HNA-Serie „Faszination Oldtimer“: Verliebt in „Frankensteins Tochter“

Karl Cronau aus Rodenbach fährt zwei Kawasaki von 1974 und 1984

Gelb-schwarze Leidenschaft: Karl Cronau aus Rodenbach sitzt stolz auf seiner Kawasaki Z 900 aus dem Jahr 1974. Er ist auch Besitzer einer Kawasaki LTD 450 von 1984 (hinten). Mit beiden Maschinen unternimmt er gerne Ausfahrten.
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Gelb-schwarze Leidenschaft: Karl Cronau aus Rodenbach sitzt stolz auf seiner Kawasaki Z 900 aus dem Jahr 1974. Er ist auch Besitzer einer Kawasaki LTD 450 von 1984 (hinten). Mit beiden Maschinen unternimmt er gerne Ausfahrten.

Das Thema Mobilität begeistert viele Menschen. Aber dazu zählen nicht nur moderne Fahrzeuge. Eine große Faszination üben zunehmend Oldtimer aus, auch in unserer Region. In der neuen HNA-Serie „Faszination Oldtimer“ stellen wir Besitzer mit ihren betagten, aber charmanten Fahrzeugen vor.

Rodenbach – Wer kann sich vorstellen, sich in Frankensteins Tochter zu verlieben? Sicher so gut wie keiner. Bis auf die Brüder Helmut und Karl Cronau aus Rodenbach. Die waren fasziniert von dieser Braut. Im Jahr 2000 hatten die beiden in Dortmund die flotte Japanerin kennengelernt. Und zwar während einer Motorradmesse.

Unter dem Begriff „Frankensteins Tochter“ nämlich wurde dort eine gebrauchte gelb-schwarze Kawasaki Z 900 zum Verkauf angeboten. Erstzulassung: 1. Juli 1974. Gebaut in Japan, galt sie seinerzeit mit 240 km/h Spitze als eines der schnellsten Motorräder der Welt.

Die motorradbegeisterten Cronau-Brüder sprangen auf die Anzeige an und kauften frisch verliebt die gelb-schwarz lackierte Maschine mit dem gruseligen Namen.

Ihr Auftritt und ihr teilweise abenteuerliches Fahrverhalten hatten der Z 900 den Spitznamen „Frankensteins Tochter“ eingebracht.

Tadellos: Der Motor der Z 900 setzt 90 Pferdestärken frei.

Das Oldtimer-Motorrad wird heute von Karl Cronau alleine gefahren. „Damals stellte sich ziemlich schnell heraus, dass unser gemeinsamer Kauf die eine oder andere Macke hat“, schildert der 67-Jährige. Sein Bruder trat ihm schließlich die Kawasaki Z 900 ab – nicht ohne den mahnenden Hinweis: „Du musst Dich dann aber auch um sie kümmern.“

Für Karl Cronau Ehrensache. Er machte eine versierte Werkstatt in Schweinfurt aus. Dort wurden alle Mängel beseitigt. Quasi mit im Gepäck auf der Fahrt nach Nordbayern hatte Cronau auch eine Kawasaki LTD 450, die er – wie heute noch – damals schon einige Jahre fuhr. Hierbei handelt es sich um einen Chopper, der am 20. Oktober 1984 zugelassen wurde. Im Jahr 1986 hatte Karl Cronau dieses Motorrad von der damaligen Frankenberger Fahrschule Schwieder gekauft.

Diese Maschine glänzte seinerzeit noch in einem weinroten Lack. Für den Fan von Borussia Dortmund war klar: Wie von Anfang an die Kawasaki Z 900, musste auch die LTD 450 in den gelb-schwarzen Vereinsfarben des Fußball-Bundesligisten durch die Lande rollen. Auch das wurde in Schweinfurt erledigt.

Der Rodenbacher nutzt „Frankensteins Tochter“ heute in erster Linie für seine Ausfahrten. Da werden die 90 PS seines Feuerstuhls schon mal ausgereizt – „allerdings nur auf der Autobahn, wo es erlaubt ist“, versichert er.

Elegant sehen diese Speichenfelgen aus. Sie sind aber schwer zu pflegen.

Ansonsten ist er mit dem Gefährt vereinzelt mit maximal 100 Sachen unterwegs: „Die Z 900 ist mit ihren 46 Jahren inzwischen eine Dame in den besten Jahren, und die darf man nicht über Gebühr strapazieren.“ Auch der Witterung setzt er sie nicht gedankenlos aus: „Regen hat sie noch keinen gesehen.“

Will es Karl Cronau mal etwas gemütlicher angehen, rollt er mit dem Kawasaki-Chopper und 50 Pferdestärken durch die Lande. Dabei genießt er die Landschaft und die vermeintlich schier endlose Freiheit – und denkt dabei trotz Chopper-Image und tollem Motor-Sound aber nicht an den legendären „Easy-Rider“-Kultfilm mit Peter Fonda und Dennis Hopper. Ein Streifen, der das Lebensgefühl der Biker mit ihren Choppern in den späten 1960er-Jahren beschreibt.

Der 67-Jährige achtet lieber auf die Besonderheiten seiner beiden alten Maschinen. „Jedes von diesen Oldtimer-Motorrädern hat spezielle Eigenarten. Man kann auch sagen: Ticks. Das macht neben anderen Aspekten aber auch ihren Reiz aus.“ Als Fahrer sollte man sein Gefährt gut kennen und eine gewisse engere Beziehung zu ihm haben, ansonsten erleide man schnell Schiffbruch, sagt Cronau. Wer ein Oldtimer-Motorrad fahren wolle, müsse über größere Erfahrungen mit solchen Maschinen verfügen: „Für Anfänger ist das nichts.“

Von Klaus Jungheim

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