Norbert Panek: CO2-Speicherung von Altwäldern viel höher als in jungen Wäldern

Waldeck-Frankenberg: „Naturnahe Wälder puffern Extreme“

Intensiv bewirtschaftete Nadelbaumbestände fallen – seit Jahrzehnten sei klar, dass Fichte an Standorten gepflanzt wurde, auf denen sie nicht hingehört, sagt Norbert Panek. Nicht hinterfragt werden, was hektarweise geräumte Schadholzflächen ökologisch anrichten.
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Intensiv bewirtschaftete Nadelbaumbestände fallen – seit Jahrzehnten sei klar, dass Fichte an Standorten gepflanzt wurde, auf denen sie nicht hingehört, sagt Norbert Panek. Nicht hinterfragt werden, was hektarweise geräumte Schadholzflächen ökologisch anrichten.

Das Waldsterben reißt breite Risse auch durch die Wälder in Waldeck-Frankenberg. Während die einen die Schadholzgebiete kahlschlagen und aufforsten, mahnt der Waldschützer Norbert Panek zu mehr Augenmaß und nennt Gründe für die Schaffung naturnaher Wälder.

Korbach – Zu dem Bericht „Die Situation ist dramatisch“ vom Samstag, 3. April, meldet sich der Korbacher Norbert Panek zu Wort. Der Landschaftspfleger sowie maßgeblich Mitverantwortliche für die Ausweisung des Nationalparks Kellerwald-Edersee engagiert sich seit Jahren für den Schutz von Wäldern sowie für deren ökologisch orientierte Nutzung.

Von offizieller Forstseite werde häufig behauptet: Die CO2-Speicherungsleistung von Wäldern werde immer wichtiger, doch nicht bewirtschaftete Wälder würden die CO2-Belastung nicht senken, denn beim Zersetzungsprozess von Holz werde in großen Mengen CO2 freigesetzt. Weiter heiße es von forstwirtschaftlicher Seite, erst Holz als Bauholz oder andere Holzprodukte würden CO2 (Kohlenstoff) wirksam binden und erst durch „nachhaltige, intensive Beförsterung“ werde der Wald stabil gehalten. Waldbewirtschaftung stehe nicht im Widerspruch zum Klimaschutz.

„Wenn nur eine „nachhaltige, intensive Beförsterung“ einen „stabilen“ Wald erhält, dann frage ich mich, weshalb dann jetzt die intensiv bewirtschafteten Nadelbaumbestände reihenweise umfallen. Wir wissen seit Jahrzehnten, dass die Fichte deutschlandweit an Standorten gepflanzt wurde, auf denen sie nicht hingehört. Am Klimawandel allein kann es also nicht liegen“, unterstreicht Norbert Panek. Und was die hektarweise geräumten Schadholzflächen ökologisch anrichten, werde nicht hinterfragt.

„Fakt ist: Die weit verbreitete Annahme, dass natürliche, alte Wälder kohlenstoffneutral sind, ebenso Annahmen, dass die Biomasse, also der Kohlenstoffspeicher, in Naturwäldern nach Erreichen eines „Optimums“ wieder abnimmt, ist falsch und wird durch zahlreiche Studien belegt. Alte, über 200-jährige Wälder weisen nach diesen Studien immer noch eine positive Kohlenstoff-Bilanz auf, sowohl in der oberirdischen Biomasse wie auch im Boden. Die Kohlenstoffspeicherung in der Biomasse nimmt mit dem Baumalter zu und die Anreicherung, also Akkumulation von Kohlenstoff hält auch in späten Waldentwicklungsphasen noch“, unterstreicht der Landschaftspfleger.

Bei natürlicher Bestockung und vielfältiger, also heterogener Waldstruktur würden vorratsreiche Altwälder mit einem „Speicher“ von 200 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar andauernd als effektive Kohlenstoffsenken fungieren. Die Kohlenstoffspeicherung von solchen Altwäldern liege zwei bis fünfmal höher als in jungen Wäldern, verweist er auf Studien von unter anderem Mary L. Tyrell.

Im Vergleich zu stark bewirtschafteten Buchenwäldern würden Buchen-Naturwälder oder auch nur extensiv genutzte Waldbestände) mehr Kohlenstoff in der organischen Bodenauflage speichern. Eine Minimierung von mechanischen Störungen des Waldbodens Zum Beispiel durch Befahrung verbessere signifikant seine Kohlenstoff-Speicherfähigkeit. Kahlschläge führen zu einer signifikanten Reduzierung, also Freisetzung der Kohlenstoffvorräte im Mineralboden, betont Norbert Panek.

Kahlschläge unterbinden

Aus den Ausführungen würden sich einige klare Forderungen ergeben, um Wälder als Kohlenstoff-Speicher zu optimieren und damit dem Klimawandel zu begegnen, sagt der Waldschützer und Landschaftspfleger er Norbert Panek.

So seien Flächenräumungen im Schadholz sofort zu unterlassen, und eine „gesteuerte“ natürliche Sukzession zuzulassen. Heimische Laubbaumarten seien zu fördern. Zudem sollte dafür gesorgt werden, dass Holz als Vorratsbau in noch intakten Forstbeständen nachwachsen kann, also die Holzvorräte zu erhöhen durch weniger Holzeinschlag. Bestände sollten alt werden dürfen, Totholz erhalten werden. Kahlschlagähnliche Ernte- und Verjüngungsverfahren wie etwa Schirmschläge sollten unterbunden werden, hingegen seien Einzelstamm-orientierte Wertholzerzeugung zu fördern. „Statt Förderung nach dem „Gießkannenprinzip“ sollten Mittel zur gezielten Unterstützung von ökologisch- und klimaschutzangepassten Waldbauverfahren nach klar definierten Kriterien sowie zum Ausgleich von Nutzungsausfällen, etwa in der Umstellungsphasen, bereitgestellt werden“, unterstreicht Norbert Panek.    red

Waldstabilität sei nicht von einer „intensiven Beförsterung“ abhängig, sondern in erster Linie von der Naturnähe der Waldbestockung. Eine Erhöhung der Kohlenstoff Senkenstärke werde nicht durch Intensivierung der Waldnutzung erreicht. Eine zunehmende Nutzungsintensivierung des Waldes und Reduzierung der Biomasse würden hingegen deutlich die Anpassung an klimatische Extreme einschränken. Hingegen können naturnahe Strukturen und biomassenreiche Wälder Temperaturextreme besser abpuffern.

Außerdem betont der Landschaftsplaner, dass die Verweildauer von Kohlenstoff in sich zersetzendem Totholz bei Stammholz bis knapp 70 Jahre betragen könne, bei Nadelholz 45 bis 150 Jahre. Bei Holzprodukten betrage die durchschnittliche Verweildauer hingegen lediglich zehn bis 20 Jahre. „Derzeit überwiegen bei weitem kurzlebige Holzprodukte, die keinen signifikanten Beitrag zur Bindung von Kohlenstoff leisten“, sagt Norbert Panek. red

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