HIV-Infektionsrate seit 2010 bundesweit ansteigend

Waldeck-Frankenberg: Aids wird oft zu spät diagnostiziert

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Ein sicheres Ergebnis erhält der Patient bei einem Vollbluttest sechs Wochen, bei einem Schnell und einem Selbsttest zwölf Wochen nach dem letzten Risikokontakt.

 „In Deutschland erkranken rund 1000 Menschen pro Jahr an Aids,“ sagt Barbara Passolt von der Aids-Hilfe Kassel, die auch für Waldeck-Frankenberg zuständig ist. Dabei sei Aids vermeidbar, bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung der HIV-Infektion.

„Die meisten Menschen erkranken, weil sie spät diagnostiziert werden und daher nicht rechtzeitig mit einer Therapie beginnen“. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) betreffen HIV-Spätdiagnosen vor allem ländliche Regionen.

Die Erfahrung des HIV-Schwerpunktarztes in Kassel, Klaus Herkersdorf, deckt sich mit den Angaben des RKI. „Ich beobachte das oft aus den Landkreisen um Kassel. Die Betroffenen kommen oft sehr spät, viele sind im Hochstadium von Aids, haben nur noch fünf Helferzellen – und das müsste nicht sein“, betont der Mediziner.

Dass Patienten sehr spät diagnostiziert würden, liege dabei gar nicht immer an ihnen selbst. Oft hätten sie mehrere Arztkontakte wegen Beschwerden gehabt – doch die Ärzte kämen nicht auf die Idee, einen HIV-Test zu machen. Deshalb bot die Aids-Hilfe Kassel mit dem Kreisgesundheitsamt eine Fortbildung für medizinisches Fachpersonal und andere Interessierte im Korbacher Kreishaus an, Titel „HIV erkennen – Aids vermeiden“. 

Basiswissen zu HIV mit einem Schwerpunkt auf Indikatorerkrankungen gehörte zum Kern von Herkersdorfs Vortrag. Auch stellte er verschiedene HIV-Testmöglichkeiten vor – und gab Anregungen zum diskriminierungsfreien Umgang in der Praxis. Besser vernetzt werden sollten auch die Kasseler Schwerpunktpraxen mit HIV-spezifischen Angeboten der Gesundheitsämter und der Aids-Hilfe. Doch kaum eine Handvoll Interessierter nahm das Angebot wahr.

„Die Infektionsrate ist wieder gestiegen, seit 2010 geht sie kontinuierlich nach oben“, stellte Herkersdorf fest. Weil HIV behandelbar sei, habe sich offensichtlich eine gewisse Nachlässigkeit eingeschlichen. Herkersdorf: „Stellt man die Diagnose früh, verläuft das Leben fast normal. HIV lässt sich inzwischen leichter behandeln als Diabetes.“ 

Hintergrund HIV

HIV steht für „Humans Immundefizienz-Virus (menschliches Abwehrschwäche-Virus), es schädigt vor allem das Immunsystem. Wird die Krankheit nicht behandelt, schreitet die Immunschwäche fort, es entstehen lebensbedrohliche Erkrankungen. Dann wird von Aids gesprochen, „Acquired Immune Deficiency Syndrome.“ 

Inzwischen gibt es Medikamente, mit denen das HIV-Virus im Körper unterdrückt werden kann, so dass Aids gar nicht erst ausbricht. HIV wird durch Körperflüssigkeiten übertragen. Ein Infektionsrisiko besteht nur, wenn Viren in ausreichender Menge in den Körper gelangen.

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