Schon Grundschüler mit Depressionen

Viele Schüler leiden unter psychischen Problemen

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Mit einer konkreten Forderung hatte die Landesschülervertretung Aufmerksamkeit erregt: Sie will, dass Hausaufgaben abgeschafft werden. Viele Schüler litten unter dem Leistungsdruck in der Schule, vor allem in der Oberstufe.

Der Kreisschülerrat Waldeck-Frankenberg unterstützt die Forderungen insofern, als dass Alternativen wie gemeinsames Lernen in der Schule klassische Hausaufgaben ersetzen sollten. Denn Unterrichtsthemen müssten nach- und vorbereitet werden. Hausaufgaben seien jedoch nicht das größte Problem, sagt die Kreisschulsprecherin Alyssa Scharff. 

Verbesserungsbedarf sieht sie eher bei der Kommunikation zwischen Schule und Schülern. Vor allem Oberstufenschüler berichten ihr zufolge immer öfter von psychischem Druck. „Ich denke, jeder Schüler und jede Schülerin könnte mindestens eine Person aus dem unmittelbaren schulischen Umfeld nennen, die stark unter Notendruck und Schulstress leidet“, sagt Alyssa Scharff. Depressionen, Burnout und Schlafstörungen bedeuteten für Betroffene, dass sie sich kaum auf die Schule konzentrieren könnten.

Die DAK-Gesundheit Hessen berichtet, dass schon viele Grundschüler unter Ängsten und Depressionen leiden.

Lehrer sollten besser auf Kinder eingehen können

Die Landesschülervertretung bemängelt, dass Schüler mit psychischen Problemen nicht ausreichend unterstützt würden und fordert, dass Lehrer besser ausgebildet werden, so dass sie solche Probleme erkennen. „Viele Lehrer wissen nicht, wie sie mit betroffenen Schülern umgehen sollen“, bekräftigt die Kreisschulsprecherin.

„Diese Kritik findet im Bereich des Staatlichen Schulamts für Waldeck-Frankenberg und den Schwalm-Eder-Kreis keine Bestätigung“, sagt hingegen der Leitende Schulamtsdirektor Stephan Uhde. Bei Bedarf werden Schulpsychologen zu Rate gezogen. Derzeit sind im schulpsychologischen Dienst für die beiden Landkreise acht Schulpsychologen tätig – bei circa 38 500 Schülern. Stephan Uhde: „Die Schulpsychologen werden den an sie gestellten Anforderungen vollumfänglich gerecht.“ Die Landesschülervertretung hingegen will, dass hessenweit mehr Schulpsychologen eingestellt werden. 

DAK Gesundheit: Ein Vierten psychisch auffällig

Nach Angaben der Krankenkasse DAK Gesundheit Hessen zeigen sogar fast ein Viertel aller Schulkinder psychische Auffälligkeiten. Das geht aus dem aktuellen DAK-Kinder- und Jugendreport „Ängste und Depressionen bei Schulkindern“ hervor. Für die Analyse wurden die Daten von rund 90 000 minderjährigen Versicherten in Hessen durch die Uni Bielefeld ausgewertet. „Die betroffenen Kinder leiden oft für sich im Stillen, bevor sie sich jemandem anvertrauen und eine passende Diagnose bekommen. Wir müssen aufmerksamer werden – ob in der Familie, in der Schule oder im Sportverein – und nachhaltig helfen“, sagt Sötkin Geitner, Leiterin der DAK-Landesvertretung in Hessen. 

23 Prozent aller Jungen und Mädchen in Hessen sind demzufolge von einer psychischen Erkrankung oder Verhaltensstörung betroffen. Vor allem jüngere Schüler fallen am häufigsten durch Entwicklungsstörungen auf, zu denen Sprach- und Sprechstörungen gehören. Die Daten der Krankenkasse für 2017 zeigen, dass Verhaltensstörungen, wie etwa ADHS ebenfalls sehr verbreitet seien.

Viele Schulen reagieren auf die psychischen Probleme. So organsiert die Gesamtschule Edertal in der Gemeinde Edertal ihren Unterricht neu, um belastenden Leistungsdruck zu senken.

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