Literarischer Frühling in Frankenberg mit Mario Adorf und Sahra Wagenknecht

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Hubertus Meyer-Burckhardt

Waldeck-Frankenberg. Die Schauplätze sind edle Hotels, rustikale Ställe und Markthallen. Die Hauptdarsteller sind Schauspieler Mario Adorf, Fernsehmoderator Hubertus Meyer-Burckhardt und Politikerin Sahra Wagenknecht.

In der Heimat der Brüder Grimm findet vom Freitag, 21. April, bis Sonntag, 30. April, die nun schon sechste Auflage des Literarischen Frühlings statt – und zwar mit Wort- und Lesegenüssen an höchst ungewöhnlichen Orten: Mario Adorf ist als Renaissance-Bischof im Rittersaal zu erleben, Marianne Sägebrecht als Insektenforscherin im Alten Kuhstall – und die „rote Sahra“ im Schlagabtausch mit dem „schwarzen Peter“. Die „rote Sahra“ ist Sahra Wagenknecht, der „schwarze Peter“ Peter Gauweiler. Schirmherren des Literarischen Frühlings sind Mario Adorf und Friedrich Christian Delius, sie sind seit Jahren Stammgäste dieses Festivals.

Originelle Zugänge zur Literatur

Der Literarische Frühling bietet wieder viele originelle Zugänge zur Literatur. So sind nicht nur wichtige zeitgenössische Autorinnen und Autoren wie Eva Gesine Baur, Friedrich Christian Delius, Christine Eichel, Anna Katharina Hahn, Michael Krüger, Ilija Trojanow oder Guntram Vesper zu Gast. Das kleine, aber feine Festival präsentiert auch wieder bekannte Schauspieler: Marianne Sägebrecht, die von Surinam schwärmt, und Mario Adorf in einer Rolle als genussfreudiger Renaissance-Bischof. Außerdem setzt sich Wladimir Kaminer, der Lieblingsrusse der Deutschen, 100 Jahre nach der Oktoberrevolution mit „Mütterchen Russland“ auseinander.

Marianne Sägebrecht Foto: Bernd Settnik/dpa

Veranstalter des Literarischen Frühlings sind wieder drei heimische Premium-Hotels: das „Hotel Die Sonne Frankenberg“, das „Hotel Schloss Waldeck“ und das Landhotel „Landhaus Bärenmühle“

Veranstaltungsorte

Schauplätze sind unter anderem ein alter Kuhstall im 1001 Jahre alten Dorf Ellershausen, das Landhaus Bärenmühle im schönsten Wiesengrunde bei Frankenau, die historische Markthalle – die Rathausschirn – im bald 510 Jahre alten Frankenberger Rathaus und auch die beiden Hotels Schloss Waldeck und Die Sonne Frankenberg.

Als politische Delikatesse offerieren die Veranstalter aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg auch eine Diskussion zwischen Sahra Wagenknecht, der Spitzenkandidatin der Linken bei der Bundestagswahl, und dem eigenwilligen CSU-Mann Peter Gauweiler. Die Begegnung findet im Rittersaal von Schloss Waldeck statt.

Das Festival ist übrigens eines der wenigen in Deutschland, die sich fast ausschließlich privat finanzieren. Materiell und finanziell unterstützt wird der literarische Frühling auch in diesem Jahr wieder von 20 Firmen und Institutionen der ganzen Region – dadurch wird das Festival überhaupt erst möglich gemacht.

Wladimir Kaminer Foto: Michael Ihle

Kernthema Reformation

500 Jahre Luther – die Reformation ist auch schon Thema bei der ersten Veranstaltung am Freitag, 21. April, um 19 Uhr im Landhaus Bärenmühle. Friedrich Christian Delius erörtert dabei im Gespräch mit Christine Eichel die kulturhistorische Wirkungsmacht des deutschen evangelischen Pfarrhauses – beide Autoren sind Pfarrerskinder und haben sich darüber hinaus spezifisch mit Luther und seinem fortdauernden Einfluss befasst. Eine andere Veranstaltung am 26. April in Metzen Kuhstall in Ellershausen präsentiert den Reformator dann als sprachgewaltigen Meister des Wortes und Agitator. Unter dem Titel „Perlen vor die Säue – Luther live“ trägt der Frankfurter Theater- und Aktionskünstler Michael Quast Original-Texte des Reformators vor und zeigt ihn dabei von einer unbekannten Seite. Auch Quast ist beim Literarischen Frühlings längst kein Unbekannter mehr, im vergangenen Jahr begeisterte er mit einem DADA-Abend.

Höchst ungewöhnliche Perspektiven eröffnet am Montag, 24. April, in einem früheren Marstall in Dalwigksthal auch die Begegnung mit dem Historiker und Regisseur Rainer von Hessen, der als Angehöriger des Hauses Hessen ein durchaus kritisches Buch über den Werdegang der landgräflichen Familie geschrieben hat. Im Blickpunkt steht vor allem Landgraf Philipp der Großmütige (1504-1567), der vor 500 Jahren einer der wichtigsten politischen Führer der Reformation in Deutschland war. Sein Leben reicht auch in das Frankenberger Land hinein.

Schließlich setzt auch Mario Adorf ein Glanzlicht zum Thema Reformation. Im Hotel Schloss Waldeck werden am Sonntag, 30. April, um 14 Uhr Ausschnitte aus dem ZDF-Film „König der letzten Tage“ gezeigt, in dem der beliebte Darsteller einen Grafensohn aus dem Hause Waldeck spielte. Adorf berichtet dabei über die Dreharbeiten für diesen aufwendigen Kostüm- und Kulissenfilm und diskutiert mit dem Journalisten Klaus Brill, der gerade ein neues Buch über die Reformation in Hessen veröffentlicht hat, über religiösen Wahn, irrationale Zukunftsängste und politische Verführbarkeit.

Aktuelle Diskussionen

Die Probleme der Gegenwart kommen auch bei anderen Veranstaltungen zur Sprache: Ilija Trojanow stellt im Gespräch mit Wolfgang Herles sein neues Buch „Nach der Flucht“ vor und Michael Krüger als einflussreicher Verleger spricht mit Denis Scheck über die aktuelle literarische Szene und liest aus seinem Werk „Das Irrenhaus“. Und Anna Katharina Hahn schildert in ihrem Liebes- und Generationenroman „Das Kleid meiner Mutter“ die Kämpfe junger Europäer in Madrid, Berlin und Stuttgart um ihren Platz in der Gesellschaft.

Zudem verspricht der Literarische Frühling weitere hochspannende literarische Hochgenüsse. Ein Erlebnis ganz besonderer Art wird sicher auch das Gespräch zwischen Marianne Sägebrecht und dem bekannten Filmproduzenten und TV-Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt werden. Hollywood ist Thema, wenn Eva Gesine Baur ihr neues Buch „Einsame Klasse“ über den deutschen Weltstar Marlene Dietrich präsentiert. Und bei einer Kutschfahrt durch die grünen Wiesen des Lengeltals trägt die Schauspielerin Katerina Poladjan aus dem berühmten Werk „Über Deutschland“ vor. In der beliebten Reihe der Küchenlesungen im Sterne-Restaurant „Philipp Soldan“ des Hotels Die Sonne Frankenberg ist eine szenische Lesung der Schauspielerin Barbara Frank aus dem Roman „Der Leopard“ des sizilianischen Aristokraten Giuseppe Tomasi di Lampedusa vorgesehen.

Auch für Kinder ist wieder ein Angebot im Programm: Am Samstag, 29. April, gastiert der Autor, Illustrator und Schauspieler Martin Baltscheit in Frankenberg mit seiner Lese-Löwen-Show.

Den Spielplan gibt es unter: www.literarischer-fruehling.de

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