Neustart mit vielen Auflagen – Einige verzichten trotz Lockerungen der Corona-Vorschriften

Waldeck-Frankenberg: Gaststätten dürfen ab Freitag wieder öffnen

+
Bei den Vorbereitungen: Michael Schäfer, Gastwirt im Waldecker Hof in Frankenau, wird sein Restaurant mit den geltenden Corona-Vorschriften ab Freitag wieder öffnen. 

Waldeck-Frankenberg – Nach den Lockerungen der Corona-Vorschriften dürfen Gaststätten in Hessen ab Freitag, 15. Mai,  wieder öffnen. Allerdings mit einer Begrenzung der Gästezahl, mit Hygieneauflagen, Mindestabständen und Kontaktbeschränkungen.

„Wir haben schon mal ausgemessen“, sagt Kornelia Boucsein vom Berghotel Waidmannsheil in Dodenau:„Wo wir früher 100 Personen bewirten konnten, kriegen wir jetzt nur noch 35 bis 40 unter.“ Klagen wolle sie aber nicht. „Wir sind sehr froh, dass wir den fast brach liegenden Hotelbereich wieder öffnen dürfen. Und wir sind extrem dankbar für alle, die in der Zwischenzeit unseren Abholservice genutzt haben. Es gab viele positive Rückmeldungen. Das hat uns in schweren Zeiten gutgetan.“

Michael Schäfer vomWaldecker Hof in Frankenau wird seinen Gaststättenbetrieb heute wieder aufmachen. Er will aber erst mal beobachten, wie sich die Gäste an die Vorgaben halten. „Wenn wir zuviel Ärger haben, mache ich wieder zu“, stellt der 59-Jährige klar.

Durch die Abstandsregeln könne er in seinem Saal, der normalerweise rund 120 Leute fasst, jetzt nur knapp 30 Personen bewirten. Der eigentliche Gastraum mit Theke sei derzeit für den Außer-Haus-Verkauf reserviert und könne deshalb gar nicht genutzt werden. „Die ganze Gemütlichkeit, die uns als kleine Kneipe ausmacht, geht völlig verloren“, beklagt Schäfer. „Das soll aber jetzt nicht so rüberkommen, als ob wir uns gegen Größenbeschränkungen oder Hygienemaßnahmen wenden“, betont der Frankenauer

Und ihm ist ein weiterer Aspekt wichtig: „Viele Leute denken, durch die Soforthilfe und Fördergelder der Bundesregierung wären die Gaststätten finanziell entlastet.“ Das müsse jedoch alles als Gewinn versteuert werden. Im Nachhinein werde zudem genau geprüft, ob überhaupt ein Anspruch bestanden habe, erläutert Michael Schäfer.

Der Hessische Hof in Frankenauhat sich gegen eine Wiederöffnung entschieden und wird bis auf Weiteres nur einen Abholservice anbieten. „Ich hatte mehrere schlaflose Nächte deswegen“, sagt Kathrin Schäfer mit Blick auf die Corona-Auflagen.

Sie und ihre Mutter Jutta Schäfer haben Bedenken, dass die Regeln nicht eingehalten werden. „Nach zwei, drei Bier, rücken die Gäste vielleicht doch zusammen“, befürchtet Jutta Schäfer. Sie könne sich auch nicht vorstellen, dass die Einheimischen Lust darauf hätten, unter den vorgegebenen Abstandsbeschränkungen und Hygieneauflagen „gemütlich zu essen“.

Sie will zunächst abwarten, wie sich die Wiederöffnung bei den anderen Betrieben insgesamt bewährt, und dann ihre Entscheidung überdenken. Keinesfalls solle jedoch der Eindruck erweckt werden – wie manchmal boshaft vermutet würde – sie hätten „wegen Reichtums“ geschlossen, betont die Wirtin. Dadurch, dass die Konfirmationen und viele andere Feiern weggefallen seien, hätten sie große Umsatzverluste erlitten.

„Ich hätte mir gewünscht, dass die Öffnung der Gastronomie erst zwei Wochen später erfolgt wäre, aber dann mit weiteren Lockerungen“, sagt Jutta Schäfer. Und ihre Tochter findet die unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern nicht gut.

Seine Stimmung sei nicht gut, berichtet Frank Krones vom Gasthaus Vöhl in der Frankenberger Fußgängerzone. „Die ganzen Auflagen machen keinen Spaß. „Ich muss sehen, wie es anläuft.“ Er befürchtet vor allem, dass die „ganze Geselligkeit“ leide. Stammtische und Gruppen können ja nicht kommen.“

Er habe eine kleinere Speisekarte, die er aber wie gewohnt ins Internet stelle. „Ich hoffe, dass die Stammgäste zum Mittagstisch zurückkommen“, sagt Krones.

Für Gerhard Pohl, den Geschäftsführer der Hotelbetriebsgesellschaft Battenberg (HBB), hat die Sicherheit für Mitarbeiter und Gäste höchste Priorität, sagt er. Die HBB betreibt das Alt-Battenberg in Battenbergsowiedie „Sonne“ und die Walkemühle in Frankenberg. Gäste sollten idealerweise schon vorab bei ihrer Online-Tischreservierung Name, Anschrift und Telefonnummer angeben, um im Notfall eine Infektionskette nachverfolgen zu können. Das Hotel „Die Sonne“ öffnet ab Montag, Walkemühle und Alt-Battenberg ab Himmelfahrt (21. Mai) – alle mit eingeschränkten Zeiten und Angeboten.

Bereits heute öffnet die Frankenberger Cocktailbar Geronimo. „Ab 17 Uhr“, sagte ein Mitarbeiter am Donnerstag auf Nachfrage.

„Ja, wir machen wieder auf. Aber schweren Herzens“, sagt auch Hartmut Ranze von der Biker-Pension Arnold in Dodenau. Während der Corona-Sperre sei sein „Schnitzel-Taxi“ sehr gut gelaufen. „Im Hotel hatten wir immer mehrere Monteure, das hat uns über Wasser gehalten“, blickt der Seniorchef zurück. „Aber was jetzt kommt, da wirst du doch verrückt.“

Wo er früher 80 Personen bewirtet habe, könne er jetzt maximal 21 unterbringen – verteilt auf vier Räume. „Dann kannst du zwei oder drei Leute abstellen, die nur die Namen und Adressen der Leute aufschreiben, auf den Abstand zwischen den Tischen und die Einhaltung der Hygieneverordnung achten.“ Ranze: „Wir haben stellenweise Gruppen von über 20 Mann, die muss ich dann zum Frühstück auf drei Räume verteilen, wenn mal kein schönes Wetter ist und die Leute nicht im Biergarten sitzen können. So stellt sich für mich die Frage, ob es überhaupt Sinn macht, unter diesen Voraussetzungen wieder aufzumachen.“

Hartmut Ranze malt sich aus: „Wenn dann abends noch ein Einheimischer kommt, der einfach nur seinen Schoppen trinken will, dann müsste ich den nach Hause schicken. Da ist doch der Ärger programmiert.“

Zwiespältig sieht auch Axel Sassor vom Hotel Sassor in Dodenau die Lage. Auch er wird ab heute neben dem Hotel auch sein Restaurant und die Gaststätte wieder öffnen. „Man müsste eigentlich sagen: Am besten nur mit Voranmeldung“, sagt Sassor. Doch das sei wenig praktikabel. „Ich fürchte, dass die Leute mir die Bude einrennen.“

In seinen Schankraum, wo sonst oft 40 Personen an Tischen und am Tresen sitzen, „kriege ich gerade mal vier Leute rein. Ich habe abgesperrt und markiert. Das sieht jetzt aus wie ein Sperrgebiet bei der Bundeswehr.“

„Ich kann alle verstehen, die jetzt skeptisch sind“, sagt Axel Sassor. Er dürfe keine Salzstreuer auf den Tischen stehen lassen, habe „Einbahnstraßen“ im Restaurant eingerichtet und müsse jeden Gast mit Namen und Adresse aufschreiben. Auf der anderen Seite fassten Kunden im Supermarkt Milchtüten an und stellten sie ins Kühlregal zurück. „Erklär’ das mal einem Gast“, sagt der Hotelier. Bei Verstößen gegen die Abstands- und Hygieneregeln sei er letztlich verantwortlich.

Axel Sassor hofft, dass es „Ende des Monats“ weitere Lockerungen für die Gastronomie gibt, wenn nun die Regeln eingehalten und ein weiterer Anstieg der Corona-Erkrankungen verhindert wird. „Wir können im Moment keine richtigen Gastgeber sein. Dazu gehört doch auch, dass der Chef mal an den Tisch kommt, dem Gast auf die Schulter haut und einen Ramazotti mit ihm trinkt.“

DAS SAGT DAS WIRTSCHAFTSMINISTERIUM

Ein Sprecher desWirtschaftsministeriums teilte auf HNA-Anfrage mit: „Die Lockerungen, die von vielen herbeigesehnt wurden, sind nur möglich, wenn die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Sonst besteht die Gefahr eines erneuten Anstiegs der Infektionen mit entsprechenden schweren Krankheitsverläufen.

Um auch für die Gaststätten Klarheit zu schaffen, haben wir rechtzeitig Auslegungshinweise veröffentlicht. In den Auslegungshinweisen heißt es: ‘Bei (...) dem Verzehr vor Ort (Innen- und Außenbereich) ist sicherzustellen, dass maximal eine Person je angefangener für den Publikumsverkehr zugänglicher Grundfläche von 5 Quadratmetern eingelassen wird, einMindestabstand von 1,5 Metern zwischen Personen, ausgenommen zwischen Angehörigen eines Hausstandes und evtl. des weiteren Hausstandes, eingehalten wird, (...)’ Anders ausgedrückt: Wenn die Gaststätte eine Grundfläche für den Publikumsverkehr von 100 Quadratmetern hat, dann dürfen dort ab dem 15. Mai wieder 20 Gäste bewirtet werden, unabhängig davon, ob diese alleine oder in einer Gruppe, also beispielsweise als eine Familie aus einem Hausstand kommen. Zwei befreundete Paare können sich natürlich dann gemeinsam an einem Restaurant-Tisch niederlassen.

 Zum Vergleich: Im Einzelhandel beträgt die nötige Verkaufsfläche pro Kunde 20 Quadratmeter.“ bs/jpa/off

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.