Von Video-Krippenspiel bis Online-Andachten

Weihnachten in Corona-Zeiten: So gehen die Kirchen mit den Auswirkungen um

Die Weihnachtsgottesdienste finden in diesem Jahr coronabedingt unter schwierigen Bedingungen statt. Auch in Waldeck-Frankenberg. Mancherorts wurden sie bereits abgesagt – wie hier in Haina-Mohnhausen. Pfarrer Hilmar Jung stellt sich in der geschmückten Kirche vor die leeren Bänke, auf die sich Gläubige an Heiligabend bestenfalls für kurze Zeit für eine persönliche Besinnung setzen können. Jung wird dabei mit Maske anwesend sein.
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Die Weihnachtsgottesdienste finden in diesem Jahr coronabedingt unter schwierigen Bedingungen statt. Auch in Waldeck-Frankenberg. Mancherorts wurden sie bereits abgesagt – wie hier in Haina-Mohnhausen. Pfarrer Hilmar Jung stellt sich in der geschmückten Kirche vor die leeren Bänke, auf die sich Gläubige an Heiligabend bestenfalls für kurze Zeit für eine persönliche Besinnung setzen können. Jung wird dabei mit Maske anwesend sein.

Die evangelischen und katholischen Kirchen in Hessen wollen in der Corona-Pandemie an Weihnachten für die Menschen ansprechbar bleiben und verantwortlich mit den Gottesdiensten an den Feiertagen umgehen. Dies geht aus Mitteilungen der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sowie dem katholischen Bistum Fulda nach einem Gespräch mit Ministerpräsident Bouffier hervor.

Waldeck-Frankenberg – Insbesondere die Bedeutung der Seelsorge für Menschen in der durch die Pandemie belastenden Situation angesichts vieler Kranker und zunehmender Todesfälle wird besonders hervorgehoben. Für den Hessen-Nassauischen Kirchenpräsidenten Volker Jung ist es deshalb zentral, „Menschen gerade in dieser Zeit auf vielfältige Weise zu begleiten“.

Beate Hofmann, Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, begrüßt es, dass nach wie vor die Zugänge zu Seniorenheimen und Krankenhäusern für die Seelsorge offenstehen: „Seelsorge gilt als Muttersprache der Kirche. Gerade in diesen Tagen soll sie auch über Weihnachten zu hören sein.“

Der Bischof von Fulda, Dr. Michael Gerber, betont: „ Viele Angebote in Fernsehen und im Internet sorgen dafür, dass Menschen, die gute Gründe haben, den Gottesdiensten derzeit fern zu bleiben, auf andere Weise mitfeiern können.“

Wenn die Gottesdienste vor Ort stattfinden, sind strenge Hygieneanforderungen zu beachten: Die Gottesdienstbesucher müssen sich im Vorfeld anmelden und ihre Kontaktdaten angeben, es ist ein Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten und durchgehend ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen, außerdem wird auf das Singen verzichtet, auch im Freien.

Es zeichnet sich ab, dass wegen der Pandemie-Entwicklung manche Kirchengemeinden die Gottesdienste nach draußen verlegen oder über Weihnachten sogar ganz darauf verzichten. Dies ergab eine HNA-Umfrage unter evangelischen und katholischen Kirchenkreisen in Waldeck-Frankenberg.

Kirchenkreis Eder

„Sollte vor Ort kein Gottesdienst stattfinden, so haben sich diese Gemeinden ihre Entscheidung nicht leicht gemacht. Oft geschah die Absage auch aus Fürsorge gegenüber Gemeindegliedern und Ehrenamtlichen, die teils zur Risikogruppe gehören“, beschreibt Dekanin Petra Hegmann vom Evangelischen Kirchenkreis Eder. Bis Weihnachten könne und werde sich auch noch die eine oder andere Veränderung ergeben. Im Kirchenkreis Eder gibt es verschiedene Modelle, wie mit den Gottesdiensten umgegangen wird. Beispiele:

Dekanin Petra Hegmann, Evangelischer Kirchenkreis Eder

In Waldeck-Sachsenhausen finden keine Gottesdienste statt, dafür liegt eine Weihnachts-DVD in der Kirche im Adventskalender Törchen 24 bereit. Es wird ein Video-Gottesdienst unter Kirchengemeinde Waldeck auf der Homepage des Kirchenkreises Eder angeboten: kirchenkreis-eder.de. Für den 25. Dezember lädt die Kirchengemeinde zu Weihnachtsspaziergängen ein.

In Frankenberg gibt es an Heiligabend unter anderem ab 14 und 15.30 Uhr einen Familiengottesdienst mit Video-Krippenspiel in der Liebfrauenkirche, zu dem man sich im Vorfeld im Gemeindebüro anmelden muss.

Für alle, die nicht an den Gottesdiensten teilnehmen können und wollen, gibt es ein Angebot der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Unter ekkw.de findet sich ein digitaler Weihnachtsbegleiter mit der Weihnachtsgeschichte, mit Begegnung, Musik und Gottesdienst.

Dekanat Biedenkopf-Gladenbach

Auf ein umfangreiches mediales Angebot verweist auch das Evangelische Dekanat Biedenkopf-Gladenbach: „Wir werden über unserem YouTube-Kanal „Dekanat BiG“ und unsere Homepage Dekanat-BiG.de für die Gemeinden die Möglichkeit schaffen, ihre Videogottesdienste, -Andachten oder ähnliche Angebote zu Weihnachten online zu stellen, auch wenn sie selbst nicht im Internet bzw. auf den social-media-Kanälen präsent sind“, informiert Dekan Andreas Friedrich.

Dekan Andreas Friedrich, Evangelisches Dekanat Biedenkopf-Gladenbach

Die stellvertretende Dekanin Christina Ronzheimer ergänzt: „Wir lassen die Menschen nicht alleine. Wenn keine Gottesdienste gefeiert werden, heißt das nicht, dass wir im Urlaub sind.“ Sie betont die Wichtigkeit der Seelsorge: „Viele Pfarrerinnen und Pfarrer sind wie schon im Frühjahr fast den ganzen Tag per Telefon im Gespräch mit ihren Gemeindemitgliedern. Sie werden das auch über die Feiertage anbieten.“

Kirchenkreis Twiste-Eisenberg

Im Evangelischen Kirchenkreis Twiste-Eisenberg empfiehlt Dekanin Eva Brinke-Kriebel ihren Gemeinden, auf Gottesdienste am Heiligen Abend zu verzichten. Sie weist auf die vielen Alternativen hin. Das Weihnachtswunder könne man auch im kleinen Familienkreis zu Hause erleben, „und wir haben großes Verständnis dafür, wenn die besorgten Menschen an Heiligabend nicht in die Gottesdienste gehen“, sagt die Dekanin.

Dekanin Eva Brinke-Kriebel, Kirchenkreis Twiste-Eisenberg 

Gleichwohl möchte man aber auch als Kirche Präsenz zeigen und für die Menschen da sein. „Wem es wichtig ist, einen Gottesdienst zu besuchen, der soll dazu am ersten oder zweiten Feiertag die Gelegenheit dazu bekommen.“ Dann sei es nicht so voll wie am Heiligen Abend und die Gefahren einer Ansteckung seien deutlich geringer.

Es dürften zudem keine „Wanderbewegungen“ entstehen, appelliert die Dekanin an die Menschen: Sollte sich eine Gemeinde dazu entschließen, auf einen Gottesdienst zu Weihnachten zu verzichten, sollten die Bewohner des betroffenen Ortes nicht auf den Gottesdienst im Nachbarort ausweichen.

Die Dekanin spricht als Alternativen lokale Video-Gottesdienste und Audio-Andachten an, die unter anderem auf den Internetseiten der einzelnen Gemeinden und des Kirchenkreises Twiste-Eisenberg zu finden seien.

Pastoralverbund St. Georg-Lahn/Eder

Für den Katholischen Pastoralverbund St. Georg-Lahn/Eder verweist Pater Norbert Rasim von der Katholischen Pfarrei in Frankenberg auf den Gottesdienst an Heiligabend ab 17 Uhr im Innenhof des Landratsamtes in Frankenberg: „Die Anmeldeliste ist bereits geschlossen, 100 Personen sind angemeldet. Der Zugang wird durch Ordner kontrolliert und die Anmeldeliste überprüft. Die Hände werden am Eingang desinfiziert, ein Gesang findet nicht statt. Sitzgelegenheiten gibt es nicht vor Ort.“

Ein Appell gehe an die Gläubigen, man möge lieber zu Hause bleiben, falls man sich nicht wohl fühle oder auch Angst habe, in Veranstaltungen mit zu vielen Menschen zu sein.

Katholisches Dekanat Waldeck

Im Katholischen Dekanat Waldeck sind wegen der hohen Anmeldezahlen nur noch Plätze in einzelnen Gottesdiensten verfügbar. Wartelisten gibt es nicht. Gottesdienstbesucher, die angemeldet sind, sich aber auf Grund der aktuellen Lage nicht in die Kirche begeben wollen, werden gebeten, kurz im Pfarrbüro Bescheid zu geben.

Umfangreiche Absagen gibt es in Bad Arolsen. Die Katholische Kirchengemeinde St. Johannes Baptist hat aufgrund der weiterhin hohen Infektionszahlen im Stadtgebiet beschlossen, bis zum 3. Januar keine Gottesdienste mit Publikum mehr abzuhalten. Davon betroffen sind auch die Christmette, alle Weihnachtsgottesdienste und die Messe zum Jahresende. Sie werden nur noch gestreamt: Der Link findet sich im Internet unter kath-kirche-bad-arolsen.de  

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