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Vodafone-Kunden in Waldeck-Frankenberg ärgern sich über Internet-Störungen

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Vodafone gehört zu den größten Mobilfunk- und Internetanbietern in Deutschland. Auch in Waldeck-Frankenberg bietet er seine Dienste an. Zuletzt meldeten mehrere Vodafone-Kunden im Landkreis Störungen bei der Nutzung des Internets.
Vodafone gehört zu den größten Mobilfunk- und Internetanbietern in Deutschland. Auch in Waldeck-Frankenberg bietet er seine Dienste an. Zuletzt meldeten mehrere Vodafone-Kunden im Landkreis Störungen bei der Nutzung des Internets. © Federico Gambarini/dpa

Rasch bei Google eine Suche starten oder ruckelfrei YouTube-Videos ansehen, das ist für mehrere Vodafone-Kabelkunden (vormals Unitymedia) im Landkreis seit knapp eineinhalb Monaten lang Wunschdenken.

Nach Anfrage unserer Zeitung bei Vodafone hat sich in dieser Woche aber etwas getan – wie ein Sprecher des Mobilfunkanbieters am Mittwoch mitteilte, „soll nun alles wieder störungsfrei laufen“.

Der von unserer Zeitung zu dem Thema befragte IT-Experte aus Herzhausen (siehe Artikel unten) habe bei der Lösung des Problems eine entscheidende Rolle gespielt.

Wir fassen an dieser Stelle die Geschehnisse der vergangenen Tage zusammen.

„Seit gut zwei Monaten lässt die Übertragung meiner Daten, besonders bei YouTube, zu wünschen übrig. Ich lade Lieder, bei 80 Prozent bricht der Vorgang ab und ich muss die Seite neu laden“, berichtete uns Andreas Schultze aus Kirchlotheim am Ang dieser Woche. Trotz bestehender Internetverbindung zeige der Browser häufig eine Offline-Meldung an.

Andreas Schultze
Andreas Schultze, Vodafone-Kunde aus Kirchlotheim © nz

„Alle Dienste die den Aufbau der Webseiten verlangsamten oder verhinderten waren Google-Dienste“, machte auch Volker Scharfe aus Goldhausen seinem Ärger Luft. Der Aufbau der Webseiten habe durch Quellen wie googleapis.com, gstatic.com, aber auch durch eingebundene Google-Schriften, Google Maps oder YouTube-Videos gestockt. Als er über LTE über einen anderen Netzanbieter den Zugang genutzt habe, sei der Fehler ausgeblieben.

„Seit Mitte August habe ich bemerkt, dass einzelne Websites wie Google, Facebook und Heise nur sehr langsam oder gar nicht laden“, berichtete uns am Montag auch Thomas Schmitt aus Schmittlotheim. Karolin Schlegel, die derzeit in Herzhausen wohnt, beschrieb die Probleme wie folgt: „Ich nutze regelmäßig YouTube und andere Google-Dienste. Es vergeht im Grunde kein Tag, an dem nicht irgendeine Störung auf diesen Seiten vorkommt.“ Die Seiten würden dann nicht laden oder hängen bleiben. Die Störungen seien sporadisch. „Wenn man bei Vodafone ein Störungsticket aufmacht, kommt ein Techniker vorbei, misst die Leitung durch und bestätigt, dass der Hausanschluss okay ist“, sagte sie. Danach werde das Ticket verworfen, das Problem bestehe aber weiter.

Weitere Kabelkunden aus der Großgemeinde Vöhl sowie aus Korbach und der Stadt Frankenau machten ihrem Ärger stattdessen in Internetforen von Vodafone Luft.

„Problem offenbar selbst nicht verstanden“

Die Störung betrifft ausschließlich IPv6-Verbindungen. Es zeigt sich, dass Pakete auf dem Weg zwischen Sender und Empfänger verloren gehen. Normalerweise schaltet beispielsweise der Browser automatisch von IPv6 auf IPv4, falls eine Störung vorliegt“, sagte IT-Sicherheitsingenieur Frédéric Christ aus Herzhausen auf Anfrage unserer Zeitung, dem die Probleme seit einigen Wochen bekannt sind.

Frédéric Christ
Frédéric Christ © nz

Dadurch, dass die IPv6-Verbindung nicht komplett ausgefallen sei, sondern nur ein signifikanter Paketverlust auftrete, finde jedoch keine permanente Umschaltung statt, sondern es werde ständig hin- und hergewechselt. Dies nehme der Nutzer dann als ein stockendes Laden von Internetseiten wahr, was sich teilweise beheben lasse, indem die Seite mehrmals neu geladen werde.

„Viele Vodafone-Kunden scheinen die Störung nicht als solche zu erkennen. Das liegt beispielsweise daran, dass es nicht alle Dienste gleichermaßen betrifft“, so Christ.

Beispielsweise seien Dienste wie Twitter nicht betroffen, da diese nur über das alte IPv4-Protokoll erreicht würden. Zudem zeigten Geschwindigkeitstests in der Regel auch kein Problem, da nur wenige dieser Tests auch die Geschwindigkeit per IPv6 testeten.

„Über den Ursprung der Störung kann man von außen nur mutmaßen“, betonte er. Da die Störung unabhängig vom Routermodell auftrete, sei aber auszuschließen, dass die Anlage vor Ort die Störungsquelle sei. „Dennoch schickt Vodafone Techniker zur Überprüfung raus, was darauf hindeutet, dass sie das Problem selbst nicht verstanden haben“, sagte Frédéric Christ.

Das sagt Vodafone

„Wir haben das Problem heute behoben“, sagte Vodafone-Sprecher Volker Petendorf am Mittwoch dieser Woche auf Anfrage. Zuvor hatte unsere Zeitung ihm die Internet-Probleme der Vodafone-Kunden aus Vöhl und Korbach sowie die Einschätzung des IT-Experten Frédéric Christ geschildert. „Der Hinweis hat uns auf die richtige Spur gebracht.“ Letztlich habe es sich um ein Konfigurationsproblem gehandelt, von dem in Waldeck-Frankenberg 78 Vodafone-Kunden betroffen gewesen seien. „28 davon hatten sich bei uns gemeldet und auf die Störungen hingewiesen“, berichtete der Sprecher. Unterm Strich seien IPv6-Adressen bei der Neukonfiguration Mitte August doppelt vergeben worden, was die Probleme verursacht habe. „Jetzt sollte alles wieder normal laufen. Wir haben uns auch bei einigen Kunden rückversichert, die uns sagten, dass die Störungen aufgehört hätten“, sagte Petendorf.

IPv6 hat Raum für IP-Adressen vergrößert

Das IP (Internetprotokoll) dient dem Übertragen von Datenpaketen. Ursprünglich wurde jedem Rechner im Internet eine eindeutige IP-Adresse zugewiesen. Mittlerweile übersteigt die Anzahl der mit dem Internet verbundenen Geräte den Adressraum des Internets von circa 4,3 Milliarden Adressen in der ursprünglichen Version IPv4 um ein vielfaches.

Um Adressen zu sparen, wurden Technologien entwickelt, um das Internet in öffentliche und private Netze einzuteilen. Deshalb weisen Netzbetreiber Privatkunden maximal eine öffentliche IPv4-Adresse zu. Der Router stellt dann sicher, dass die privaten Adressen aus dem Heimnetz Zugang über die eine öffentliche Adresse des Routers zum Internet erhalten. So können sich in der Theorie mehrere Millionen Geräte hinter einer öffentlichen Adresse eines Internetanschlusses befinden.

Um die Knappheit aufzulösen, wurde IPv6 als neue Version des IP veröffentlicht, das den Adressraum vergrößert, um auf absehbare Zeit jedem Gerät eine eindeutige Adresse zuordnen zu können. IPv4 und IPv6 laufen in der Praxis parallel, wobei von kompatiblen Geräten Verbindungen via IPv6 bevorzugt werden. nz

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