Kapazitäten im Landkreis am Limit

Wohin mit dem Bauschutt? Unternehmen plant Recycling-Anlage in Korbach

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Die Baufirma Pieper will eine Recycling-Anlage für Baustoffe vor den Toren Korbachs errichten. Schon jetzt lagert das Unternehmen Bauschutt auf dem Gelände. 

Wegen seiner Pläne für eine Recycling-Anlage ist das Korbacher Bauunternehmen Hugo Pieper in der Stadtverordnetenversammlung in die Kritik geraten (wir berichteten). Jetzt äußert sich Geschäftsführerin Dagmar Pieper.

Auf einem rund 1,8 Hektar großen Gelände vor den Toren Korbachs sollen mehrere Lagerflächen und eine Fläche für Zerkleinerungsanlage entstehen. Außerdem ist eine neue Unterstellhalle für Baumaschinen geplant. Ein schwieriges Unterfangen: „Die Planung einer solchen Anlage verfolgen wir schon seit 15 Jahren“, sagt Dagmar Pieper.

Im Frühjahr 2016 lagen die Pläne erstmals öffentlich aus. Wegen zahlreicher Stellungnahmen, die dabei eingegangen waren, zog sich das Verfahren aber unerwartet in die Länge. Bereits für das Projekt in Anwartschaft gekaufte Ökopunkte, um den Eingriff in die Landschaft auszugleichen, verfielen wieder. „Wir mussten erst wieder neue Ökopunkte kaufen“, erklärt Pieper. Das Projekt ruhte so lange, in diesem Jahr wagt das Unternehmen einen neuen Vorstoß.

Der Hintergrund des Projekts: Bauschutt muss gemäß Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) vorrangig der Vorbereitung zur Wiederverwendung oder dem Recycling zugeführt werden. Doch die Entsorgung der Bau- und Abbruchabfälle treibt Bauunternehmen wie auch privaten Bauherren zunehmend Schweißperlen auf die Stirn. Ulrich Mütze, Obermeister der Waldeck-Frankenberger Bauhandwerks-Innung erläutert: Grundsätzlich seien Deponieflächen im Landkreis knapp. „Wir weichen teilweise bis nach Thüringen aus“, sagt Mütze. Ähnlich sehe es bei Recyclingplätzen für Bauschuttmaterial aus. Der Aufwand für die Genehmigung und den Betrieb eines solchen Platzes sei hoch und koste viel Geld. „Und anschließend stellt sich oft die Frage: Wer nimmt uns das recycelte Material ab? Die Akzeptanz bei den Auftraggebern ist schwierig.“

Dass es kaum Recycling-Kapazitäten für Baumaterialien in Waldeck-Frankenberg gibt, bestätigt Dagmar Pieper: „Wir müssen den Bauschutt bis nach Wabern, Kassel oder sogar an die holländische Grenze bringen. Das belastet die Umwelt mehr, als wenn wir das Material vor Ort in Korbach verarbeiten“, sagt die Bauunternehmerin.

„Bei den zu bearbeitenden Baustoffen handelt es sich eigentlich um ‘Abfall’ der öffentlichen Hand oder unserer Auftraggeber, den wir im Rahmen einer Ausschreibung ‘geschenkt’ bekommen – nur wohin damit?“, fragt Dagmar Pieper. „Wir möchten Ressourcen schon und keine Materialien entsorgen, sondern dem Kreislauf wieder zu führen. Aber niemand sagt uns wo. Eigentlich sollte man unser Vorhaben unterstützen und nicht torpedieren“, so die Korbacher Bauunternehmerin.

Quelle: Waldeckische Landeszeitung

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