Zentrale Gedenkfeier in Frankenberg

Volkstrauertag: Landrat Kubat spricht von „moralischer Verpflichtung“

Volkstrauertag 2020, Friedhof Frankenberg, Mundschutz, Corona, Soldaten
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Bei den Gedenkfeiern am Volkstrauertag in Waldeck-Frankenberg galt Maskenpflicht - auch für diese beiden Soldaten bei der zentralen Veranstaltung auf dem Friedhof in Frankenberg.

Unter besonderen Bedingungen ist in den Städten und Dörfern in Waldeck-Frankenberg am Sonntag der Volkstrauertag begangen worden. Wegen der Corona-Pandemie sollten alle Teilnehmer der Gedenkfeiern Maske tragen.

Frankenberg – Bei der zentralen Gedenkfeier auf dem Friedhof in Frankenberg haben rund 50 Menschen an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft erinnert – 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. „Seither leben wir in Frieden. Wenn man sich die Welt anschaut, ist das alles andere als selbstverständlich“, sagte Oberstabsfeldwebel Sven Sommerlad in seinen einleitenden Worten.

„We Shall Overcome“, erklang aus den Lautsprechern – die Friedens-Hymne von Joan Baez aus dem Jahr 1963. „Wir werden es überwinden“, so die deutsche Übersetzung, predigte der Frankenberger Pfarrer Reinhold Schott zu den aktuellen Ereignissen. „Der Volkstrauertag ist auch 75 Jahre nach Kriegsende aktuell und wichtig für unser Gemeinwesen“, sagte Schott.

Wegen der Corona-Pandemie fand die Gedenkveranstaltung diesmal ohne musikalische Begleitung der Liedertafel und des Posaunenchors statt. Vor dem Hochkreuz als Mahnmal legten Landrat Dr. Reinhard Kubat für den Landkreis, Bürgermeister Rüdiger Heß für die Stadt Frankenberg sowie Abordnungen der Reservistenkameradschaft Frankenberg, des EloKa-Bataillons 932, des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der Feuerwehr Kränze nieder.

Gedenkfeier auf dem Friedhof in Frankenberg: (vorne von links) Pater Norbert, Bürgermeister Rüdiger Heß, Landrat Dr. Reinhard Kubat und Pfarrer Reinhold Schott. Wegen der Corona-Vorschriften trugen alle Anwesenden einen Mundschutz.

Der Landrat betonte, dass es wichtig sei, das Gedenken auch in Corona-Zeiten aufrechtzuerhalten: „Angesichts der aktuellen Lage können wir auf viele Veranstaltungen verzichten, nicht aber auf den Volkstrauertag.“ Und Kubat äußerte seine Hoffnung, dass der Volkstrauertag im nächsten Jahr wieder in seinem gewohnten Rahmen stattfinden könne. „Vieles deutet darauf hin.“

Landrat Kubat: „Ein historischer Auftrag“

In seiner Ansprache erinnerte Kubat daran, dass infolge der beiden Weltkriege sowie durch Gewaltherrschaft, Flucht und Verfolgung mehr als 70 Millionen Menschen ihr Leben verloren haben. Deshalb sei es für die heutige Generation ein historischer Auftrag und eine moralische Verpflichtung, auch heute noch dieser Opfer zu gedenken. „So etwas darf sich nicht wiederholen“, appellierte der Landrat. Nur das Erinnern könne dazu beitragen, das Schreckliche präsent zu halten.

„Das 20. Jahrhundert ist das mörderischste in der Geschichte der Menschheit. Moral und Humanität waren auf der Strecke geblieben.“ 

Landrat Dr. Reinhard Kubat

„Das 20. Jahrhundert ist das mörderischste in der Geschichte der Menschheit“, sagte der Landrat. Niemals zuvor seien so viele Menschen durch Krieg und Gewalt gestorben. „Moral und Humanität waren auf der Strecke geblieben.“ Die 75 Jahre seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bezeichnete er daher als „ein Geschenk“ für diese Generationen.

Doch weltweit seien aktuell noch immer etwa 70 Millionen perspektivlose Menschen auf der Flucht. Und vor diesem Hintergrund sei es möglich, dass die Gewalt in Form von Terrorismus zu uns zurückkehre, warnte Kubat. Auch aus dem Gedenken an die Schrecken und die Gewalt der Vergangenheit müsse die Kraft gewonnen werden, „unsere Welt neu zu gestalten“.

Ein gemeinsames Gebet hielten Pfarrer Reinhold Schott und der katholische Pater Norbert. Bei der Kranzniederlegung am Hochkreuz erklang aus dem Lautsprecher das Trompetensolo „Ich hatt‘ einen Kameraden“.

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