Bioland-Bauern wagen Vorstoß

Erzeugergemeinschaft soll Schlachthof in Waldeck-Frankenberg betreiben

Werben für einen regionalen Schlachthof: (von links) Horst Meyer (Dehringhausen) und Reinhard Nagel (Nieder-Waroldern) von der Bioland-Gruppe Korbach.
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Werben für einen regionalen Schlachthof: (von links) Horst Meyer (Dehringhausen) und Reinhard Nagel (Nieder-Waroldern) von der Bioland-Gruppe Korbach.

Vielen Bauern in Waldeck-Frankenberg bleibt nichts anderes übrig, als ihre Tiere über weite Strecken transportieren zu lassen. Die Bioland-Regionalgruppe Korbach fordert daher, die Schlachtkapazitäten im Landkreis auszubauen.

Warum sollte das, was mit der Upländer Bauernmolkerei bei der Milch funktioniert hat, nicht auch für Fleisch aus der Region funktionieren? Die Bioland-Regionalgruppe Korbach hat da eine Idee: Einen regionalen Schlachthof, der von einer Erzeugergemeinschaft betrieben wird. Mitmachen sollen ausdrücklich auch konventionelle Landwirte.

Fleischskandale, schlechte Arbeitsbedingungen in Schlachtbetrieben, Tiertransporte quer durch Europa: Immer wieder produziert die Branche negative Schlagzeilen. Die heimischen Bio-Bauern fordern deshalb nicht nur ein Umdenken, sondern Taten: „Die Zeit ist reif für kurze Schlachttiertransporte“, sagt Horst Meyer (Dehringhausen), Sprecher der Bioland-Regionalgruppe Korbach.

Tiere müssen derzeit über weite Strecken transportiert werden

„Wir haben zurzeit eine große Nachfrage nach Bio-Rindfleisch in Deutschland, was sehr positiv ist, doch wir sind gezwungen, unsere Tiere über weite Strecken transportieren zu lassen“, erläutert Meyer. Die bereits weggebrochenen und unzureichenden Schlachtkapazitäten im Landkreis drängten konventionelle und Bio-Landwirte zu immer mehr Lebendtiertransporten. „Auch die konventionellen Kollegen haben überhaupt keine andere Möglichkeit“, sagt Bioland-Bauer Reinhard Nagel (Nieder-Waroldern).

Viele Metzger hätten das Schlachten aufgrund hoher bürokratischer Auflagen und des hohen Preisdrucks aufgegeben, so Meyer: „Wir fordern, die Schlachtstrukturen auszubauen und nach aktuellsten Gesichtspunkten der Wissenschaft in Sachen Tierschutz und Hygiene zu modernisieren, gegebenenfalls auch durch eine Neuinvestition an einem anderen Standort.“ Das käme allen tierhaltenden Betrieben in der Region zugute, sagt der Sprecher der Bioland-Regionalgruppe.

„Wir Landwirte sind bereit, Mitverantwortung zu übernehmen, fordern aber auch die Politik und alle beteiligten Akteure auf, uns bei diesem Anliegen zu unterstützen und unsere gemeinsamen Forderungen umzusetzen“, sagt Meyer, „denn davon profitieren alle: die Tiere, die Landwirte, die Metzger und die Verbraucher.“

Logo kennzeichnet Fleisch aus der Region

Die Idee: Die Mitglieder der bäuerlichen Erzeugergemeinschaft bringen ihre schlachtreifen Tiere zum gemeinsam betriebenen Schlachthof. Die Anfahrt ist aus Tierschutzgründen möglichst kurz. Die Tiere werden tierschutzgerecht geschlachtet und direkt zu Fleischteilen und Endprodukten wie Wurst verarbeitet. „Auch die Mitarbeiter müssen anständig bezahlt werden“, sagt Nagel. Mit einem Logo werden die Produkte als Fleisch aus der Region gekennzeichnet und vermarktet.

Ein ähnliches Projekt, wie es die Bioland-Gruppe Korbach plant, ist 2001 schon in Schwäbisch Hall (Baden-Württemberg) Realität geworden: Eine Erzeugergemeinschaft hat einen ehemals kommunalen Schlachthof erworben, um eine drohende Schließung abzuwenden. 

Die Anlage wurde saniert und modernisiert. Heute schlachten dort die Mitgliedsbetriebe der Erzeugergemeinschaft selbst sowie einige Metzger aus der Region. In einer angeschlossenen Wurstmanufaktur wird ein Teil des Fleisches direkt verarbeitet. Dieses Modell können sich die knapp 100 Mitglieder der Bioland-Gruppe Korbach aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg und dem Kreis Kassel auch für die Region vorstellen.

In einem nächsten Schritt wollen die Bioland-Bauern jetzt alle Akteure an einen Tisch bringen: „Landwirte, Viehhändler, Metzger, Ankäufer und Politiker“, listet Reinhard Nagel auf. 

Quelle: Waldeckische Landeszeitung

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