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Zensus 2022: Kaum Engpässe bei Erhebungsbeauftragten

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Von: Philipp Daum

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Volkszählung 2022: Um verlässliche Daten für Planungen zu erhalten, ist eine regelmäßige Bestandsaufnahme der Bevölkerungszahl notwendig.
Volkszählung 2022: Um verlässliche Daten für Planungen zu erhalten, ist eine regelmäßige Bestandsaufnahme der Bevölkerungszahl notwendig. © Arno Burgi /dpa

Die anhaltende Corona-Pandemie und die hohen Infektionszahlen haben derzeit keinen negativen Einfluss auf den Zensus in Waldeck-Frankenberg. Das ergab eine Anfrage unserer Zeitung beim Landkreis.

Es gebe zwar immer wieder kurzfristig Ausfälle sowohl bei Erhebungsbeauftragten, als auch bei den zu Befragenden. „Da die Befragungen durch unsere Erhebungsstelle zum Teil auch telefonisch durchgeführt werden, können wir einen kurzfristigen Ausfall eines Erhebungsbeauftragten kompensieren“, berichtet Dr. Hartmut Wecker, Leiter des Fachdienstes Öffentlichkeitsarbeit.

Dem Kreis würden zwar noch elf Erhebungsbeauftragte fehlen. „Da wir aber Unterstützung aus anderen Landkreisen erhalten haben, sowie einige Erhebungsbeauftragte die doppelte oder dreifache Menge der Erhebungsbezirke abgearbeitet haben, gibt es kaum Engpässe.“ Aktuell bestehe noch Bedarf für die Gemeinden Vöhl und Waldeck.

Der deutschlandweite Zensus startete am 15. Mai (wir berichteten). Ein Großteil der Bürger wurde bereits befragt – auch in Waldeck-Frankenberg. „Die Erhebungsbeauftragten erhalten von uns Unterlagen mit Adressen und einer Namensliste. Die Adressen werden angefahren und es wird festgestellt, ob es sich um bewohnte Gebäude handelt. Sollte dies so sein, werden in alle Briefkästen Terminankündigungskarten eingeworfen“, so Wecker. Diese beinhalteten einen vorgeschlagenen Termin zur Befragung durch den Erhebungsbeauftragten, dessen Namen und telefonische Erreichbarkeit sowie einen Flyer zum Zensus und eine Belehrung zum Datenschutz. „Unsere Erhebungsbeauftragten sind 18 bis 82 Jahre alt. Es handelt sich um Schüler, Arbeitende, Rentner und Pensionäre.“

Beim Zensus 2022 wird nach Nachname, Vorname, Geburtsdatum, Familienstand und Staatsangehörigkeit gefragt. Außerdem wird der Befragte um Auskunft gebeten, ob er eine weitere Wohnung oder ein weiteres Haus in Deutschland bewohnt und welches der Hauptwohnsitz ist. Auch die Anzahl der Haushaltsmitglieder wird ermittelt. „Einige Haushalte wurden für eine weitergehende Befragung ausgewählt, dabei geht es um die Schul- und Berufsausbildung beziehungsweise die derzeitige berufliche Tätigkeit“, berichtet Wecker. Die Befragungen sollen bis 17. August laufen, danach werden die Daten verarbeitet. Im November 2023 sollen sie den Städten und Gemeinde zur Verfügung gestellt und veröffentlicht werden.

Bundesweite Volkszählung

Für den Zensus 2022 werden in erster Linie Daten aus Verwaltungsregistern genutzt, sodass die Mehrheit der Bevölkerung keine Auskunft leisten muss. Bundesweit nehmen nur rund zehn Prozent der Bevölkerung an Kurz-Interviews durch Erhebungsbeauftragte teil. Die zufällige Stichprobenbefragung ist nötig, um Ungenauigkeiten der Melderegister festzustellen. Es besteht Auskunftspflicht: Jede Person, die für den Zensus kontaktiert wird, muss das laut Bundesstatistikgesetz auch tun. 

Entscheidungen beruhen auf Zahlen

Wie viele Menschen leben in Waldeck-Frankenberg? Gibt es genügend Wohnraum für alle Bürgerinnen und Bürger? Brauchen wir mehr Kindergärten, Schulen oder Pflegeeinrichtungen? Mit dem Zensus, wie die Volkszählung auch genannt wird, soll ermittelt werden, wie viele Menschen in Deutschland leben, wie sie wohnen und arbeiten und entsprechende Fragen beantworten. Denn: Viele Entscheidungen in Bund, Ländern und Gemeinden beruhen auf Bevölkerungs- und Wohnungszahlen.

Um verlässliche Daten für Planungen zu erhalten, ist eine regelmäßige Bestandsaufnahme der Bevölkerungszahl notwendig. Daher führen die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder alle zehn Jahre den Zensus durch. Ursprünglich sollte der Zensus vergangenes Jahr stattfinden, wurde aber pandemiebedingt auf 2022 verschoben.

Die Ergebnisse des Zensus sind die Grundlage dafür, wie viel Geld Städte und Gemeinden in Zukunft durch den Länder- und den kommunalen Finanzausgleich sowie durch EU-Fördermittel zugewiesen bekommen. Auch die Einteilung der Wahlkreise und die Stimmenverteilung im Bundesrat orientieren sich an der amtlichen, durch den Zensus ermittelten Einwohnerzahl.

Seit dem 15. Mai finden nun also entsprechende Datenerhebungen und Befragungen in Deutschland statt. In den Städten und Kreisen gibt es allerdings erhebliche Bedenken, ob der aktuell laufende Zensus 2022 erfolgreich zu Ende geführt werden kann. „Gegenwärtig erreicht uns eine Vielzahl von Problemanzeigen aus verschiedenen Bundesländern von den örtlichen Erhebungsstellen zur Durchführung des Zensus 2022“, hieß es kürzlich in einem gemeinsamen Brief, den der Deutsche Städtetag und der Deutsche Landkreistag an den für Digitalisierung zuständigen Innenstaatssekretär Markus Richter geschickt haben.

Hauptproblem sei die eigens für den Zensus entwickelte Software, die trotz entsprechender Angebote der Kommunen „nicht ausreichend und belastbar erprobt worden ist“, heißt es in dem Brief. Die Software zeige in der praktischen Anwendung nun „erhebliche Performanceprobleme“.

Unsere Zeitung fragte diesbezüglich auch beim Landkreis nach. „Zu diesen Themenbereichen kann derzeit noch nichts gesagt werden. Wahrscheinlich wird es demnächst über den Deutschen Städtetag und den Deutschen Landkreistag Informationen dazu geben“, teilte Dr. Hartmut Wecker, Leiter des Fachdienstes Öffentlichkeitsarbeit beim Landkreis, mit.

Weitere Informationen zum Zensus 2022 gibt es hier.

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