Bei bundesweitem Wettbewerb

Bad Wildungen für naturnahe Pflege seiner Grünflächen ausgezeichnet

Pflanzen einer Wildblumenwiese im Frühherbst in Nahaufnahme.
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Wildwiesen erfüllen viele ökologische Funktionen. Sie spielen im Pflegekonzept der Stadt Bad Wildungen für Grünflächen darum eine wachsende Rolle.

Rang 5 von 15 teilnehmenden deutschen Kommunen und „eine Silbermedaille mit Goldrand“, vermeldet Hans-Jürgen Kramer vom Bauamt als Ergebnis aus dem Wettbewerb „Stadtgrün naturnah“.

Bad Wildungen – Die Medaille spiegelt Anerkennung wider für die Wildunger Bemühungen um Erhalt und Förderung der Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren auf städtischen Grünflächen. Die Stadtverwaltung und der Wildunger Arbeitskreis Naturschutz arbeiteten dazugehörige Konzepte aus, die vom Parlament größtenteils beschlossen wurden.

Die Stadt kehrt damit im Kampf gegen eines der großen Umweltprobleme vor der eigenen Haustür: das Artensterben, das in Deutschland aktuell besonders mit Blick auf die Insektenwelt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit drängt.

Viel lässt sich tun in Form einer veränderten Pflege der Parks und Grünstreifen. „Seltenes Mähen statt regelmäßigen Mulchens der Wiesen zum Beispiel“, erklärt Bürgermeister Ralf Gutheil. Denn eine besonders artenreiche Flora und Fauna bieten so genannte „Magerrasen“. Wie der Name ahnen lässt, kennzeichnet ein begrenztes Nährstoffangebot diese Flächen. Viele Wiesenblumen und -kräuter habe sich darauf spezialisiert und im Gefolge Insekten und andere Kleinlebewesen, die von ihnen leben. „Mulche ich, dann wirkt das auf Dauer wie Düngen“, setzt Gutheil hinzu. Der Boden „verfettet“, die Hungerkünstler und die von ihnen geprägten Lebensräume verschwinden zu Gunsten arten-eintöniger Grasteppiche.

Nur einmal im Jahr zu mähen und die Mahd abzufahren wirkt dem entgegen. Das geschieht obendrein spät im Sommer, im Juli/August, weil die Pflanzen dann genug Zeit haben, Samen auszubilden. Überlebenswichtig: Denn bei den meisten Arten auf Magerrasenflächen handelt es sich um einjährige Pflanzen, die den Winter nur in Gestalt von Samen der nächsten Generation überdauern.

Weitere Beispiele: das Anpflanzen von Sträuchern, am besten einheimischen, die vielen Tierarten Nahrung und Unterkunft bieten. Oder das Stehen- und Liegenlassen von Totholz, das Kinderstube für viele Klein- und Kleinstlebewesen darstellt.

Verbunden ist all das mit einem Werben bei Bevölkerung und Gästen um ein neues Verständnis von im Wortsinn „natürlicher“ Schönheit. Denn, was heute landläufig als „schön gepflegte“ öffentliche Grünanlage gilt, macht ungezählten Tier- und Pflanzenarten den Garaus.

„Natürlich müssen wir behutsam vorgehen. Auf der Brunnenallee gelten andere Maßstäbe als für Verkehrsinseln oder auf weiten Flächen der beiden Kurparks“, gesteht Hans-Jürgen Kramer zu.

Die Stadt möchte mit einer anderen Pflege zugleich Vorbild für Privatgärten geben, wo jede und jeder einzelne seinen Beitrag zum Erhalt der Vielfalt leisten kann. Von Zwang halten Kramer und Gutheil hier aber nichts. „Darum hat Bad Wildungen auch keine Baumschutzsatzung“, ergänzt Kramer.

Die Silbermedaille aus „Stadtgrün naturnah“ gilt bis 2023. „Vielleicht schaffen wir dann Gold. Ein lohnendes Ziel“, meint Kramer. (Matthias Schuldt)

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