Milch-Abfüllung vor Weihnachten geplant

Upländer Bauernmolkerei plant Inbetriebnahme des Neubaus für Ende November

Fast fertig ist der Neubau der Upländer Bauernmolkerei: Erste Bio-Milch soll noch dieses Jahr abgefüllt werden, weitere Produkte folgen rasch.
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Fast fertig ist der Neubau der Upländer Bauernmolkerei: Erste Bio-Milch soll noch dieses Jahr abgefüllt werden, weitere Produkte folgen rasch.

Der Neubau der Upländer Bauernmolkerei knapp außerhalb Usselns befindet sich auf der Zielgeraden: Die Inbetriebnahme ist für Ende November geplant, erklärt Projektleiter Detlef Sander.

Da zuerst noch Analysen des Produkts anstehen, vergeht noch etwas Zeit – aber die ersten Liter-Packungen mit Bio-Milch könnten den neuen Standort noch vor Weihnachten verlassen.

Nach und nach sollen auf die Milch die weiteren Produkte folgen: darunter die Becher mit Schmand, Sahne oder Crème fraîche; als letztes soll im Mai die Butterei einziehen. Der Neubau gibt derweil auch Gelegenheit, neue Wege zu beschreiten: Zum einen erweitert die Upländer Bauernmolkerei ihr Angebot um Joghurt. Zum anderen gibt es diesen ebenso wie Milch künftig auch aus Glasbehältern.

Im Ort verbleibt dann neben Verwaltung, Bio-Laden und „Muhseum“ die Produktion von Sauermilch-Quark – aus diesem stellen Partner der Bauernmolkerei dann Handkäse her.

„Organisches Wachstum“ gewünscht

Zunächst soll im neuen Standort an der „Milchstraße“ die gleiche Menge an Milch verarbeitet werden wie bislang im Ort: gut 40 Millionen Liter im Jahr. Doch nach und nach ließe sich das mit den 65 Mitarbeitern um 50 Prozent ausbauen: „Wir halten viel von organischem Wachstum“, sagt Josef Jacobi, der Aufsichtsratsvorsitzende der Upländer Bauernmolkerei.

Nicht nur höhere Kapazitäten und neue Produkte soll der Neubau ermöglichen, sondern auch viele Arbeitsprozesse erleichtern. Projektleiter Detlef Sander mag zwar die „hemdsärmelige Arbeit“, aber an manchen Stellen seien Vereinfachungen nötig: In der Lebensmittelproduktion ist perfekte Rückverfolgbarkeit gefordert, falls mal etwas mit einem Produkt nicht in Ordnung sein sollte. Automatisierung erleichtere dies, bislang mussten mit viel Aufwand Listen geführt werden. Auch Proben für die Untersuchungen können sich nun wenige Meter vom Labor entfernt nehmen lassen – das spare Zeit und Wege nach draußen, die zur Wahrung der Hygiene nicht gewünscht sind.

Arbeit vereinfachen, Mitarbeiter halten

„Wir sparen viel Arbeit, aber die Arbeitnehmer müssen keine Angst haben“, betont Sander: Mit dem gleichen Personal solle in Zukunft mehr produziert werden.

„Am alten Standort war es immer ein Problem, dass wir räumlich eingeschränkt waren“, hält Josef Jacobi fest. Das solle dieses Mal nicht passieren: Annahme und Produktionsgebäude sind in Richtung Berg erweiterbar; der Bereich der Zufahrt böte Platz – und in Richtung Düdinghausen gebe es noch 20 000 Quadratmeter potenzielle Erweiterungsfläche. Das Lager sei teilweise umbaubar, um sich in diese Richtung zu entwickeln. Noch sei das alles Zukunftsmusik, sagt Josef Jacobi – aber die Bauernmolkerei will vorbereitet sein.

Bio-Landwirte haben mit der Upländer Bauernmolkerei eine Möglichkeit, die Milch ihrer Kühe regional zu verarbeiten.

Mit Weidehaltung auf richtigem Weg

Ist die Milchverarbeitung eine nachhaltige Art und Weise, Lebensmittel zu produzieren? Die Upländer Bauernmolkerei kenne diese kritische Frage und nehme sie ernst, erklärt Detlef Sander. Und Kühe mit Kraftfutter zu ernähren, sei tatsächlich nicht die beste Verwertung.

Die Kuh müsse aber kein Futterkonkurrent des Menschen sein: „Sie kann Gras und Klee verwerten – wenn sie nur das kriegt, dann ist sie perfekt“, hält Sander fest. Wie hoch der Anteil mit Kraftfutterversorgung bei den Milch liefernden Bauern liege, sei unterschiedlich; gerade nach Geburten seien heutige Kuh-Rassen darauf angewiesen. Aber mit Produkten wie der Weidemilch und neuen Möglichkeiten des Neubaus könne er sagen: „Wir sind auf dem Weg dorthin, es richtig zu machen.“

Die Klimabilanz der Kuh sei auch nicht so schlecht wie zuweilen dargestellt: Wie andere Tiere in Weidehaltung trage sie zur Humusbildung bei; die Kuh drücke mit den Klauen aufs Gras und bringe es so dazu, tiefere Wurzeln zu bilden – sie produziere also nicht nur CO2, sondern helfe auch, es zu speichern.

Zwischen Anlieferung und Abfahrt zum Verbraucher ist viel zu tun

Für die Abholung und die Anlieferung von Verpackungsmaterial führt eine Straße rund um den Neubau der Upländer Bauernmolkerei – doch die Milch selbst kommt an der Usseln zugewandten Seite des Komplexes an und nimmt einen spannenden Weg bis zur Ausgabe am anderen Ende.

In der neuen Annahme beginnt der Weg der Milch in der Bauernmolkerei.

Zwei Spuren warten in der Halle auf ankommende Lastwagen: Das Entscheidende ist die Lieferung der Bio-Milch der Landwirte der Upländer Bauernmolkerei. Ein Graben mit Technik für die Milchannahme zieht sich durch die Halle: Die Milch verlässt den Tankwagen durch Gefälle, erläutert Projektleiter Detlef Sander. So nutzt man die Schwerkraft beim schonenden Umgang mit dem Rohstoff Milch. „Unsere Aufgabe ist immer, die Milch so natürlich wie möglich zu belassen“, hält Sander fest.

Von dort kann die Milch gepumpt werden, am Hauptgebäude warten die Tanks. Nach und nach ziehen mit der Verlagerung vom alten zum neuen Standort weitere Behälter aufs Gelände an der Milchstraße um. Das betrifft sowohl die für Rohmilch als auch die für das verarbeitete Produkt – im übrigen sind es mehr, als das Auge sieht, weil die Außentanks im Inneren in mehrere Behälter unterteilt sind.

Im Herz der Molkerei wartet Einmaliges

Aus den Tanks fließt ein konstanter Strom ins Herz der Molkerei und durchläuft das System zur Pasteurisierung. Im ersten Schritt trennt ein Separator magere und fette Bestandteile – der Fettgehalt der angelieferten Milch ist nicht einheitlich, kann so aber auf den gewünschten Fettgehalt eingestellt werden, erklärt Detlef Sander. In einer Baktofuge werden Keime aus der Milch herausgeschleudert.

Im Herzen der Molkerei wird die Rohmilch in teils deutschlandweit einzigartigen Verfahren bearbeitet.

Der nächste Schritt ist eine Besonderheit der Upländer Bauernmolkerei: Als einzige Molkerei in Deutschland setzt sie auf Tiefenfiltration. Mit geringem Druck wird die Milch durch Filter gebracht, die für Sporen zu fein sind; aber alles durchlassen, was in die Milch hineingehöre, erklärt Detlef Sander. Die Methode, auf welche die Bauernmolkerei schon lange setzt, sei aufwendig und erfordere spezielle Fachkenntnis, sagt er – aber in Geschmackstests habe sie überzeugt. „Das System ist teuer, aber Qualität ist das oberste Gebot“, fügt Josef Jacobi hinzu.

Vorsicht bei der Abfüllung

Zuerst geht es für die Milch zurück in die Tanks, dann steht die Abfüllung an: Die Elopak-Maschine für die bekannten Milchkartons steht schon; die Becher-Abfüllung etwa für Schmand, Sahne und Crème fraîche folgt. Daneben entsteht eine große und herausfordernde Neuerung: die Glasabfüllung.

Grundwissen für Molkerei-Mitarbeiter: Alles, was von draußen in den Lebensmittelbetrieb rein kommt, ist ein potenzielles Risiko. Das gilt schon für nicht gereinigte Luft – und erst recht für benutzte Gläser. Daher werde mit besonderer Vorsicht gearbeitet: Zunächst gibt es einen „Schmutzsektor“, in dem die Deckel entfernt werden, bevor ein intensives Tauch- und Spülprogramm ansteht.

Produkte im Glas sind eine Herausforderung

Im Anschluss werden sie optisch auf Schäden, Scherben, Rückstände oder Reinigungsmittel geprüft. Der Reinbereich hat dann eine eigene Luftzufuhr, und auch die Maschine zur Abfüllung verfügt noch mal über eine separate, sterile Luftversorgung.

Letztlich gelangt alles per Paletten-Transport ins Lager – eine weitere Vereinfachung der Arbeit. Wenn die Laster zur Abholung kommen, regeln Mitarbeiter in einem Büro die Verladung, die Fahrzeuge docken in einer Luftschleuse an – und starten mit den Produkten in Richtung der Kunden.

Von der Ausgabe aus starten Lkw-Transporte mit den Produkten in Richtung der Kunden.

Upländer Bauernmolkerei achtet beim Neubau auf Nachhaltigkeit und Regionalität

Die Verarbeitung von Milch ist ein energieintensiver Prozess. Der Neubau der Upländer Bauernmolkerei verfügt deshalb über ein gasbetriebenes Block-Heizkraftwerk.

Dieses produziert nicht nur Wärme, sondern auch 240 Kilowatt Strom. Zusammen mit der geplanten Photovoltaik-Anlage soll das zwei Drittel des Energie-Bedarfs von 500 Kilowatt pro Stunde abdecken. „Als Öko-Molkerei ist es uns wichtig, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen“, sagt Aufsichtsratsvorsitzender Josef Jacobi: „Aber die, die wir benötigen, wollen wir wenigstens so weit wie möglich selbst herstellen.“

Nicht nur Hitze ist nötig, sondern auch ihr Gegenteil: Während die Milch bei der Verarbeitung auf 72 bis 75 Grad erhitzt werden muss, ist beim Abfüllen jedes Grad weniger ein Gewinn, erklärt Detlef Sander. Die dazu verwendete Eiswasser-Zubereitung funktioniere im Prinzip wie die Technik im Kühlschrank. Dabei wird mit Ammoniak auf ein natürliches Kühlmittel gesetzt. Und trotz der größeren Ausmaße komme die Molkerei mit nur 300 Kilogramm davon aus- Über eine Glykol-Lösung wird die Kälte im gesamten Betrieb verteilt. Im übrigen biete die Eiswasser-Speicherung auch Gelegenheit, Energie zu speichern, erklärt Sander. Noch seien die Energieversorger wegen der Gesetzeslage nicht interessiert, aber das könne sich ändern.

Milcherzeuger investieren

Haupteigentümer der Upländer Bauernmolkerei ist die Milcherzeugergemeinschaft Hessen w.V., in der die Milch liefernden Bauern sich zusammen organisiert haben. In den Neubau werden rund 20 Millionen Euro investiert; das Land Hessen unterstützt ihn mit 7,5 Millionen Euro.

Wo immer möglich mit Holz gebaut

Mithilfe der Glykol-Lösung wird auch das Lager gekühlt. Darin fällt eine weitere Besonderheit auf: wo möglich, wird mit Holz gebaut. In den Produktionsräumen ist dies keine Option, weil Beton der Feuchtigkeit besser standhält. Aber schon in den Sozialräumen ist der Einsatz offenbar – ganz zu schweigen von der weitgehend mit Holz verkleideten Fassade.

„Wir verwenden heimische Lerche aus dem Solling im Weserbergland – komplett unbehandelt“, erklärt Josef Jacobi. Das bedeute, dass sie mit der Zeit grau werde: „Das sieht dann vielleicht nicht mehr so freundlich aus – aber wir überzeugen durch Freundlichkeit.“

Zudem freue sich die Molkerei, dem Grundsatz der Regionalität gerecht geworden zu sein: Die meisten Gewerke des Neubaus konnten an Betriebe aus dem Upland sowie der Nachbarschaft im Waldecker Land und Sauerland vergeben werden. Milchtanks hingegen wurden aus dem Allgäu bezogen, die Anlage zur Pasteurisierung produzieren kaum mehr als eine Handvoll Anbieter in Deutschland.

Viele Verbesserungen gegenüber dem alten Standort birgt der Neubau der Upländer Bauernmolkerei – im Bereich der Technik und durch den Einsatz von viel Holz wurde nachhaltig gearbeitet.

Reichlich Platz für die Mitarbeiter

Während das Erdgeschoss von Annahme, Produktion Technik und Lager geprägt ist, ist im Obergeschoss des Molkerei-Neubaus Raum für die Mitarbeiter: Nach Ankunft im Gebäude erwarten sie darin Frischwäsche und Umkleidebereiche für Damen und Herren. Vor dem Betreten des Produktionsbereichs müssen alle Mitarbeiter eine Hygiene-Schleuse passieren.

Zwei Büros mit je zwei Plätzen reichen aus, da die kaufmännischen Aspekte im Verwaltungsgebäude in der Ortsmitte verbleiben. Dass der Aufenthaltsraum vergleichsweise überschaubar ist, hat einen guten Grund, wie Detlef Sander erklärt: Die Maschinen einer Molkerei laufen durchgehend, es können nie alle Mitarbeit gleichzeitig Pause machen.

Das Labor hingegen wurde im Erdgeschoss angesiedelt, direkt neben der Schaltwarte für den Maschinenraum. Darin wird die Milch auf viele verschiedene Qualitätsmerkmale untersucht und sichergestellt, dass sie in Ordnung ist.

Kontakt

Upländer Bauernmolkerei GmbH
Korbacher Str. 6
34508 Willingen (Upland)
Tel. 05632 94860
www.bauernmolkerei.de

Öffnungszeiten Bioladen

Mo - Sa, 8.30 - 13 Uhr
Di - Fr, 14 - 18 Uhr

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