Neue Schall-Studie bestärkt Windkraftgegner

Waldeck/Frankenberg. Neue Forschungsergebnisse befeuern die hitzige Diskussion um Windkrafträder in der Nähe von Wohnbebauung. „Infraschall, der von den Anlagen ausgeht, ist bei uns beständig Thema", sagt Bruno Mecke, Sprecher der Höringhäuser Bürgerinitiative „Gegenwind".

Er sieht sich in seiner Skepsis bestätigt durch ein europäisches Forschungsprojekt der Physikalisch-technischen Bundesanstalt (PTB).

Demnach liegt die Untergrenze der Wahrnehmung von Tönen durch den Menschen bei 8 Hertz - eine ganze Oktave tiefer als die bisher angenommenen 16 Hertz.

Die 2010 herausgegebenen Empfehlungen der hessischen Landesregierung favorisieren 1000 Meter als Abstand von Windrädern zu Häusern. Nach Prüfung im Einzelfall kann die Distanz verringert oder vergrößert werden, in der Nähe von besonders ruhebedürftigen Einrichtungen wie Krankenhäusern auf 1500 Meter.

Kommen wegen der aktuellen Forschungsergebnisse schärfere Vorschriften auf die Betreiber zu? Muss das Regierungspräsidium Kassel das Verfahren um die Ausweisung von Windvorrangflächen in Nordhessen neu ordnen, bevor es abgeschlossen ist?

So schnell geht es nicht. Das „Ears“ (Ohren) getaufte Projekt fällt in den Bereich der Grundlagenforschung. Die Resultate entstanden unter Laborbedingungen, bei denen die Wissenschaftler sehr reine Töne (ohne Obertöne) erzeugten, wie sie im Alltagsleben nicht auftreten. Generatoren, Motoren oder Windräder dienten also nicht als Schallquellen. „Sowohl Panikmache als auch pauschales Abwiegeln führen nicht weiter“, sagt Projektleiter Dr. Christian Koch von der PTB. In weiteren Forschungsvorhaben gelte es herauszufinden, was bei der Wahrnehmung von Schall im Grenzbereich des Hörens passiere. Das könne dazu führen, endlich europaweit einheitliche Schutzbestimmungen für diese Grenzbereiche einzuführen.

Von Matthias Schuldt

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