In manchen Fächern stößt digitales Lernen an Grenzen

Mittelpunktschule Sachsenhausen: Beim Schulunterricht zu Hause ist Kreativität gefragt

Unterricht zu Hause: Sofia Mourao Silva und ihre Schulkameraden meistern diese Herausforderung mit Hilfe ihrer Eltern und Lehrer und haben inzwischen Erfahrungen gesammelt bei den digitalen Lernmethoden. Foto: MPS/pr

Schulunterricht zu Hause – das ist eine Herausforderung für Schüler, Eltern und Lehrer.

Sachsenhausen –Ihre Erfahrungen mit dem digitalen Lernen in Corona-Zeiten schildern Nermin Akkus, Schulleiterin der Mittelpunktschule Sachsenhausen (MPS), Brigitte Trietsch, Stellvertretende Schulleiterin und pädagogische Leiterin der Grundschule, und einige Eltern gegenüber der WLZ.

Unerwartet kam die Schulschließung nicht. „Wir haben damit gerechnet, dass es auch in Hessen dazu kommen könnte“, erklärte Akkus. Bereits am 11. März, drei Tage vor der offiziellen Bekanntgabe der Schulschließung, überlegten Schulleitung und Personalrat Szenarien, damit die Schüler mit praktizierbaren Lerninhalten versorgt werden können.

Lernerfolg und Lerntempo sind kontrollierbar

Eltern wurden aufgefordert, ihre E-Mail-Adressen mitzuteilen, und in der Grundschule stellten die Lehrer ein Selbstlernheft für die Schüler zusammen. Somit war die Schule gut vorbereitet, als die Schulschließungen offiziell verkündet wurden, sagt Akkus. Da fast alle Schüler ihre Materialien bereits hatten sei ein Ansturm auf die Schule ausgeblieben. Mit Hilfe der Lernplattform „Anton“ können die Schüler der Klassen Eins bis Zehn online in den meisten Fächern intensiv üben. Akkus: „Der Lernerfolg und das Lerntempo sind damit jederzeit vom Lehrer kontrollierbar.“

Die Lehrer erledigen ihre unterschiedlichen Aufgaben teilweise in der Schule, sind aber auch zeitweilig im Homeoffice. Auch von dort aus begleiten sie die Lernfortschritte der Schüler und sind für Rückfragen erreichbar, betont die Schulleiterin.

Bezug und Kontakt fehlen

Die neue Lern- und Kommunikationsplattform Schulcloud für die Sekundarstufe 1 ermögliche den direkten Austausch miteinander, das sei bei Fragen und weiteren Informationen wichtig und mache den Griff zum USB-Stick überflüssig. In der Grundschule sind in allen Klassen Mailgruppen eingerichtet. So stehen die Lehrer mit der gesamten Klasse, aber auch mit einzelnen Eltern in Verbindung.

„Der Bezug und enge Kontakt zu ihren Schülern fehlt uns Lehrern sehr“, beklagt Nermin Akkus. Zudem komme es häufiger zu Netzwerkproblemen und einer Überlastung des Internets. „Aus den Rückmeldungen der Eltern wissen die Lehrer, dass nicht alle Grundschulkinder die Situation gleich gut akzeptieren. Hier ist die Kreativität der Eltern gefordert.“

Zudem stehen nicht in allen Familien PCs oder Drucker zur Verfügung, ergänzt Trietsch. Nicht allen Eltern sei der Umgang beim Arbeiten mit PC oder das Installieren der Lernsoftware geläufig. „So haben die Kinder plötzlich ganz unterschiedliche Lern- und Arbeitsvoraussetzungen in einem ganz neuen Bereich, nämlich dem digitalen Arbeiten.“

Bei Werken, Sport, Musik an Grenzen

Eine weitere Schwierigkeit seien Fächer wie Sport, Werken, Musik. „Es fehlt hier der Raum, in dem man sich bewegt, mit anderen spielt und der Umgang mit verschiedenen Materialien, wie zum Beispiel Holz. Diese Erfahrungen können mit nichts auf der Welt ersetzt werden.“

Ein Problem für die Schüler der Abschlussklassen ist die Unsicherheit, ob und wie die schriftlichen Prüfungen stattfinden können. Die Abschlussfahrten nach Berlin und Amsterdam sind abgesagt. Einen positiven Aspekt kann die Schulleitung der neuen Situation abgewinnen: „Für viele Eltern ist diese Zeit auch spannend und führt zu neuen Erkenntnissen wie: So arbeitet mein Kind? So verhält es sich bei Schwierigkeiten? Aber auch toll, was mein Kind alles alleine kann!“ Unterstützung und Austausch mit Eltern und Erziehungsberechtigten, die sich in dieser schwierigen Gesamtsituation sehr kooperativ zeigten, klappen laut Akkus sehr gut. 

Münzen für Spiele als Ansporn

Schüler und Eltern mussten sich komplett umstellen. „Bei den Hausaufgaben läuft es ganz gut“ erzählt Gabriela Silva aus Sachsenhausen von ihren Erfahrungen. Ihre Tochter Sofia besucht die Klasse 4b der Grundschule. Silva: „Die Klassenlehrerin bereitet alles sehr gut vor mit einem Arbeitsplan für jede Woche mit den entsprechenden Aufgaben. Und falls wir Fragen dazu haben, können wir jederzeit mit ihr in Kontakt treten.“ 

Sofia hat sich bei der Lernplattform „Anton“ angemeldet, bei der ihre Lehrerin für jedes Kind individuell die Hausarbeiten zusammenstellt. Silva: „Falls ein Kind in einem Lernbereich Probleme hat, bekommt es die entsprechenden Aufgaben dazu markiert. Die Lehrerin kann online ersehen, welche Aufgaben die Kinder bereits erarbeitet haben.“ 

Auch die Motivation soll dabei nicht zu kurz kommen: „Falls die Kinder richtig geantwortet haben, bekommen sie Münzen zum Sammeln, die sie später für Spiele benutzen können.“ 

Schulalltag zu Hause beginnt um 8 Uhr

Für die siebenjährige Sementha Enns aus Sachsenhausen aus der ersten Klasse der Grundschule beginnt der Schulalltag zu Hause wie gewohnt um acht Uhr. „Das hilft den Kindern einfach die Struktur beizubehalten und die Situation zu verstehen. 

Pausen werden genau so gemacht und Snacks gibt es dann dazu“, erklärt ihre Mutter Rufina Enns. Wochenaufgaben seien sehr gut strukturiert und durchdacht: „Die Lehrer geben sich sehr viel Mühe, damit alles super gut bei uns und unseren Kindern ankommt."

VON JÖRG SCHÜTTLER

Quelle: Waldeckische Landeszeitung

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