Coronavirus in Hessen

Corona: Reha-Kliniken in Hessen dürfen bislang nicht helfen - SPD fordert Einbeziehung in Akut-System

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Vielfach kompetent: Reha-Kliniken könnten in der Corona-Krise auch Akut-Betten einrichten.

Das Gesundheitsministerium in Hessen könnte während der Corona-Krise Akut-Betten in Reha-Kliniken ausweisen lassen. Bislang geschieht das nicht.

  • Das hessische Gesundheitsministerium bezieht die Reha-Kliniken trotz Corona-Krise nicht in die Akut-Versorgung ein
  • Nachbarland Niedersachsen hat 22 Reha-Kliniken vorübergehend zu Akut-Krankenhäusern erklärt
  • Diese Kliniken nehmen jetzt Krankenhauspatienten auf
  • Die hessische SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Daniela Sommer fordert, dem Beispiel zu folgen

Bad Wildungen – Im neuen „Covid 19-Krankenhausentlastungsgesetz“ eröffnet der Bund den Ländern diesen Weg ausdrücklich. Die heimische SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Daniela Sommer fordert, diese Chance zu nutzen und weist darauf hin, dass sich Reha-Kliniken öffentlich dazu bereit erklärt hätten – auch zur Aufnahme von Covid 19-Patienten

Niedersachsen geht den Weg seit dem 25. März und hat 22 Reha-Kliniken vorübergehend zu Krankenhäusern erklärt, mit insgesamt 2000 Betten.

Die betreffenden Einrichtungen übernehmen beispielsweise gewöhnliche Patienten aus bestehenden Krankenhäusern, sodass die regulären Akut-Kliniken größere Kapazitäten für die Behandlung von Covid 19-Erkrankten frei haben. Die ausgewählten Reha-Kliniken machen höhere Ausgleichszahlungen aus dem Topf des Krankenhaus-Rettungsschirms geltend.

Corona in Hessen: Existenzen der Reha-Einrichtungen in der Krise nicht gesichert

Denn Krankenhäuser erhalten aktuell 560 Euro täglich pro Bett, das wegen der Corona-Vorgaben nicht belegt wird. Weiteres Geld für erhöhten Aufwand kommt hinzu.

Reha-Kliniken bekommen dagegen auf Basis des Vorjahresdurchschnitts im günstigen Fall 75 Prozent und anderenfalls nur 60 Prozent der Monatszahlungen als Ausgleich. Aus Sicht vieler Beteiligter im Rehazentrum Bad Wildungen/Reinhardshausen ist das zu wenig, um die Existenz der Einrichtungen in der Krise zu sichern.

Niedersachsen hat zudem vor wenigen Tagen wegen etlicher Covid 19-Erkrankungen und Todesfälle einen Aufnahmestopp über Pflegeheime verhängt. Frisch Pflegebedürftige, die nach einer Krankenhausbehandlung wegen der Sperre kein Heim finden, könnten ebenfalls in Akut-Betten von Reha-Kliniken wechseln.

Corona in Hessen: Online-Petition um stationäre Rehabilitation zu unterstützen

Die WLZ-Redaktion hat beim hessischen Gesundheitsministerium angefragt, ob es dem niedersächsischen Beispiel folgt und Reha-Kliniken auf Zeit die zusätzliche Rolle zuweist. Die Antwort steht noch aus.

Die Reinhardshäuser Klinikmitarbeiterin Sveda Krause hat eine Online-Petition gestartet, mit der sie größere Unterstützung für die stationäre Rehabilitation einfordert. Mehrere Hundert Menschen haben unterzeichnet. Krause sucht weitere Gleichgesinnte.

Die Wildunger Asklepios-Geschäftsführerin Katrin Kern äußert sich unterdessen grundsätzlich erleichtert, dass Reha-Kliniken nach Protesten überhaupt ins Rettungsschirm-Gesetz aufgenommen wurden. Sie ist für die Stadtklinik sowie die Reha-Kliniken Fürstenhof und Helenenheim verantwortlich.

Corona in Hessen: Befristeter Bürokratie-Abbau

Kern verweist zudem auf einen befristeten Bürokratie-Abbau zugunsten der Rehabilitation:

Im Normalfall darf ein Patient erst nach schriftlichem Antragsverfahren und Genehmigung durch seine Krankenkasse eine Reha nach dem Krankenhausaufenthalt antreten. Bis einschließlich 30. April sollen Krankenhäuser in der Corona-Krise ihre Patienten nun direkt in die stationäre Reha überleiten. Das empfiehlt der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkasse (GKV) gemeinsam mit den Verbänden der Krankenkassen auf Bundesebene. Bei der Deutschen Rentenversicherung Bund als Reha-Kostenträgerin gilt dieses unbürokratischere Verfahren seit Jahren.

Von Matthias Schuldt

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Quelle: Waldeckische Landeszeitung

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