Überleben in der Coronakrise

Korbacher Friseurin: „Mein Lebenswerk steht auf dem Spiel“

25.03.2020, Australien, Brisbane: Lachlan Demarchelier (r), Friseur und Geschäftsinhaber, färbt in seinem Friseursalon die Haare einer Kundin. Ein Haarschnitt in weniger als 30 Minuten - gegen diese Vorgabe der australischen Regierung im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus hat sich die Friseurbranche gewehrt. Heute (26.03.2020) kündigte Premierminister Morrison an, dass das zwei Tage zuvor verhängte Zeitlimit mit sofortiger Wirkung gekippt werde. Foto: Dan Peled/AAP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Mit Schutzmasken haben Friseure bis vor einigen Tagen noch gearbeitet. Nun sind alle Salons geschlossen.

Seit vergangenem Montag darf wegen Corona auch in Friseursalons nicht mehr gearbeitet werden. Was das bedeutet, erklärt Clarissa Grün, Inhaberin des Salons „Gold Cut“ in Korbach.

  • Die Coronakrise legt das öffentliche Leben in Nordhessen lahm
  • Seit Montag, 23. März, müssen wegen des Coronavirus Friseure geschlossen bleiben
  • Clarissa Grün, Inhaberin des Salons "Gold Cut" in Korbach sorgt sich um die Zukunft ihres Geschäfts

Vor allem die finanziellen Folgen der Coronakrise sind für die Inhaber von Friseursalons noch nicht absehbar. Einen Monat komme man in jedem Fall über die Runden, sagt Clarissa Grün, Inhaberin des Salons "Gold Cut" in Korbach. „Aber zwei oder drei?“

Wie die laufenden Kosten, beispielsweise die Miete, in der Coronakrise bezahlt werden könnten, müsse sie sehen. Für ihre Mitarbeiter – insgesamt ist das Team in Korbach zu fünft – werde sie für den kommenden Monat wohl Kurzarbeit beantragen müssen.

Coronakrise: Friseursalon in Korbach bangt um Zukunft

Sie habe eine gute Steuerberaterin, sagt Grün. Die mache sich sozusagen stündlich über Neuerungen schlau, dennoch hat Grün Sorgen vor der Zukunft. „Mein Lebenswerk steht auf dem Spiel“, sagt die Friseurmeisterin aus Korbach.

Aber sie weiß auch: „Die ganze Welt steht derzeit still, nicht nur ich bin betroffen.“ Wenn die Regierung wolle, dass die Wirtschaft nach der Coronakrise wieder laufe, werde sie für entsprechende Unterstützung sorgen.

Clarissa Grün, Inhaberin von Gold Cut in Korbach

Eine erste Hilfe kann Clarissa Grün aus Korbach für ihre Kollegen jetzt mit dem Kurzarbeitergeld beantragen. Hätte sie bereits vor der Verfügung geschlossen, freiwillig, hätte sie vermutlich diese Möglichkeit nicht gehabt. Es wurde also noch gearbeitet, als die Corona-Erkrankung längst zur Pandemie geworden war.

Coronakrise: Vorsichtsmaßnahmen um Beschäftigte und Kunden zu schützen

„Wir hatten die bestmöglichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen.“ Immer wieder sei desinfiziert worden, maximal zwei Kollegen und Kunden seien gleichzeitig im Salon in Korbach gewesen, um Abstand halten zu können. Gearbeitet wurde „mit Sorge und Respekt vor der Situation“.

Die Kunden seien durchaus unterschiedlich mit der Situation umgegangen: Die einen hätten wegen einer leichten Erkältung ihren Termin vorsichtshalber abgesagt, die nächsten hätten ihn aus Respekt vor der Gesundheit der Mitarbeiter im Salon nicht wahrgenommen und wiederum andere seien gern gekommen.

Wann der Salon Gold Cut in Korbach wieder öffnen kann, ist ungewiss. „Mit zwei Wochen Schließung wird es nicht getan sein“, vermutet Grün. Und selbst, wenn wieder geöffnet wird: Sie rechnet durchaus mit Einschränkungen in der Zukunft.

Friseure in der Coronakrise: Friseur-Innung rät von Schwarzarbeit ab

Es habe einen Sicherheitsabstand zwischen den Plätzen gegeben, es sei desinfiziert worden, dennoch war ein „ausreichender Sicherheitsabstand zum Kunden kaum möglich gewesen“, sagt Henrik Westmeier, Obermeister der Friseur-Innung im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Einige Geschäfte hätten bereits vor der Verfügung wegen der Coronakrise ihre Arbeit eingestellt.

Schwarzarbeit sei in der Branche immer schon ein Thema, doch gerade jetzt rate er davon ab, so etwas in Anspruch zu nehmen, so Westmeier. Auch mobile Friseure dürften derzeit nicht arbeiten.

Das sagt der Verband zur Coronakrise: Ob die Hilfen ausreichen, wird sich zeigen

Kay-Uwe Liebau, Landesinnungsmeister und Vorstandsvorsitzende des Landesinnungsverbands Friseurhandwerk Hessen, blickt optimistisch auf das Handwerk insgesamt: „Das geht weiter, das funktioniert.“ Dennoch habe es schon immer „ein Kommen und Gehen gegeben, das wird auch nach dieser Krise so sein“, sagt er mit Blick auf die Coronakrise

Ob die zugesagten Hilfen von Land und Bund ausreichten, müsse man in jedem einzelnen Salon sehen. „Was genau in den Betrieben tatsächlich ankommt, wissen wir noch nicht“, sagt er.

Die Kunden würden „verantwortungsbewusst und mit einem Quäntchen Humor“ mit der Situation umgehen. Sie würden wiederkommen.

Räuber bedroht Frauen in Friseurladen mit einem Messer - mit der Reaktion hat er nicht gerechnet.

Coronavirus und die Folgen für Friseursalons: „Die Situation ist unhaltbar“.

Die Friseure dürfen am Montag (04.05.2020) wieder öffnen. Doch es gelten strenge Corona-Auflagen für Friseure, was auch für höhere Preise sorgt.

* die HNA ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Quelle: Waldeckische Landeszeitung

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