Prozess startet nach ärztlicher Untersuchung neu

Angeklagter bestreitet Brandstiftung in Dorfitter

Einsatzkräfte der Feuerwehr vor dem Mietshaus in Dorfitter, in dem am 16. januar 2020 höchstwahrscheinlich Feuer gelegt wurde.
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„Das hätte ein Inferno geben können“, sagt der Brandermittler über das Feuer in Dorfitter – doch die Wehren bekamen es schnell in den Griff. Wegen Ruß waren weite Teile des Gebäudes derweil lange unbewohnbar.

Der Prozess um den mutmaßlichen Brandstifter von Dorfitter am Korbacher Amtsgericht ist wieder aufgenommen worden. Bereits im Juli hatte eine Verhandlung begonnen, musste aber ausgesetzt werden.

Dorfitter/Korbach – Der 21-jährige Eritreer war für mehrere Wochen in einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie untergebracht worden, um ihn fachärztlich zu begutachten.

Am 16. Januar waren in einem Mietshaus im Vöhler Ortsteil zwei Feuer entdeckt worden: Eines in der Waschküche, eines im Zimmer des jungen Mannes. In dieses war ohne Schlüssel kaum zu gelangen, er selbst war nicht anzutreffen, fiel der Polizei schon vorher auf und hatte am Morgen noch einen Streit mit anderen Bewohnern: Das alles ließ die Polizei vermuten, dass er die Feuer gelegt hatte. Er bestreitet die Tat wie schon zum Prozessauftakt.

Im Streit war es darum gegangen, dass der junge Mann nachts Klopfgeräusche vernahm und seinen Nachbarn vorwarf, ihn zu stören. Einer davon beteuerte als Zeuge, selbst nichts gehört zu haben – akustische Halluzinationen wie Klopfen und Stimmen sind der Grund, aus dem der Angeklagte derzeit in Haina untersucht wird.

Der Vermieter war zum Streit hinzugekommen: Seine Worte „Wenn du dich nicht benehmen kannst, musst du ausziehen“ verstand der junge Mann als Aufforderung zu verschwinden. Beim ersten Anlauf des Prozesses war der Eindruck entstanden, der Angeklagte hätte zum Abschluss des Streits eine vage Drohung ausgesprochen – bei der erneuten Vernehmung klärte sich das als Übersetzungsproblem auf: „Du wirst schon sehen“ und „Wir sehen uns“ liegen nah bei einander, erklärte die Übersetzerin des Zeugen.

Anklagen mit fünf weiteren Tatkomplexen werden in der Verhandlung zusammengeführt: So soll der 21-Jährige in einem Korbacher Lokal einem anderen Gast mit einer Flasche eine fünf Zentimeter lange Platzwunde zugefügt haben. Er gestand, ein Schaufenster eines Fahrradgeschäfts in Korbach eingeworfen zu haben – aber nicht, um etwas zu stehlen, sondern rein aus psychischen Druck. Der Schaden sei schwierig zu beziffern, liege aber im Bereich von 3500 bis 5000 Euro, so der Inhaber.

Beleidigungen der Mitarbeiter der JVA Wiesbaden räumte er weitgehend ein – dort saß er nach seiner Festnahme in Untersuchungshaft, wehrte sich gegen die Kameraüberwachung und sprach davon, dass jemand ihm dieses Handeln befehle.

Er gestand auch, in Kassel ein Parfüm im Wert von 92 Euro gestohlen zu haben, sowie 16 Schwarzfahrten mit der Bahn – er habe Arbeit gesucht, aber kein Geld gehabt, sagte er. Zwei der Fahrten decken sich derweil mit dem Diebstahl, hatte der Staatsanwalt festgestellt. „Das ist nicht, was ich unter Jobsuche verstehe“, kommentiere Richterin Kanold. Der Prozess geht Mittwoch weiter.   (Wilhelm Figge)

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