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Knappe Mehrheit für Vorstandsempfehlung zum Wilke-Abriss in Berndorf

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Von: Armin Haß

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In einem ersten Abschnitt soll der älteste Bereich der ehemaligen Wurstfabrik Wilke (links im Bild) abgebrochen werden. Zudem werden Schadstoffe beseitigt. Der aus den 1980er Jahren stammende Komplex soll zunächst entkernt werden. Eine spätere Nutzung wird als Möglichkeit gesehen.
In einem ersten Abschnitt soll der älteste Bereich der ehemaligen Wurstfabrik Wilke (links im Bild) abgebrochen werden. Zudem werden Schadstoffe beseitigt. Der aus den 1980er Jahren stammende Komplex soll zunächst entkernt werden. Eine spätere Nutzung wird als Möglichkeit gesehen. © Armin Haß

Mit knapper Mehrheit von nur einer Stimme beschloss die Gemeindevertretung Twistetal, in einem ersten Abschnitt Teile der alten Wurstfabrik Wilke abreißen und die Schadstoffe abfahren zu lassen..

Twistetal-Berndorf -Die Kosten dafür werden laut Vorlage des Gemeindevorstands mit 2,6 Millionen Euro zuzüglich 250 000 Euro für Ingenieurleistungen beziffert.

Kredite aufnehmen

Im aktuellen Haushalt sind dafür 3,3 Millionen Euro veranschlagt worden. 1,5 Millionen Euro stellt das Land Hessen aus EU-Mitteln bereit, den gleichen Betrag muss die Kommune selbst finanzieren und dafür wahrscheinlich Kredite aufnehmen.

Ohne große weitere Zuschüsse geht es nicht: Jörg Albin von der NH Projektstadt in Kassel brachte die Erwartungen der Gemeindevertreter in Twistetal zu dem mit insgesamt mindestens 6,8 Millionen Euro veranschlagten Stukenhof-Projekt auf den Punkt. Er deutete sogar eine mögliche Steigerung für das Freiräumen auf zehn Millionen Euro an.

Von Wilke zu Stukenhof

Die einstimmige Vergabe des überlieferten Gemarkungsnamens Stukenhof für das 3,5 Hektar große Areal der ehemaligen Wurstfabrik Wilke mitten in Berndorf markiert den Wunsch, sich möglichst bald von dem ungeliebten Erbe der skandalumwitterten Industriebrache zu lösen.

Doch denkbar knapp fiel der Beschluss aus: Für einen ersten Bauabschnitt, bei dem unter anderem die ältesten Gebäude zur Strother Straße abgebrochen werden und das Hauptgebäude entkernt stehen bleiben soll, bis sich eine Verwendung für den Betonbau oder Geld für den Abriss findet.

Große Bedenken wegen der Kosten

Mit elf zu zehn Stimmen votierte die Gemeindevertretung Twistetal für den einstimmig gefassten Vorschlag des Gemeindevorstands, zunächst 2,6 Millionen Euro für Abbruch und weitgehende Schadstoffentsorgung zuzüglich 250 000 Euro für Ingenieurleistungen bereitzustellen..

Knapp unterlegen war in namentlicher Abstimmung die FDP mit ihrem Antrag, mit halbierten Kosten den ersten Bauabschnitt anzugehen. Hierfür votierten nach einer Sitzungsunterbrechung FDP und SPD sowie fast alle der WGT-Abgeordneten.

FDP will nur die Hälfte

Einer der Freien Wähler scherte jedoch aus und stimmte mit CDU und Bündnis 90/Die Grünen für den auch von NH Projektstadt und dem Unternehmen Umtec empfohlenen ersten Bauabschnitt.

FDP-Sprecher Jörg Marpe hatte im Hinblick auf die hohen Kosten für deutlich geringere Aufwendungen im ersten Abschnitt plädiert: 1,5 Millionen Euro inklusive 150 000 Euro für Ingenieurleistungen für den Abbruch des alten Schlachthauses und des Wohnhauses an der Strother Straße, den kompletten Abbruch der Kläranlage, der Tankstelle mit Lkw-Logistik und den Trinkwasserbehälter.

„Projekt nicht stoppen“

„Wir wollen das Projekt nicht stoppen“, sagte FDP-Sprecher Jörge zu dem Änderungsantrag seiner Fraktion. Man plädiere aber für eine „Strategie der kleinen Schritte“, damit die Gemeinde nicht finanziell überfordert werde.

SPD-Sprecher Günter Lindenborn wies darauf hin, dass der kreditfinanzierte Gemeindeanteil von 1,5 Millionen Euro die Kommune bis 2042 mit jährlich 100 000 Euro für Tilgung und Zins belaste, die Bürger durch höhere Abgeben belastet würden. Grünen-Sprecherin Ilka Deutschendorf reagierte verärgert: „Das ist ja wie Kasperletheater!“

Antrag reicht zu weit

Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Rolf Jäger (CDU) wies darauf dahin, dass Änderungsanträge nur ohne wesentliche Änderungen möglich seien. Das sei bei einer Halbierung der Kosten nicht der Fall.

„Nicht statthaft“ sei der Antrag, sagte Reinhard Deutschendorf. Der mit dem Landeszuschuss von 1,5 Millionen vorgegebene Zeitraum für den ersten Bauabschnitt sei nicht einzuhalten

Stimmen zum Antrag

„Ein Stopp kostet die Gemeinde Geld, und die Zuschüsse gehen dann flöten“, sagte Christoph Dietzel (CDU).

„Das hätte man uns früher sagen müssen“, unterstrich Projektleiter Jörg Albin, denn der Änderungsvorschlag bedeute eine Aufhebung der Ausschreibung. Zuvor hatte er mitgeteilt, dass das Ergebnis am 1. August bekanntgegeben werden solle.. „Uns treiben die Kosten auch um“, bekannte Marc Wäscher (CDU). Aber in den vergangenen Gesprächen zwischen den Fraktionen habe Einmütigkeit bestanden, das Gelände so schnell wie möglich freizuräumen.

Pläne für Stukenhof

Schließlich sei es das Ziel, in den nächsten sechs bis sieben Jahren ein Seniorenheim und andere Projekte an der Stelle zu schaffen und langfristig mehr Steuereinnahmen zu verzeichnen.  (Armin Haß )

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