Anklage: Männer betrieben professionell eine Plantage

Waldeck: Ein ganzes Haus voller Cannabis

Weil sie zwischen April und Oktober 2019 Cannabis-Pflanzen in größerer Menge in einem eigens dafür gemieteten Haus in Waldeck-Niederwerbe angebaut hatten, stehen vier Männer seit dieser Woche vor der 10. Strafkammer des Landgerichts Kassel.

Den 23-, 24-, 27- und 50-jährigen Angeklagten, ein Kroate und drei Serben, wird vorgeworfen, die illegalen Betäubungsmittel bandenmäßig produziert und geplant zu haben, den Wirkstoff aus fast 1000 Pflanzen landes- und europaweit zu verkaufen.

Wie professionell sie dabei vorgingen, beschrieb Oberstaatsanwalt Lohr als Anklagevertreter. Auf mehreren Etagen des Hauses am Edersee standen die Cannabis- oder Hanfpflanzen in verschiedenen Stadien der Reife. Für ihr Vorhaben waren die Männer bestens ausgerüstet, hatten viel Geld in Technik investiert und unter anderem auch eine Erntemaschine gekauft.

Den für die umfangreiche Plantage notwendigen Strom für Licht, Befeuchtung, etc. hatten sie von der Hauptleitung vor dem offiziellen Stromzähler abgezweigt. „Es wurde richtig Geld ausgegeben“, sagte Lohr. Insgesamt hätte das Cannabis mit einem Gesamt-Wirkstoffgehalt von 2,4 Kilo THC einen Wert von 250 000 bis 260 000 Euro im Straßenverkauf gehabt und für 160 000 Konsumeinheiten gereicht. „Das geht über eine nicht geringe Menge um das 325-fache hinaus“, betonte der Staatsanwalt. Eigens für die Ernte der reifen Pflanzen habe man noch zwei Helfer aus Serbien eingeflogen, so die Anklage.

Dass die Ermittlungsbehörden die Plantage vor der Ernte finden und die Pflanzen sicherstellen sowie die Angeklagten festnehmen konnten, ist einem anonymen Brief aus Serbien zu verdanken. Der zuständige Beamte der Polizeidirektion Kassel schilderte dem Gericht als Zeuge, dass in dem Brief auf ein „Haus am See“ hingewiesen wurde, in dem Cannabis angebaut werde.

Eine dort genannte Handynummer und ein Name sowie der Einsatz von moderner Überwachungstechnik führte die Polizei schließlich auf die richtige Spur. Am 15. Oktober 2019 wurden drei der vier Männer vor dem Haus festgenommen und das Haus von Beamten des SEK gestürmt. Dort fand man die Plantage.

Vier Angeklagte, vier Verteidiger, vier Dolmetscher, dazu das Gericht und Besucher: Unter Corona-Bedingungen waren die notwendigen räumlichen Abstände in den üblichen Sälen des Kasseler Landgerichts nicht realisierbar. Deshalb fand die Verhandlung im großen Saal des Philipp-Scheidemann-Hauses in der Nordstadt statt. Dafür waren besondere Sicherheitsvorkehrungen notwendig: viele Polizeibeamte vor Ort, alle Angeklagten mit Fußketten. Die Angeklagten sitzen zurzeit in Untersuchungshaft in Kassel, Gießen und Fulda und wurden von dort zum Gericht gebracht.

Die Verhandlung vor dem Kasseler Landgericht wird fortgesetzt.

VON ULRIKE LANGE-MICHAEL

Quelle: Waldeckische Landeszeitung

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: Pixabay/Herbal Hemp

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