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Tierfreunde in Helmighausen geben Laborhunden ein liebendes Zuhause

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Befreite Laborhunde trafen sich mit ihren neuen Frauchen und Herrchen im Garten der Familie Neumeyer in Helmighausen.
Befreite Laborhunde trafen sich mit ihren neuen Frauchen und Herrchen im Garten der Familie Neumeyer in Helmighausen. Rechts im Bild: Michael Neumeyer. © Elmar Schulten

Haarsträubende Geschichten hat Michael Neumeyer aus Helmighausen über das Vorleben seines Beagles herausgefunden.

Diemelstadt-Helmighausen – Das brave Tier mit den treuen Augen musste die schlimmsten Versuche mit Chemikalien über sich ergehen lassen. In Zunge und Pfoten finden sich schlimme Narben, die auch hartgesottene Tierärzte erschaudern lassen.

Ebenso wie Tamara Meckelburg und Regina Bartels aus dem Umland von Hamburg und weitere Hundefreunde aus ganz Deutschland hat der Helmighäuser einen ehemaligen Laborhund bei sich aufgenommen.

Versuchslabor behördlich geschlossen

Knochenbrüche, Verätzungen, zweifelhafte Implantate und viele Ungeheuerlichkeiten mehr hätten die Hunde ertragen müssen, berichten die Tierschützer, die sich jetzt zu einem „Geschwistertreffen“ mit ihren Beaglen in Helmighausen trafen. Die neuen Herrchen und Frauchen haben sich vorgenommen, den geschundenen Tieren einen würdigen und tiergerechten Lebensabend zu ermöglichen.

Die Beagle seien ähnlich wie Hunderte ihrer Artgenossen dem Tod geweiht gewesen, bis ihr Versuchslabor im Umland von Hamburg behördlich geschlossen wurde. Den Tierschützern wurden die Tiere in Obhut gegeben unter der Prämisse, keine Details über die an ihnen durchgeführten Versuche und keine Namen zu veröffentlichen.

Beagle ertragen Schmerzen still

Aktivisten der „Soko Tierschutz“ hatten die Missstände in dem Versuchslabor aufgedeckt und die Schließung erwirkt. Nach der Zahlung von Bußgeldern und dem Versprechen, sich künftig an die gesetzlichen Standards zu halten, wurde das Labor inzwischen wieder eröffnet. Doch es ist nur eines von rund 700 Laboren für Tierversuche in Deutschland, wie Regina Bartels berichtet.

Die so treu blickenden Beagle eigneten sich besonders gut für Tierversuche, weil sie sich nicht wehrten, kaum bellten und ihren Schmerz still ertrügen, so Regina Bartels. Und so würden den Tieren ätzende Flüssigkeiten in die Augen geträufelt oder mit Giftstoffen versetztes Futter gereicht, um sehen, welche Dosis wohl am Ende tödlich wirke.

Tests in der Petrischale müssten doch reichen

Aber auch andere Tiere würden in deutschen Laboren unnötigen Verträglichkeitsversuchen ausgesetzt, so die Tierschützerin. Affen und Katzen müssten täglich hundertfach leiden und dutzendfach sterben, um die Ungiftigkeit von Wirkstoffen in Kosmetika, Putzmitteln oder Lebensmitteln nachzuweisen.

Dabei seien weit über 90 Prozent aller Tierversuche gar nicht mehr nötig. „Wir leben im 21. Jahrhundert. Da kann man Unverträglichkeiten an Zellkulturen in der Petrischale nachweisen. Dafür muss kein Tier leiden“, ärgert sich Tamara Meckelburg.

Zunge gelocht, Knochen gebrochen

An ihren Pflege-Beageln haben die Tierschützer abgelesen, was sie durchgemacht hätten: Gelochte Zungen, mehrfach gebrochene Knochen und ungewöhnliche Implantat ließen selbst gestandene Tierärzte erschaudern.

Typisch sei auch, dass die befreiten Tiere sich unwohl auf Wiesen und Sandböden gefühlt hätten. Offenbar seien sie nur den kalten Fliesen ihrer Käfige gewohnt gewesen. Selbst das Trinken aus dem Napf sei ihnen nicht geläufig gewesen, denn sie hätten ja nur aus Gumminippeln Nahrung und Wasser erhalten.

Auf vegane Körperpflegeprodukte achten

Herzenswunsch der Beagle-Herrchen und Frauchen ist nur, dass die Öffentlichkeit von den Tierversuchen erfährt und künftig verstärkt Kosmetikprodukte mit einem „V“ für vegan in den Einkaufswagen packt, denn die seien ohne Tierversuche in die Regale gekommen.

Weitere Informationen zum Thema unter anderem bei dem 1979 in Köln gegründeten Verein „Ärzte gegen Tierversuche, der sich unter dem Motto „Medizinischer Fortschritt ist wichtig – Tierversuche sind der falsche Weg!“ für die vollständige Abschaffung von Tierversuchen einsetzt: www.aerzte-gegen-tierversuche.de (Elmar Schulten)

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