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Vogelgrippe: Kreis Waldeck-Frankenberg ließ 130 Tiere keulen

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Von: Susanna Battefeld

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Solidaritätsbekundung: Am Haus des von der Vogelgrippe betroffenen Betriebs in Schmittlotheim hatten sich rund 20 Vereins- und Züchterkollegen eingefunden, die mit auf die Ankunft der Mitarbeiter des Veterinäramtes warteten.
Solidaritätsbekundung: Am Haus des von der Vogelgrippe betroffenen Betriebs in Schmittlotheim hatten sich rund 20 Vereins- und Züchterkollegen eingefunden, die mit auf die Ankunft der Mitarbeiter des Veterinäramtes warteten. © SUSANNA BATTEFELD

Der Landkreis Waldeck ließ wegen Vogelgrippe auf zwei Höfen 130 Tiere keulen. Ein Sperrbezirk soll eingerichtet werden.

Waldeck-Frankenberg – Nachdem in zwei Rassegeflügelzuchtbetrieben im Landkreis Tiere positiv auf die Geflügelpest getestet worden waren (wir berichteten), sind die Bestände der betroffenen Züchter in Haubern und Schmittlotheim am Samstag getötet worden. Gekeult wurden nach Angaben des Landkreises rund 130 Enten, Gänse, Hühner und Tauben.

Das Veterinäramt hatte die Züchter gegen Samstagmittag über die geplante Tötungsaktion unterrichtet und rückte dann am Samstagnachmittag in den Betrieben an – begleitet von mehreren Polizeibeamten.

Städtische Mitarbeiter der jeweiligen Kommunen lieferten mobile Sichtschutzwände an. Die Aktion zog sich nach Angaben der Betroffenen über mehrere Stunden hin. Das Geflügel sei eingeschläfert worden, teilte der Landkreis mit.

Keulung von Tieren wegen Vogelgrippe: Züchter drücken Mitgefühl aus

Die Solidarität unter den Geflügelzüchtern ist groß: Auf dem betroffenen Hof in Schmittlotheim hatten sich rund 20 Züchter eingefunden und verfolgten das Geschehen. „Wir wollen hier keine Protestdemo machen, sondern nur dem Züchter gegenüber unser Mitgefühl ausdrücken“, erläuterte der 2. Vorsitzende des Frankenauer Rassegeflügelzuchtvereins (RGZV), Jörg Wilhelmi, unserer Zeitung. Alle hatten bis zuletzt gehofft, die Tötung der Tiere noch abwenden zu können. „Wir haben noch fast 40 Minuten mit den Ärztinnen diskutiert – leider vergeblich“, sagte Wilhelmi.

Viele der Anwesenden übten am Rande der Aktion Kritik an der Vorgehensweise: „Hier wird meiner Ansicht nach ein Stück weit mit Kanonen auf Spatzen geschossen“, sagte Heiko Schneider vom RGZV unserer Zeitung.

Keulung von Tieren wegen Vogelgrippe: Landkreis verweist auf „eindeutige Gesetzgebung“

Die Gesetzgebung sei hier sehr eindeutig, so dass dem Veterinäramt des Landkreises kein Ermessensspielraum gegeben war, hält der Landkreis entgegen und verweist auf entsprechende Gesetze und die Verordnung des Bundes zum Schutz gegen die Geflügelpest auf EU- und Bundesebene.

„Die Voraussetzungen, um Bestände gegebenenfalls in Quarantäne zu setzen, wie es in Einzelfällen andernorts gemacht wurde, lagen bei den beiden betroffenen Betrieben in Waldeck-Frankenberg jedoch leider von vorn herein nicht vor“, sagte Pressereferentin Ann-Katrin Heimbuchner. Sie ging damit auf Stellungnahmen von Züchtern und des tierschutzpolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion, Florian Schneider, ein, die, wie berichtet, Isolation statt Keulung gefordert hatten.

Keulung von Tieren wegen Vogelgrippe: Züchter sichtlich mitgenommen

Für die beiden betroffenen Züchter, die nicht namentlich genannt werden wollen, war die Keulung ihres Geflügels wegen positiver Vogelgrippe-Fälle am Samstag emotional sehr belastend. „So etwas wünscht man keinem“, sagte der Schmittlotheimer Rassegeflügelzüchter, bei dem rund 95 Tiere – darunter Böhmische Gänse, Warzenenten und Federfüßige Zwerghühner – getötet wurden.

Das Gehege ist verwaist: Die dort in Schmittlotheim untergebrachten Zwerghühner wurden – wie der Rest des Geflügelbestandes – getötet.
Das Gehege ist verwaist: Die dort in Schmittlotheim untergebrachten Zwerghühner wurden – wie der Rest des Geflügelbestandes – getötet. © Battefeld, Susanna

Er habe die vergangenen Tage nur sehr schlecht geschlafen. „Das ist ein Schlag für uns, die gesamte Zuchtarbeit von 50 Jahren ist vernichtet.“ Gefreut habe er sich allerdings über die Unterstützung seiner Vereinskollegen, deren Anteilnahme überwältigend gewesen sei.

Auch der zweite Betroffene, ein Züchter aus Haubern, klang auch am Sonntag im Telefongespräch mit unserer Zeitung noch merklich mitgenommen. Bei ihm seien 15 Enten und 18 Tauben getötet worden, berichtete er. Er züchte seit mehr als 35 Jahren Geflügel und müsse jetzt wieder bei null anfangen. „Es haben sich aber schon viele Zuchtfreunde aus ganz Deutschland gemeldet und Hilfe angeboten.“

Keulung von Tieren wegen Vogelgrippe: Kreis: „Bedauerlich, aber Vorschrift“

Nachdem in den beiden Geflügelzuchtbetrieben Tiere positiv auf das Vogelgrippe-Virus getestet worden sind, haben beide Bestände am Wochenende eingeschläfert werden müssen, teilte der Landkreis auf Anfrage mit. „Das schreibt die Rechtslage zum Schutz der Vogel- und Geflügelpopulation leider so vor – unabhängig davon, wie viele Tiere sich mit dem Virus infiziert haben“, sagte Pressereferentin Ann-Katrin Heimbuchner.

Das sei auch der Grund, warum im Vorfeld bei der Beprobung der Tiere keine Ringnummern der getesteten Tiere notiert wurden, was von den Züchtern moniert worden war: „Das Gesetz sieht vor, bei Verdachtsfällen Stichproben in den Beständen zu nehmen. Ein einziger positiver Fall führt automatisch dazu, dass der gesamte Bestand als infiziert gilt“, erläuterte Heimbuchner.

Die Gesetzgebung zum Seuchenschutz und zur Tiergesundheit sei mit dem Animal Health Law (EU-Tiergesundheitsrechtsakt) und der Verordnung des Bundes zum Schutz gegen die Geflügelpest auf EU- und Bundesebene geregelt. „Diese Vorgaben gelten für alle Bundesländer gleichermaßen“, sagte Heimbuchner. „Die Tiere in solchen Fällen einschläfern zu müssen, ist mehr als bedauerlich, aber gesetzlich vorgeschrieben und somit unausweichlich.“

Die Maßnahme am Samstag sei ruhig und sachgerecht verlaufen, berichtete der Kreis. „Im Vorfeld hatten die Mitarbeiter des Veterinäramtes die Sachlage und daraus resultierende zwingende Schritte in ausführlichen Gesprächen gemeinsam mit den Betriebsinhabern besprochen“, so Heimbuchner. Die Polizei sei lediglich zur Unterstützung dabei gewesen. (Susanna Battefeld)

Kreis plant Einrichtung eines Sperrbezirks 

Der Landkreis kündigte an, am Montag (12.12.2022) nach geltender Rechtslage eine Allgemeinverfügung zu erlassen, die Schutzmaßnahmen in einem Drei-Kilometer-Radius um die betroffenen Betriebe in Haubern und Schmittlotheim herum festlege. Nach Auskunft von Pressereferentin Ann-Katrin Heimbuchner liegen inzwischen die Testergebnisse aller Verdachtsbetriebe vor. Demnach gebe es aktuell keinen weiteren positiven Fall von Vogelgrippe im Landkreis. (bs)

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