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Waldeck-Frankenberg: Frau beim Duschen mit Spionagekamera gefilmt

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Der Prozess am Amtsgericht Fritzlar.
Der Prozess am Amtsgericht Fritzlar. © Matthias Schuldt

Weil er eine Kamera an der Arbeit installiert und damit heimlich Kolleginnen gefilmt hatte, wurde ein 44-Jähriger Mann aus Waldeck-Frankenberg angeklagt. Jetzt ist das Urteil gefallen.

Waldeck-Frankenberg - „Es ist mir sehr peinlich, es tut mir sehr, sehr leid.“ Das sagte ein 44-jähriger Mann aus Waldeck-Frankenberg vor dem Amtsgericht Fritzlar, das ihn wegen Verletzung „des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen in zwei Fällen“ zu einer Geldstrafe verurteilte: 90 Tagessätze zu je zehn Euro. Außerdem muss er die Kosten des Verfahrens tragen.

Der bisher nicht vorbestrafte Mann war in Waldeck-Frankenberg mehrere Jahre Rettungssanitäter. Die Staatsanwaltschaft Kassel hatte ihm in der Anklage vorgeworfen, im Vorjahr im Umkleideraum einer Rettungswache eine sogenannte Spionagekamera installiert zu haben. Damit habe er zwei Personen während des Umkleidens aufgenommen.

Außerdem war ihm vorgeworfen worden, eine Spionagekamera – ausgerichtet auf die Damendusche der Rettungswache – in Betrieb genommen und eine Frau beim Duschen gefilmt zu haben, „um sich einen sexuellen Lustgewinn zu verschaffen“, wie es in der Anklage heißt.

„Es ist mir extrem peinlich, hier zu sitzen“, sagte der Angeklagte. Der habe seinen Beruf seit vielen Jahren mit Leidenschaft und Hingabe ausgeübt, betonte sein Verteidiger. Er sei auch in der Feuerwehr sehr aktiv. Er habe sich für sein Verhalten entschuldigt, und es tue ihm leid. Er sei bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten. Wegen des Geständnisses und der deutlichen Entschuldigung verzichtete das Gericht auf die Vernehmung von drei geladenen Zeugen.

Ob er sich keine Gedanken darüber gemacht habe, dass die Tat ein ungeheurer Vertrauensbruch sei, fragte die Staatsanwältin. Darüber habe er sich keine Gedanken gemacht, antwortete er. Heute sei ihm klar, „dass ich das nie hätte machen dürfen“. Auch wegen Corona sei ihm die Arbeitsbelastung „über den Kopf gewachsen“, und er habe mit einer Ärztin über eine Therapie gesprochen. Er habe seinen früheren Beruf an den Nagel gehängt, habe während der Oder-Flutkatastrophe Hilfe geleistet und sei dann Rettungssanitäter geworden. Sehr gern sei er mit Leidenschaft und Hingabe Rettungssanitäter, aber er sei in ein Loch gefallen, „meine Familie hat mich aufgefangen und gestützt“.

„Sie müssen eine Perspektive finden“, sagte Richterin Corinna Eichler dem Angeklagten. „Die habe ich“, antwortete er. Er habe die Chance, in einem anderen Landkreis wieder im Rettungsdienst tätig werden zu können.

Die Staatsanwältin sprach in ihrem Schlussvortrag von einem „Vertrauensmissbrauch erheblichen Ausmaßes“. Deshalb sei ihm auch gekündigt worden. Sie wies darauf hin, dass es für solch eine Straftat eine Freiheitstrafe von bis zu zwei Jahren geben könne. Der Beschuldigte sei geständig, reuig und schuldeinsichtig. Die Geldstrafe sei „das rechte Maß“. Zum Beschuldigten sagte sie am Ende: „Sie müssen aus Ihrem Loch wieder rauskommen. Es muss auch mal wieder gut sein.“ 

Von Manfred Schaake

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