „Die Ziege hat nicht nur Spaß an Bewegung, sie lernt auch schnell und klettert auf alles, was sie erreichen kann“, erklärt der Züchter.

Ziegen sind unternehmungslustig und klettern gern.

„Durch verschiedene Ebenen im Stall versuche ich dem gerecht zu werden“, sagt er und betont: „Für mich hat auch das Tier ein Recht auf Freiheit und soziales Umfeld – es ist ein Säugetier wie wir.“ Ziegen seien Individuen, die Charaktereigenschaften haben. „Man muss jedes Tier individuell ansprechen – auch wenn es in der Herde lebt“, betont Holger Berg. Anders als Schafe seien Ziegen Fluchttiere, die dazu neigten, individuelle Entscheidungen zu treffen.

„So sehr ich meine Tiere auch liebe, habe ich sie dennoch nicht zum Spaß, sondern bin Nutztierhalter und damit zur Wirtschaftlichkeit gezwungen“, stellt der Direktvermarkter von Ziegenkäse und Fleischprodukten klar. Er befinde sich deswegen oft im Zwiespalt und stelle sich die Frage: Wieviel Tierwohl können wir leben?

Das größte Problem sei der Nachwuchs. „Wenn ich die Lämmer groß ziehe bis zur Schlachtung, also zirka 100 bis 120 Tage an der Mutter saufen lasse, die dann dementsprechend weniger Milch liefert, kostet mich das schon 150 Euro pro Lamm.“ Da er das Schlachten nicht selbst vornehmen dürfe, vielmehr bis Kirchhain fahren müsse und hierfür zusätzliche Kosten anfielen, lege er letztlich bei jedem Lamm zehn bis zwölf Euro drauf. „Das rechnet sich hinten und vorne nicht“, so Holger Berg.

Auch das Klima werde zum Problem und zwinge ihn, den Tierbestand zu reduzieren: „Trockenheit heißt Futtermangel, Futtermangel heißt Milchmangel“.

Der Ellershäuser Biobauer plädiert dafür, die Direktvermarktung im Landkreis voranzutreiben. „Es ist wichtig, dass die Leute mit ihren selbstgemachten Produkten an die Öffentlichkeit gehen. Wir müssen versuchen, uns wieder mehr regional zu versorgen“, betont er. Dass es in Kreisstadt Korbach nach der Schließung des Kleeblattladens Corvita aktuell keinen Naturkostladen mehr gebe, sei ein „Drama“. Berg selbst ist dabei, einen Verkaufsraum auf seinem Hof einzurichten, wo er seine Produkte anbietet.

Rund 19 800 Ziegen in Hessen

In Hessen wird die Schaf- und Ziegenhaltung überwiegend im Nebenerwerb oder als Hobbyhaltung betrieben. Nach Auskunft des Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) sind zirka 3100 Ziegenhaltungen und 5500 Schafhaltungen registriert, davon etwa 100 Haupterwerbsbetriebe.

Viele Betriebe halten sowohl Schafe als auch Ziegen. Die Bestandszahlen liegen bei etwa 19 800 Ziegen und 165 000 Schafen. Die Schaf- und Ziegenhaltung ist bis heute eng mit der Weidehaltung verknüpft. Die Beweidung spielt eine wichtige Rolle im Naturschutz und in der Landschaftspflege. Viele wertvolle und artenreiche Biotope haben sich über Jahrzehnte durch extensive Beweidung mit Schafen und Ziegen entwickelt und werden durch diese erhalten. Neben diesen Leistungen sind Lammfleisch, Milchprodukte und Schafwolle die wichtigsten Erzeugnisse aus der Schaf- und Ziegenhaltung.

Nach dem Bundesverband der Deutschen Ziegenzüchter werden die Ziegen je nach Nutzungsrichtung in Milchziegen (Hauptrassen: Bunte Deutsche Edelziege, Weiße Deutsche Edelziege und Thüringer Waldziege), Fleischziegen (Hauptrasse: Burenziege) und Wollziegen (Hauptrassen: Angoraziege und Kaschmirziege) eingeteilt.

buendnis-mensch-und-tier.de

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