Interview mit Lothar Koch

Burgwalds Bürgermeister zur Lärmbelastung auf der B 252: „Umgehung muss oberstes Ziel bleiben“

Ortsdurchfahrt Ernsthausen (Burgwald), Bundesstraße B 252 , Auto fährt am Ortsschild vorbei
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Verkehrsbelastung. Darüber klagen Anwohner der B 252 in den Burgwalder Ortsteilen Ernsthausen und Bottendorf.

Das sorgt in den B-252-Anrainer-Orten Bottendorf und Ernsthausen für Unmut: Sie wurden im jüngsten Lärmaktionsplan des Regierungspräsidiums Kassel nicht als Lärmkonflikt-Punkte ausgezeichnet.

Was kann die Gemeinde da tun? Darüber sprachen wir mit Burgwalds Bürgermeister Lothar Koch.

Herr Koch, warum sind Bottendorf und Ernsthausen, die doch sehr unter dem Verkehr auf der B 252 leiden, in dem Lärmgutachten gar nicht als Konfliktpunkte aufgelistet?

Lothar Koch, Bürgermeister in Burgwald

In der bisherigen Lärmaktionsplanung wurden – außerhalb von Ballungsräumen– nur Hauptverkehrsstraßen mit mehr als 8200 Fahrbewegungen pro Tag betrachtet. Insofern wurde die B 252 im Gemeindegebiet Burgwald nicht weiter berücksichtigt. Im Rahmen der nun vorliegenden 3. Runde der Lärmaktionsplanung wurden zwar erstmals auch Orte außerhalb dieser Hauptverkehrsstraßen untersucht. Aber auch nach diesen Berechnungen befindet sich in der Gemeinde Burgwald kein Lärmkonfliktpunkt entsprechend der Kriterien des Lärmaktionsplans. Dass das insbesondere die Anlieger der Ortsdurchfahrten Bottendorf und Ernsthausen anders sehen, ist vollkommen verständlich und nachvollziehbar.

Hat die Gemeinde Burgwald nicht vorher auf die Belastung der beiden Orte aufmerksam gemacht?

Das denke ich doch! Wir stehen in regelmäßigem Kontakt zu Hessen-Mobil, insbesondere zu den aktuellen Planungen zur Ortsumfahrung Bottendorf und Ernsthausen. Wir waren und sind aktiv in Sachen Lkw-Nachtfahrverbot. Wir weisen regelmäßig und bei allen passenden Gelegenheiten auf die Belastung der Anwohner der betroffenen Ortsteile und besonders der direkt an der Straßen wohnenden Anlieger hin. Und natürlich werden wir nun im Nachgang zu dem vorliegenden Lärmaktionsplan dahingehend eine Stellungnahme abgeben und unser Unverständnis zum Ausdruck bringen.

Wann wurde in den Orten zuletzt der Grad der Lärmbelastung festgestellt und wie hoch war sie?

Wie und in welcher Weise die Lärmbelastung gemessen wurde, ob man tatsächlich vor Ort war oder gegebenenfalls nur anhand des Verkehrsaufkommens Hochrechnungen angestellt hat, ist mir nicht bekannt. Bei dem vor Jahren auf Teilen der B 252 – insbesondere im Marburger Raum – verhängten nächtlichen Tempo-30-Limit hatte die Lärmbelastung in Bottendorf und Ernsthausen nach Aussage des damaligen Staatsministers Posch die erforderlichen db-Werte nicht erreicht. Daher kam es bei uns auch nicht zur Tempo-30-Anordnung.

Was kann die Gemeinde tun, um bei den zuständigen Stellen für mehr Lärmschutz zu sorgen?

Die Lärmaktionsplanung ist eine Daueraufgabe. Sie ist mit dem aktuellen Plan nicht beendet: Nach der Lärmaktionsplanung (3. Runde) ist also vor der Lärmaktionsplanung (4. Runde). Die vielerorts vorgeschlagene Geschwindigkeitsbegrenzung – nachts Tempolimit 30 – würde die Lärmbelastung an der B 252 nicht wesentlich mindern. Oberstes Ziel muss die Ortsumgehung bleiben!

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