Erfolg auf dem Bio-Markt

Upländer Bauernmolkerei feiert 25-jähriges Bestehen

1996 öffnete die Upländer Bauernmolkerei am Standpunkt der zuvor geschlossenen Usselner Molkerei. 25 Jahre später ist der Betrieb im Ortskern nicht mehr groß genug, um der Nachfrage nach Bio-Produkten gerecht zu werden.
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1996 öffnete die Upländer Bauernmolkerei am Standpunkt der zuvor geschlossenen Usselner Molkerei. 25 Jahre später ist der Betrieb im Ortskern nicht mehr groß genug, um der Nachfrage nach Bio-Produkten gerecht zu werden.

Jubiläum bei der Upländer Bauernmolkerei: Vor 25 Jahren ging sie in Usseln in Betrieb. Anfängliche Zweifler wurden eines Besseren belehrt, die Bio-Produktion entwickelte sich zur Erfolgsgeschichte. Am nächsten Kapitel wird schon gebaut.

Willingen-Usseln – Vor 25 Jahren taten sich 18 Bio-Bauern der Milcherzeugergemeinschaft Hessen zusammen und gründeten die Upländer Bauernmolkerei. Heute feiert die Schöpfung von damals Jubiläum – und eine lange Erfolgsgeschichte. Mehr als 100 Bio-Milchbetriebe aus der Region liefern mittlerweile täglich frische Milch, die Produkte der Molkerei finden sich in ganz Hessen und NRW in den Kühlregalen großer Supermärkte sowie in vielen Bio- und Naturkostläden.

Die Upländer Bauernmolkerei steht für „Bio, Regional und Fair“: Da die Betriebe in einem Umkreis von rund 150 Kilometern um die Molkerei liegen, werden lange Transportwege vermieden und die Umwelt geschont. Auch die Abnehmer der Produkte sind nicht weiter entfernt und liegen in diesem Radius. Lieferanten und Molkerei arbeiten nach den strengen Richtlinien des Bioland-Verbandes: Damit sind eine artgerechte Tierhaltung und die Fütterung der Tiere mit ökologisch angebauten Futtermitteln ohne Gentechnik selbstverständlich. Bei der Verarbeitung in der Molkerei wird auf Farbstoffe, künstliche Aromen und Konservierungsstoffe verzichtet.

Die Bio-Bauern sind in einer Erzeugergemeinschaft organisiert, die die Mehrheitsanteile an der Molkerei hält. Somit entscheiden die Bio-Bauern selbst, was in der Molkerei passiert und vermarkten die Bio-Milch in eigener Regie. Seit mehr als 20 Jahren setzen sie sich für faire Milchpreise ein und waren damit Vorreiter für heimische Produkte. „Fair“ bedeutet, dass die Erzeuger eine gerechte Entlohnung für ihre Arbeit erhalten und so langfristig die Existenz ihrer Höfe sichern können.

Upländer Bauernmolkerei baut bei Usseln neu

Im Jubiläumsjahr ist nun eine Erweiterung der Molkerei geplant: Knapp 20 Millionen Euro investiert sie am Standort Usseln in ein neues, hochmodernes Produktionsgebäude. „Wir planen, im Herbst 2021 mit der Produktion im neuen Gebäude an den Start gehen zu können“, erläutert Karin Artzt-Steinbrink, Geschäftsführerin der Upländer Bauernmolkerei. Am alten Standort in der Ortsmitte Usselns sind die Kapazitäten ausgereizt, mit dem Neubau sollen Landwirte von der Warteliste nachrücken können.

Dem Neubau der Upländer Bauernmolkerei kann man bei Usseln derzeit beim Wachsen zusehen.

„Wir helfen so, die Zukunft weiterer Bauernhöfe in unserer Region zu sichern. Der Bio-Landbau bietet so viele Vorteile für die Region, das Klima, die Artenvielfalt“, erklärt Sven Lorenz, Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft, selbst Bio-Landwirt und Lieferant: „Außerdem wird so die Versorgung mit regionalen, hochwertigsten Lebensmitteln sichergestellt.“

Schon seit vielen Jahren erlebt die Upländer Bauernmolkerei eine positive Entwicklung auf dem Biomarkt. Lag im Jahr 1996 die Verarbeitungsmenge noch bei einer Million Liter Bio-Milch pro Jahr, sind es heute 40 Millionen Liter. Dabei steht bei den Bio-Bauern das Tierwohl an erster Stelle. Sie garantieren, dass die Kühe wann immer möglich auf die Weide können. Zurzeit wird auch an einem Konzept gearbeitet, kuhgebundene Kälberaufzucht zu fördern.

Blick in die Geschichte der Milchwirtschaft im Upland

Eine Molkerei in Usseln gab es schon zuvor: 1898 schlossen sich 35 Landwirte im Upland zu einer Genossenschaft zusammen. 500 Liter Milch am Tag wurden mit Ochsen- und Pferdegespannen in die Upländer Gebirgsmolkerei geliefert. In den 1960er Jahren waren es 1100 Genossen, für die 20 Millionen Liter Milch im Jahr wurde das größere Produktionsgebäude errichtet, in dem heute noch gearbeitet wird. Ein Jahr nach der Fusion mit den Milchwerken Köln/Wuppertal wurde der Standort geschlossen und die Milch der 290 Landwirte zu anderen Molkereien gefahren.

Die Milcherzeugergesellschaft Hessen bestand da schon, 1986 wurde sie gegründet – die Landwirte, die ihre Höfe nach ökologischen Richtlinien bewirtschafteten, suchten eine neue Verarbeitungsstätte für ihre Milch. Zusammen mit Umweltschützern, Privat- und Geschäftsleuten gründeten sie die Upländer Bauernmolkerei GmbH. Mit Unterstützung von Land und Gemeinde erwarben sie die Molkerei in Usseln, setzten sie in Stand und gingen im September 1996 in Betrieb.

Bio-Landwirte haben mit der Upländer Bauernmolkerei eine Möglichkeit, die Milch ihrer Kühe regional zu verarbeiten.

Eine Million Liter Milch lieferten 18 Landwirte anfangs im Jahr. Zur Auslastung der Anlagen wurde Milch von konventionellen Bauernhöfen aus der Region zugekauft und separat verwendet. Seit 2009 wird in Usseln ausschließlich Bio-Milch verarbeitet.

Die wechselhafte Geschichte der Upländer Bauernmolkerei und der Milchwirtschaft im Allgemeinen lässt sich auch vor Ort erleben: Im alten Gebäude der Gebirgsmolkerei befindet sich heute das „Upländer Milchmu(h)seum“. Führungen und eine Filmdoku geben die Historie wieder, an der „Museumskuh“ kann das Melken getestet werden. Gruppen mit Familien können sich in der Herstellung von Butter ausprobieren und sie gleich auf frischen Brot verkosten. Auch für Kindergartengruppen und Schulklassen gibt es Angebote; zudem gibt es im Museum Käse- und Weinabende. Infos gibt es auf muhseum.de.

Anders als der Laden im Gebäude ist das Museum zur Zeit geschlossen. Derweil gibt es auch ein Angebot an der frischen Luft: Auf dem Milch-Erlebnispfad bei Usseln wird spielerisch über die Themen Milch und Landwirtschaft aufgeklärt. Ein Wasserspiel, Kuhglocken, ein Heustadl-Kino und ein Wurfspiel mit Tannenzapfen auf eine „Käse-Plane“ gehören dazu, ebenso eine Fotowand, ein Kuhfladen-Trampolin und ein Fernglas, mit dem sich nach Kuh Helma suchen lässt. Mehr Infos dazu auf milchpfad-usseln.de. (red)

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