Der Weg vom Kautschukballen zum fertigen Pneu

So entsteht ein Reifen: Blick ins Reifenwerk von Continental in Korbach

In der Reifenbaumaschine werden die einzelnen Vorprodukte zu einem Reifenrohling zusammengebaut.
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In der Reifenbaumaschine werden die einzelnen Vorprodukte zu einem Reifenrohling zusammengebaut.

Ob mit Auto, Rad, Flugzeug oder Zug: die Menschen sind viel und ständig unterwegs. In unserer Herbstserie „Mobilität“ berichten wir über alle Facetten rund um dieses Thema. Heute geht es um das Reifenwerk in Korbach.

  • Autoreifen bestehen aus vielen verschiedenen Materialien, darunter Naturkautschuk, synthetischer Kautschuk, Öle, Harze und Chemikalien. 
  • Zunächst in einzelnen Schichten, werden die Materialien durchs Vulkanisieren untrennbar miteinander verbunden. 
  • Im Korbacher Reifenwerk von Continental werden jeden Tag Tausende Reifen hergestellt.

Korbach – Vom Rad zum Reifen: Ohne luftgefüllte Reifen wäre das Auto immer noch eine motorisierte Kutsche. Obwohl die schwarzen Pneus von außen eher unscheinbar wirken, ist ihre Herstellung ein hoch komplizierter Prozess.

„Reifen herzustellen, ist ein bisschen wie Kuchen backen“, sagt Uwe Caspar, Leiter der Endinspektion im Korbacher Reifenwerk von Continental. Am Anfang der Produktion steht eine Art Teig, und am Ende spucken glühend heiße Backöfen frische Rundstücke aus.

Wie in der Bäckerei sieht es im Mischsaal trotzdem nicht aus. Gummigeruch hängt in der Luft und es dröhnt. Große Maschinen kneten die zähe Kautschukmasse ordentlich durch, fügen die übrigen Zutaten hinzu und werfen ausgewalzte Bänder aus – die „Mischungsfelle“, die erst abkühlen müssen. Proben des Materials werden per Rohrpost verschickt. Erst wenn die Prüfung grünes Licht gibt, dürfen die Felle weiterverarbeitet werden.

Autoreifen bestehen aus Kautschuk, Chemikalien und anderen Materialien

Autoreifen bestehen aus vielen verschiedenen Materialien, darunter natürlicher und künstlicher Kautschuk, Öle, Harze, Ruß und Chemikalien. Sie entscheiden über Haltbarkeit, Rollwiderstand, Abrieb und guten Grip auf schlechten Straßen. 80 000 Tonnen Rohmaterialien werden im Mischsaal jährlich verarbeitet. Das genaue Rezept der Continental-Backmischung: geheim.

Bis der fertige Reifen in der Endkontrolle landet, hat er verschiedene Fertigungsstufen durchlaufen. Die Reifenherstellung ist ein komplizierter Prozess.

Das fertige Fell aus dem Mischsaal wird anschließend durch den sogenannten Extruder geschickt, eine Spritzmaschine, die den Reifenteilen ihre gewünschte Form gibt. „Das funktioniert wie bei der Teigspritze beim Plätzchenbacken“, sagt Caspar. Hier werden die Laufstreifen und Seitenwände hergestellt.

In einem Kalander wird die luftdichte Innenschicht ausgewalzt. Aus Stahldraht und Kautschuk entsteht ein Stahlkern, der später dafür verantwortlich ist, dass der Reifen gut auf den Felgen sitzt. Schließlich werden in Maschinen noch Stahlcord – ineinander verdrehte Stahldrähte in einer Gummilage – und Textilcord zugeschnitten.

Reifenbaumaschine setzt alle Einzelteile zu einem Reifenrohling zusammen

Jetzt kann der eigentliche Reifenbau beginnen. Alle Einzelteile werden mit Reifenbaumaschinen zu einem Reifenrohling zusammengebaut. Zuerst wird aus dem Kern, der Innenschicht, der Seitenwand sowie mehreren Gewebelagen die Karkasse hergestellt. Dann folgt das Gürtelpaket mit Stahlcord, Spulbandage und Laufstreifen. Im letzten Schritt werden Karkasse und Gürtelpaket zusammengefügt.

Ein fertiger Reifen kommt aus der Heizpresse: Bei 170 Grad und unter großem Druck wird er vulkanisiert.

Erst im nächsten und letzten Schritt der Fertigung wird aus dem glatten und steifen Ring aus schwarzen Kautschuklagen ein elastischer Reifen mit Höhen und Tiefen. Möglich macht das die Vulkanisation: Über das Vorprodukt wird in einer Presse ein Zylinder gestülpt. Von innen presst ein Heizbalg gegen den Rohling. Von außen bekommt der Reifen bei einem bestimmten Druck sein Profil aufgedrückt. „Wie der Kuchen in seiner Backform“, sagt Caspar. Bei durchschnittlich 170 Grad wird in zehn bis 15 Minuten der fertige Reifen gebacken.

Zum Schluss geht es in die Endinspektion. Mitarbeiter sichten den Reifen auf Fehler, Maschinen führen noch verschiedene Messungen durch, prüfen den Reifen beispielsweise auf Rundlauf. Dann ist er fertig für den Versand.

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