Veranstaltungen mit strengen Regeln

Volkstrauertag: Waldeck-Frankenberg hält trotz Corona an Gedenkfeiern fest

Götttingen, Stadtfriedhof, Soldatengräber
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Symbolbild: Soldatengräber auf dem Stadtfriedhof in Göttingen

Wegen der Corona-Pandemie hatte der Landkreis Kassel seinen Kommunen für den Volkstrauertag empfohlen, alle öffentlichen Gedenkveranstaltungen abzusagen. In Waldeck-Frankenberg sollen sie stattfinden – allerdings mit strengen Regeln.

Waldeck-Frankenberg - Alle Teilnehmer an den Gedenkfeiern in den einzelnen Orten müssen während der Gedenkfeier eine Maske tragen und ihre Kontaktdaten aufschreiben. Abstände sind einzuhalten und es dürfen je Veranstaltung maximal 100 Menschen teilnehmen.

Eine Absage sei für den Landkreis Waldeck-Frankenberg nicht in Frage gekommen, sagt Pressereferentin Ann-Katrin Heimbuchner. Auch Landrat Dr. Reinhard Kubat findet: „Unsere staatlichen Feiertage zu begehen, ist wichtig – vielleicht in diesen so aufwühlenden Zeiten wichtiger denn je. Sie sind Bestandteil unserer Geschichte, unserer Identität und unserer Kultur. Die Feiertage können allerdings in diesem Jahr nicht so stattfinden, wie wir es kennen.“

Aufgrund der steigenden Infektionszahlen in Waldeck-Frankenberg empfiehlt der Landkreis gemeinsam mit den Städten und Gemeinden, dass der Volkstrauertag „unter besonderen Schutzvorkehrungen“ stattfinden soll. Diese Empfehlung habe keinen rechtsverbindlichen Charakter, sei aber ein dringender Appell an die Eigenverantwortlichkeit eines jedes Einzelnen, sagt Ann-Katrin Heimbuchner.

„Der Landkreis muss im Rahmen der Wahrnehmung seiner Gesamtverantwortung zu einer Abwägung kommen – und hat sich dabei auf die sichere Seite gestellt.“

Ann-Katrin Heimbuchner, Pressereferentin des Landkreises

Wie berichtet, gehört zu den Schutzvorkehrungen auch, dass bei den Gedenkfeiern auf Musik von Sängern und Bläsern verzichtet wird. Der Landkreis sieht durch sie ein Infektionsrisiko, da Aerosole, also kleine Tröpfchen in der Atemluft, das Coronavirus verbreiten könnten.

Dem Ansteckungsrisiko durch Blasmusik – zumal im Freien – haben Bläser aus dem Frankenberger Land gegenüber der HNA widersprochen. Heimbuchner sagt dazu: „Studien über die mögliche Unbedenklichkeit des Musizierens im Hinblick auf die Verbreitung des Coronavirus sind dem Landkreis bekannt, jedoch auch zahlreiche andere, die zu einem gegenteiligen Schluss kommen. In jedem Fall gilt es, das Infektionsrisiko bestmöglich zu mindern.“

Und weiter erklärt die Pressereferentin: „Der Landkreis muss im Rahmen der Wahrnehmung seiner Gesamtverantwortung zu einer Abwägung kommen – und hat sich dabei auf die sichere Seite gestellt. Wohl wissend, dass dies für viele Menschen mit Einschränkungen verbunden ist. Der Landkreis bittet um Verständnis, jedoch hat der Gesundheitsschutz oberste Priorität.“

Das sagt der Vorsitzende der Bürgermeister

Battenbergs Bürgermeister Christian Klein findet es richtig, dass die Gedenkfeiern in Waldeck-Frankenberg nicht abgesagt wurden. Klein ist Vorsitzender der Kreisversammlung der Bürgermeister und berichtet: „Auf der letzten Bürgermeisterdienstversammlung haben wir uns entschieden, dass es wegen der großen Bedeutung des Volkstrauertags geboten ist, den Volkstrauertag trotz der Corona-Beschränkungen zu begehen. Die Zeremonie muss natürlich den geltenden Regularien angepasst werden. Ich glaube, dass uns das in den Kommunen auch gelingen wird.“

Aus Kleins Sicht verliere der Volkstrauertag auch 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht an Bedeutung: „Auf der ganzen Welt gibt es bewaffnete Konflikte, die unermessliches Leid nach sich ziehen. Es gilt ja nicht nur, an die Toten zu erinnern, sondern auch, sich den Wert des Friedens bewusst zu machen.“

Klein: „Wir haben das unglaubliche Privileg, in Deutschland jetzt über 70 Jahre in Frieden leben zu können. Letztes Jahr war ich mit Freunden in Sarajevo. Da gewinnt man einen Eindruck, welche furchtbaren Folgen ein Krieg haben kann. Das ist gerade eine gute Flugstunde entfernt. Der Krieg dort ist nur 25 Jahre her, die Spuren sind nicht zu übersehen.“ (Jörg Paulus und Thomas Hoffmeister)

Kreis Kassel bittet um stilles Gedenken

„Wir befinden uns in einer absoluten Ausnahmesituation und müssen uns an die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus halten. Eine Zusammenkunft mit so vielen Menschen stellt ein zu großes Risiko dar“, sagt Landrat Uwe Schmidt zu den Gedenkfeiern am Volkstrauertag im Landkreis Kassel. Statt öffentlicher Veranstaltungen bittet er daher um eine stille Anteilnahme, um den Opfern den nötigen Respekt entgegenzubringen. Viele Gemeinden im Kreis Kassel werden trotz der Empfehlung öffentliche Gedenkfeiern abhalten.

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