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Vor 25 Jahren: Helmut Eichenlaub zum Waldeck-Frankenberger Landrat gewählt

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Von: Klaus Jungheim

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Euphorisch: Glücklich umarmte vor 25 Jahren Landratswahl-Gewinner Helmut Eichenlaub seine Ehefrau Claudia und seine Kinder Sarah und Frank nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses. Links im Hintergrund der frühere Gemündener und damalige Lauterbacher Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller – CDU-Parteikollege und ein persönlicher Freund des neuen Waldeck-Frankenberger Landrats. Eichenlaub hatte das Amt bis Ende 2009 inne. ArCHIV
Euphorisch: Glücklich umarmte vor 25 Jahren Landratswahl-Gewinner Helmut Eichenlaub seine Ehefrau Claudia und seine Kinder Sarah und Frank nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses. Links im Hintergrund der frühere Gemündener und damalige Lauterbacher Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller – CDU-Parteikollege und ein persönlicher Freund des neuen Waldeck-Frankenberger Landrats. Eichenlaub hatte das Amt bis Ende 2009 inne. © Klaus Jungheim (Archiv)

Helmut Eichenlaub, Ex-Landrat von Waldeck-Frankenberg, muss sich wohl bald wieder vor Gericht verantworten. Er stand aber auch schon vor 25 Jahren in den Schlagzeilen - bei seiner Wahl zum Landrat.

Waldeck-Frankenberg – Im Landkreis Waldeck-Frankenberg wurde am 12. Oktober 1997 ein neuer Landrat gewählt: Das Rennen machte Helmut Eichenlaub (42; CDU). Der damalige Frankenberger Bürgermeister erhielt bei der Wahl 54,6 Prozent der abgegebenen, gültigen Stimmen. Damit lag er deutlich vor SPD-Kandidat Herbert Diestelmann (47), der 42,5 Prozent erhielt. Der Außenseiter Herbert Schleiermacher (48; Partei der Arbeitslosen und Sozial Schwachen, PASS) kam auf 2,9 Prozent.

Als vor 25 Jahren an jenem Sonntag um 18.45 Uhr im Korbacher Kreishaus das erste Einzelergebnis einlief – es kam aus Gemünden –, deutete sich schon an, wohin die Reise gehen sollte: CDU-Kandidat Helmut Eichenlaub kam in der Wohrastadt auf 61,84 Prozent, SPD-Bewerber Herbert Diestelmann nur auf 36,59 Prozent.

Neue Verhandlung könnte 2023 beginnen

Das aktuelle Verfahren im Fall um den Waldeck-Frankenberger Ex-Landrat Helmut Eichenlaub ist einen Schritt weiter: Das Rechtshilfeverfahren mit der Schweiz ist abgeschlossen, die Kammer hat nach derzeitigem Stand eine Hauptverhandlung in der ersten Hälfte 2023 ins Auge gefasst.

„Helmut, Du kannst schon mal den Sekt aufmachen!“, rief der damalige Erste Kreisbeigeordnete Manfred Steiner (FWG) und schlug Eichenlaub auf die Schulter, nachdem aus weiteren Kommunen ähnlich deutliche Zahlen eintrafen. Der CDU-Bewerber winkte zunächst ab. Er wolle erst das Gesamtergebnis der Landratswahl abwarten.

Trauben von Menschen – Parteiangehörige und interessierte Bürger – drängten sich im Foyer des Kreishauses, wo die einlaufenden Ergebnisse auf eine Leinwand projiziert wurden. Auch ein großes Aufgebot von Journalisten war vor Ort: Vertreter von Zeitungen, Rundfunk und TV.

Wahlverlierer: Ein nachdenklicher Herbert Diestelmann, hier mit Ehefrau Renate und Sohn Leif. Der SPD-Bewerber musste am 12. Oktober 1997 eine herbe Niederlage einstecken.
Wahlverlierer: Ein nachdenklicher Herbert Diestelmann, hier mit Ehefrau Renate und Sohn Leif. Der SPD-Bewerber musste am 12. Oktober 1997 eine herbe Niederlage einstecken. © Klaus Jungheim (Archiv)

Großer Jubel bei der CDU, als Erster Kreisbeigeordneter Steiner gegen 19.40 Uhr das Ergebnis verkündete: Mit 54,6 Prozent erreichte Helmut Eichenlaub die absolute Mehrheit und wurde Nachfolger von Dr. Horst Bökemeier (SPD), der im Juli 1997 wegen parteiinterner Differenzen zurückgetreten war. Die Wahlbeteiligung lag mit 49 Prozent deutlich höher als bei der Landratswahl im Januar 1995 (42,5 Prozent).

Der strahlende Gewinner Helmut Eichenlaub umarmte zunächst seine Ehefrau Claudia und seine beiden Kinder, dann den einstigen Gemündener und damaligen Lauterbacher Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller – CDU-Parteikollege und persönlicher Freund des neuen Waldeck-Frankenberger Landrats.

Sichtlich enttäuscht war Wahlverlierer Herbert Diestelmann, seinerzeit amtierender Bürgermeister der Stadt Alsfeld (Vogelsbergkreis). Immer noch ein Lächeln zeigte hingegen Ehefrau Renate Diestelmann. Betretene Gesichter bei den Genossen. Ex-Landrat Dr. Bökemeier und Ehefrau Ursula verließen nach der Ergebnisbekanntgabe das Kreishaus. Etwas abseits vom Geschehen, aber lächelnd: PASS-Kandidat Schleiermacher – zu dem Anlass extra in Fliege und Sakko erschienen.

Eichenlaub nach Wahlsieg: Auf alle Fraktionen zugehen

Nach dem Wahlsieg betonte ein freudestrahlender Helmut Eichenlaub gegenüber der HNA, er habe es verstanden, während eines fairen Landratswahlkampfes seine Entwicklungsperspektiven für Waldeck-Frankenberg überzeugend herüberzubringen; das sei für seinen Erfolg ausschlaggebend gewesen.

Auf die Oppositionsrolle seiner Partei im Kreistag angesprochen, kündigte der neue Landrat an, er werde auf alle Fraktionen zugehen und das Gespräch mit ihnen suchen, um in der Sache strategische Allianzen zu entwickeln. Sein neues Amt wollte Helmut Eichenlaub aber erst im Januar 1998 antreten, „weil ich in Frankenberg noch einige Hausaufgaben zu erledigen habe“.

Zufrieden: Verschmitzt lächelte am Wahlabend PASS-Kandidat Herbert Schleiermacher (rechts). Immerhin stimmten 1835 Bürger für den selbst ernannten „Robin Hood der Arbeitslosen“. Links ein Unterstützer.
Zufrieden: Verschmitzt lächelte am Wahlabend PASS-Kandidat Herbert Schleiermacher (rechts). Immerhin stimmten 1835 Bürger für den selbst ernannten „Robin Hood der Arbeitslosen“. Links ein Unterstützer. © Klaus Jungheim (Archiv)

Wahlverlierer Herbert Diestelmann wünschte Waldeck-Frankenberg, dass alle Probleme, die während des Wahlkampfes eine Rolle gespielt haben, bewältigt werden. Er habe mit vollem Einsatz um die Stimmen der Wähler geworben und hätte sich mitunter von seinen Parteifreunden in manchen Bereichen eine stärkere Unterstützung gewünscht. Vielleicht wäre dann eine bessere Ernte eingefahren worden. Doch das Leben gehe weiter, er werde seine Arbeit als Bürgermeister in Alsfeld fortsetzen, informierte er.

Der damalige Landtagsabgeordnete, Kreistagsvorsitzende und SPD-Unterbezirksvorsitzende Karl-Heinz Dörrie sprach im Fahrwasser dieser Landratswahl von zwei bedenklichen Begleiterscheinungen: Bei einer Beteiligung unter 50 Prozent habe sich nur ein Viertel der Waldeck-Frankenberger Kreisbevölkerung hinter Eichenlaub gestellt. Und schwerwiegend sei es gewesen, dass jener von der Wirtschaft im Wahlkampf immens unterstützt worden sei, so Dörrie. Die SPD sei aber zur konstruktiven Zusammenarbeit mit dem neuen Landrat bereit.

Der Chef der SPD-Kreistagsfraktion, Jürgen Schröder, schrieb die Diestelmann-Niederlage dem Rücktritt von Dr. Horst Bökemeier als Landrat zu. Die Tatsache, dass jener nicht bereit gewesen sei, bis zur Bundestagswahl im Amt zu bleiben, habe die SPD den Sieg gekostet. Am Fortbestand der Kreiskoalition SPD/FWG/FDP zweifelte Schröder seinerzeit nicht.

Der dritte Landratskandidat, Herbert Schleiermacher von der Partei der Arbeitslosen und Sozial Schwachen, kündigte am Wahlabend des 12. Oktober 1997 als nächstes Ziel eine Kandidatur bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr an, „um der Regierung Kohl den verdienten und längst überfälligen Tritt in den Hintern zu geben“.

Vorgänger Dr. Horst Bökemeier war nach Streit zurückgetreten

Die Wahl eines neuen Waldeck-Frankenberger Landrats war vor 25 Jahren notwendig geworden, weil der bisherige Amtsinhaber Dr. Horst Bökemeier (62; SPD) im Juli 1997 nach parteiinternen Auseinandersetzungen zurückgetreten war.

Auslöser war nach der damaligen Kommunalwahl die Streitfrage gewesen, mit wem die SPD eine Koalition eingehen soll. Dr. Bökemeier als Verfechter einer Großen Koalition mit der CDU war bei einem Unterbezirksparteitag knapp gescheitert – und zog daraufhin die Konsequenzen.

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