Lebensraum für 165 Vogelarten

Aus Kiesbaggerteich entstanden: Naturschutzgebiet Krautwiese am Giflitzer Wesebach

Einzigartig: Kreisweit steht nur im Naturschutzgebiet „Krautwiese am Wesebach“ Schilf im Wasser.
+
Einzigartig: Kreisweit steht nur im Naturschutzgebiet „Krautwiese am Wesebach“ Schilf im Wasser.

Edertal – Das Naturschutzgebiet „Krautwiese" in Giflitz bietet zahlreichen Arten wertvollen Lebensraum.

Wüsste man nicht, dass das Naturschutzgebiet (NSG) „Krautwiese am Wesebach“ bei Giflitz als Kiesbaggerteich entstanden ist, käme man nicht auf die Idee, dass es seine Entstehung einem Landschaftseingriff verdankt. So natürlich wirkt das Gebiet auf Besucher.

Inseln und Flachwasserbereiche

Der besondere Charakter des NSG hängt mit seiner Entstehungsgeschichte zusammen. Vor seiner Ausweisung war es von 1990 bis 2002 Regenerationsgebiet nach dem Hessischen Naturschutzgesetz. So konnte die Teichlandschaft bereits während des Kiesabbaus als künftiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen gestaltet werden. Alle Teiche wurden miteinander verbunden, sodass ein Austausch der in den Teilbereichen lebenden Tiere möglich ist.

Die Ufer wurden buchtenreich und flach angelegt. Vier Inseln unterschiedlicher Höhe lockern die Wasserfläche auf und schaffen zusätzliche Uferzonen. Eine flache Insel wird bei hohen Wasserständen überflutet und damit unerwünschter Gehölzaufwuchs vermieden. Der südöstliche Gebietsteil – durch einen Gehölzriegel vom übrigen Gebiet getrennt – wurde als Flachwasserteich gestaltet und mit Schilf bepflanzt.

Schilf aus Hofgeismar gewonnen

Dieses wurde an den Kelzer Teichen bei Hofgeismar gewonnen, da es sich nicht ohne weiteres von selbst ansiedelt. Es handelt sich um die einzige Fläche im Kreisgebiet, auf der Schilf im Wasser steht. Einen solchen Lebensraum benötigt der seltene Drosselrohrsänger, der hier schon nachgewiesen wurde.

An den flachen Uferbereichen können häufig Störche, Grau- und Nilgänse beobachtet werden.

In den letzten Jahren hat die Bedeutung der „Krautwiese“ für eine arten- und individuenreiche Vogelwelt deutlich zugenommen. Bisher wurden 165 Vogelarten nachgewiesen, davon 40 als Brutvögel, zum Beispiel Hauben- und Zwergtaucher, Höckerschwan, Grau- und Nilgans sowie Teich- und Blässhuhn. Im Schilfgebiet brüten regelmäßig Rohrammer und Teichrohrsänger.

Überwinterungs- und Rastgebiet für Wasservogelarten

Eine wichtige Bedeutung hat die „Krautwiese“ auch als Überwinterungs- und Rastgebiet verschiedener Wasservogelarten wie Gänsesäger, Reiherenten, Krickenten, Pfeifenten und Schnatterenten.

Der in der Nähe brütende Eisvogel jagt hier nach kleinen Fischchen. Die besondere ornithologische Wertigkeit des Gebietes wird auch dadurch deutlich, dass hier alle fünf bisher in Waldeck-Frankenberg nachgewiesenen Reiherarten nachgewiesen wurden, neben dem heimischen Graureiher sind dies Purpurreiher, Silberreiher, Seidenreiher und Nachtreiher.

Neuerdings auch Fraßspuren von Bibern festzustellen

Eine herausragende Bedeutung hat die „Krautwiese“ auch als Schlafplatz für verschieden Vogelarten, darunter Stare, Wacholderdrosseln, Hohltauben und in jüngster Zeit auch für Silberreiher. Nach der Flugrichtung zu urteilen, nutzen auch Hohltauben, die im Nationalpark brüten, den Schlafplatz.

Andere Artengruppen bereichern die Vielfalt des Gebietes: Unter den Amphibien sind das Wasserfrösche, Laubfrösche und Erdkröten sowie Teich- und Bergmolche. Insbesondere für die Laubfrösche wurde 2019 ein Flachwasserteich geschaffen. Die Reptilien sind mit Ringelnatter und Zauneidechse vertreten. Bisher wurden 19 Libellenarten nachgewiesen, und am Ufer findet man Schalen der Teichmuschel. Neuerdings sind auch Fraßspuren von Bibern festzustellen.

Storchennest und Starenhaus

Zum NSG gehört auch eine magere Mähwiese, deren bunte Blühaspekte sich im Laufe von Frühling und Sommer wandeln. Am Rand wurde auf einem ehemaligen Strommasten ein zusätzliches Nistangebot für die Edertaler Störche -- sozusagen als Reserve – geschaffen. Und ein Starenhaus mit 24 Plätzen wurde aufgestellt.

Tipps für Besucher an der Krautwiese

Besuchertipps: Vom Storchennest entlang des Eder-Radwegs bis zur Schoof-Eiche sind es etwa 300 Meter. Dort zweigt linkerhand ein Pfädchen ab zu einer Beobachtungswand, die einen guten Blick auf die „Krautwiese“ bietet. Ein paar Schritte weiter auf dem Radweg in Richtung Mehlen biegt man auf einen Feldweg links ab. Nach 100 Metern führt links am NSG-Schild ein Pfad in das Gebiet. Im Schutz eines Erlensaums blickt man durch eine kleine Lücke auf das Gewässer und die flache Insel, wo gern Wasser- und Watvögel (Limikolen) rasten. Von Wolfgang Lübcke

Artenreicher Lebensraum: Vögel wie die Rohrammer sind an den Teichen anzutreffen.
An den flachen Uferbereichen können häufig Störche, Grau- und Nilgänse beobachtet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.