Medikamente, Geld und 40 Kilo Kleidung im Gepäck

Waldecker engagieren sich für Obdachlose in Simbabwe

Am Suppentopf: Die Waldecker helfen bei den Vorbereitungen für die Verköstigung von Obdachlosen.

Drei Waldecker reisten nach Simbabwe, spendeten an Hilfsbedürftige und engagierten sich für Obdachlose. 

Waldeck – Simbabwe ist eines der ärmsten Länder Welt, Hunger, Arbeitslosigkeit und Energieknappheit sind weit verbreitet. Waltraud Jäckel-Podell, die in Waldeck aufgewachsen ist und heute in Berlin lebt, war über 20 Jahre Entwicklungshelferin in diesem Land im südlichen Afrika. Das ist viele Jahre her. Im Februar reiste sie mit ihrem Bruder Michael und Schwägerin Heike wieder in die Republik und verteilte Hilfsgüter.

Freunde spendeten Kleidung und Geld

Im Vorfeld rührte das Waldecker Ehepaar im Freundeskreis die Werbetrommel. So kamen 40 Kilogramm Kinderkleidung und Bargeld zusammen. „Wir haben insgesamt 700 Euro getauscht und gespendet“, berichtet Heike Jäckel. Im Gepäck waren auch Medikamente, die in Deutschland gekauft oder von ihrer Hausärztin gespendet wurden. „Die Medikamente hat eine Krankenschwester bekommen, die Menschen hilft, die kein Geld für den Arzt haben.“

Spontan erwarb die Waldeckerin vor Ort noch eine manuelle Nähmaschine für 100 Euro. „Freunde meiner Schwägerin arbeiten in einem Projekt im Krisengebiet Chimanimani, wo der Zyklon Ida schwer gewütet hat und die Menschen noch heute in Zelten leben. Diese Nähmaschine wird für das Nähen von Sanitary-Pads benötigt, da Hygiene-Artikel nicht bezahlbar für diese Menschen sind und man dies nur in größeren Städten kaufen kann.“

Am Rande einer Hungersnot

Erschüttert waren die Waldecker von der Versorgungslage. „Durch den trockenen Sommer ist der Mais nicht gewachsen, und die Menschen sind am Rande einer Hungersnot“, sagt Heike Jäckel. Maismehl wird zur Herstellung von Satza verwendet, das ist das Hauptnahrungsmittel. Spenden würden häufig von korrupten Regierungsanhängern unterschlagen, hat die 47-Jährige erfahren. 

Willkommene Unterstützung: An dieser manuellen Nähmaschine werden Hygieneartikel für Krisengebiete genäht.   Fotos: Jäckel/pr

„Treibstoff ist nur selten zu bekommen. Die Menschen stehen teilweise zwei Tage an der Tankstelle an, um ihr Auto zu tanken.“ Das habe zur Folge, dass der Gütertransfer teilweise zum Erliegen kommt. Tagsüber gibt es häufig keinen Strom. Handwerker müssen ihre Arbeitszeit in die Nacht verlegen, wo Strom zuverlässiger fließt. 

Die Duschen haben kaltes Wasser, das Trinkwasser in einigen Städten sei nicht genießbar. Dort müssten Einheimische Trinkwasser kaufen, um zu überleben. Familien, die es sich leisten können, lassen sich einen Brunnen bohren. Was zur Folge habe, dass der Grundwasserspiegel sinke.

Kontakt zur Feuerwehr

Michael Jäckel (51), ein Berufsfeuerwehrmann, suchte den Kontakt zur Feuerwehr und war erschüttert über die spärliche Ausrüstung. An Ideen, den Menschen vor Ort zu helfen, mangele es nicht, berichten die Waldecker. Sie haben auf ihrer 2500 Kilometer langen Tour mit einem Auto das Land kennengelernt mit Sehenswürdigkeiten wie Viktoriafälle, Nationalpark und uralte Steinbauten, aber auch Einblicke in das Leben von Menschen in Großstädten, auf dem Land und in den Townships gewonnen, wo die Ärmsten der Armen leben. 

In der Suppenküche von Mutare

Mutare – die mit rund 188 000 Einwohnern viertgrößte Stadt in Simbabwe – war ein Schwerpunkt der Tour. Dort lebte Waltraud Jäckel-Podell in ihrer Zeit als Entwicklungshelferin. Sie bildete Krankenschwestern aus und hat noch viele Kontakte. 

Die Tochter einer früheren Kollegin lud die Gäste aus Deutschland zu einem Besuch in der Kirchengemeinde in Mutare ein. Dort halfen die Waldecker tatkräftig bei der Zubereitung des Suppentopfs. 74 Obdachlose wurden mit Satza verköstigt – ein nahrhaftes Gericht mit Maismehl, Weißkohl und Bohnen. Afrikanische Lieder und Tänze umrahmten den Tag. 

Die Waldecker verteilten mitgebrachte Kleidung. Ein Erlebnis hat sie besonders aufgewühlt. „Ein zwölf Jahre altes Mädchen hatte ihre Mutter verloren und lebte allein auf der Straße, denn Kinderheime nehmen nur jüngere Kinder auf“, berichtet Heike Jäckel. 

Das Mädchen durfte auf dem kirchlichen Anwesen duschen, wusch ihre Kleidung und zog sie nass wieder an, weil es nichts anderes besaß. Dieses Waisenkind neu einzukleiden und zu beschenken war für die Waldeckerin ein besonders bewegender Augenblick. „Das erdet einen sehr. Es ist einfach schön, wenn man etwas tun kann, und die Hilfe auch genau da ankommt, wo sie gebraucht wird.“ 

Kurz vor dem Weltgebetstag am 6. März, der sich um Simbabwe drehte, kehrten die Waldecker wieder nach Hause zurück. In Mutare haben sie Herzen berührt: „Wir danken Gott für unsere Freunde in Deutschland. Halleluja!!!“ schreibt die Kirchengemeinde via Facebook.

Quelle: Waldeckische Landeszeitung

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