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Waldeck-Frankenbergs Kreisbrandinspektor warnt vor gefährlichen Teelichtöfen

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Von: Marcus Althaus

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Trend im Internet: Aktuell werden Teelichtöfen als Heizquelle für die Wohnung beworben. Doch die Feuerwehren warnen.
Trend im Internet: Aktuell werden Teelichtöfen als Heizquelle für die Wohnung beworben. Doch die Feuerwehren warnen. © Patrick Pleul/DPA

Durch die Energiekrise sind sie zum Trend geworden: In den Sozialen Medien kursieren Anleitungen zum Selbstbau wärmespendender Kombinationen aus Teelichtern und Terrakottatöpfen. Doch was online als günstige Heizalternative angepriesen wird, steht zunehmend in der Kritik.

Waldeck-Frankenberg – Zwar lassen sich die Materialien für Teelichtöfen einfach und für wenig Geld zusammenbauen. Die Wärmeleistung ist im Vergleich zu einer herkömmlichen Heizung aber sehr gering. Davon ausgehend, das eine Heizleistung von 100 Watt je Quadratmeter Wohnraum nötig ist, kann ein solcher Teelichtofen in etwa Wärme für zwei Quadratmeter abgeben. Um eine Wohnung zu beheizen, ist ein Teelichtofen nutzlos. Doch der fehlende Nutzen ist das weitaus geringere Problem, wie auch der Waldeck-Frankenberger Kreisbrandinspektor Gerhard Biederbick weiß: „Die Gefahr eines Wachsbrandes, wenn mehrere Teelichter nahe beieinander stehen, ist sehr hoch.“

Das Tückische ist laut Biederbick, dass sich die Alu-Schälchen mit dem Paraffin enorm aufheizen, bis bei 250 Grad der Siedepunkt des Wachses erreicht ist und die Flammen der einzelnen Teelichter sich zu einem immer größer werdenden Feuer vereinen. „Nach kurzer Zeit gibt es einen Flächenbrand, den man den unscheinbar wirkenden Teelichtern nicht zugetraut hätte. Das brennende Öl lässt sich kaum noch löschen – nicht mit Luft und erst Recht nicht mit Wasser, da es aufgrund der enormen Hitze sofort verdampft.“ Gemeinsam mit dem Dampf spritzt brennender Wachs umher, der eine hohe Verletzungsgefahr mit sich bringt oder dafür sorgen kann, dass das Feuer auf umherliegende Gegenstände übergreift. Gelöscht werden kann das Feuer nur mit einem Feuerlöscher. Teelichter sollten nach Hersteller-Angaben immer mindestens drei Zentimeter Abstand zueinander haben – besser mehr. Große Mengen an Teelichtern bergen außerdem die Gefahr einer CO-Vergiftung.

„Bisher gab es in Waldeck-Frankenberg noch keine Brände, die auf die Verwendung von Teelichtöfen zurückzuführen ist. Damit das so bleibt, ist vom Gebrauch selbst gebauter Heizquellen dringend abzuraten“, so Biederbick.

Finger weg von Teelichtöfen

„Finger weg von Teelichtöfen“, heißt auch die deutliche Botschaft von Schornsteinfegern. Auch die Nutzung von Heizlüftern oder anderen Alternativen sollten wohl überlegt sein.

„Teelichter und Blumentopf werden zweckentfremdet und sind keinesfalls als Heizersatz in Innenräumen geeignet“, warnt auch der Bundesverband der Schornsteinfeger. „Letztendlich handelt es sich bei einem Teelichtofen schon um eine kleine Feuerstätte, ohne geregelte Luftzufuhr und ohne Sicherheitsvorrichtung. Das sind jedoch wichtige Faktoren für sicheres Heizen“, hebt der Verband hervor. „Die brennenden Teelichter verbrauchen Sauerstoff und geben Verbrennungsrückstände wie Ruß oder Feinstaub an die Umgebung ab. Nach einiger Zeit herrscht spürbar dicke Luft im Raum.“

Gefahr durch Kohlenmonoxid

Die Feuerwehren geben zudem zu bedenken: „Bei dieser Zweckentfremdung von Kerzen sei die Gefahr groß, dass sich das geruchs- und farblose Atemgift Kohlenmonoxid in der Wohnung ausbreitet.“

Eine weitere Gefahr lauert beim Zerspringen der Tontöpfe, wenn sie die Wärmeenergie nicht mehr aufnehmen können. Derart heiße Tonteile können ebenfalls zu Verletzungen und zu Bränden führen.

Warnung vor weiteren Wärme-Experimenten

Auch andere Geräte, wie Gas-Heizstrahler, Campingkocher, Grills und Feuerschalen, die eigentlich für draußen gedacht sind, sollten nicht als Wärmequelle in der Wohnung zweckentfremdet werden. Zu groß sind die Gefahren für Leben und Eigentum.

Selbst bei Heizlüftern sollten immer die Herstellerangaben beachtet werden. Bei gasbetriebenen Geräten müsse auf eine ausreichende Sauerstoffzufuhr geachtet werden. Bei elektrisch betriebenen Lüftern sei laut Landesfeuerwehrverband auf das CE-Kennzeichen zu achten. Diese Geräte schalten sich von selbst ab. In beiden Fällen dürfen keine Gegenstände über die Lüfter gehängt oder Wäsche in unmittelbarer Nähe platziert werden. „Diese kann Feuer fangen und die ganze Wohnung steht schnell in Brand“, warnt Landesfeuerwehr-Präsident Norbert Fischer.

Zu viele Heizlüfter können lokales Stromnetz überlasten

Da Heizlüfter im vergangenen Sommer bereits stark nachgefragt waren, sind nun lokale Stromnetzüberlastungen und damit verbundene Stromausfälle denkbar. Die Technikverbände VDE und DVGW empfehlen im Winter den Betrieb der Gasheizung. Elektrischen Direktheizgeräte sollten ihnen Zufolge eher gemieden werden.

„Wir sehen die Entwicklung mit einiger Sorge, da unsere Stromversorgung für eine derartige gleichzeitige Zusatzbelastung nicht ausgelegt ist“, meint Dr. Martin Kleimaier, VDE. „Da die Heizgeräte einfach an eine Haushaltssteckdose angeschlossen werden, können sie – im Gegensatz zu elektrischen Wärmepumpen oder sogenannten Nachtspeicher-Heizungen – im Falle von drohenden Netzüberlastungen nicht vom Netzbetreiber abgeschaltet werden“, betont Kleimaier. Stattdessen sollte lieber die herkömmliche Gasheizung maßvoll weiterbetrieben und wenn möglich deren Effizienz gesteigert werden.

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