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Philosophie des Greentrails im Waldecker Parlament präsentiert

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Von: Matthias Schuldt

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Naturerleben im Fahrradsattel verspricht der geplante Greentrail.
Naturerleben im Fahrradsattel verspricht der geplante Greentrail. © Zacharie Scheurer/Archiv

Rund 13 Kilometer lang soll der Rundkurs werden, der am Edersee den Waldecker Teil des „Greentrails“ Waldeck-Frankenberg bildet.

Waldeck – Bernd Wecker vom verantwortlichen Planungsbüro „Bioline“ bezeichnete in der Stadtverordnetenversammlung von Waldeck am Edersee die Gemeinschaftsaktion von 14 Kommunen im Landkreis Waldeck-Frankenberg als größtes touristisches Infrastrukturprojekt seiner Art in Europa. Eine sehr große Chance für die weitere Entwicklung des Tourismus in der Region am Edersee und in ganz Waldeck-Frankenberg liege darin.

Greentrail verlangt keine besonderen fahrerischen Fähigkeiten auf Pedelec oder E-Bike

Er stellte dem Parlament von Waldeck am Edersee das Konzept vor und ging auf Detailfragen ein, wie die Pläne verwirklicht werden sollen. Die Strecken richten sich vornehmlich an E-Mountainbiker, werden jedoch so angelegt, dass sie problemlos auch mit anderen Pedelec-Rädern wie Trekking-Bikes zu bewältigen sind. Besondere fahrerische Fähigkeiten brauche es nicht, erklärte Wecker

Fester, in der Breite großzügiger Aufbau der Wege im Greentrail Waldeck-Frankenberg

Grundlage ist ein fester, in der Breite großzügiger Aufbau der Wege. Die Routen, die im Rahmen des Greentrails bevorzugt durch Waldgebiete im Landkreis Waldeck-Frankenberg führen, werden geebnet und gestaltet. Verwendet wird das natürlich vorhandene Material. „Nichts wird abtransportiert und nichts angeliefert“, erläuterte Wecker.

Bei den Konstrukteuren der Strecken des künftigen Greentrails Waldeck-Frankenberg handele es sich um „Künstler, von denen wir in ganz Europa vielleicht zehn finden.“ Eine Herausforderung bestehe darin, diese Experten in ihrer speziellen Mentalität zu versöhnen mit dem hohen Genehmigungsaufwand und der damit verbundenen Bürokratie.

Eisenberg Korbach Musterpark des Greentrails Waldeck-Frankenberg

Für den Eisenberg-Park in Korbach, der Kreisstadt von Waldeck-Frankenberg, als Muster- und Modellfall umfasse die Genehmigung 157 Seiten. Naturschutzfragen nehmen die zentrale Rolle ein. „Maßgeblich für die Genehmigung sind die Naturschutzbehörden und die Waldbesitzer, also Sie als Kommune“, unterstrich Wecker. Wer darüber hinaus bei der Planung der jeweiligen Strecken mit seinen Interessen berücksichtigt werden solle, liege prinzipiell in der Hand der jeweiligen Stadt und Gemeinde.

Mehrere Waldecker Stadtverordnete nahmen als Beispiel die Jagdpächter in den Blick. Manche seien vielleicht nicht einverstanden, würden die Pacht kürzen oder sich in anderer Form querstellen, lauteten Bedenken.

Viele Jagdpächter begrüßen Greentrail Waldeck-Frankenberg

„Mit den meisten Pächtern gibt es keine Probleme. Viele begrüßen unser Pläne, weil sie denken, dass das ‘wilde Fahren‘ durch die Reviere abends zurückgeht“, hielt Wecker entgegen. Wenn einzelne Pächter den „Greentrail“ partout nicht akzeptierten, finde sich im Zweifel jemand anderes, von dem die Stadt sich im neuen Vertrag unterschreiben lasse, dass das touristische Angebot akzeptiert werde.

In den Vorplanungen hat die Stadt Waldeck, wie alle beteiligten Kommunen, bereits Einfluss genommen auf die Streckenführung „ihres“ Greentrail-Parks. So bleibt das nördliche Reiherbachtal, anders als ursprünglich vorgesehen, außen vor. Wecker mahnte jedoch zwischen den Zeilen deutlich, den Bogen mit Änderungswünschen nicht zu überspannen aus Rücksicht auf mannigfaltige Einzel- und Gruppeninteressen. Die Grenze liegt dort, wo ein Kurs so verwässert würde, dass er das zentrale Versprechen des Greentrails an seine Zielgruppen nicht mehr erfüllt: eine attraktive Landschaft und Natur aus dem Fahrradsattel heraus zu erleben und zu genießen.

Grenzen der Änderungen an der Planung der Greentrail-Strecken

Ein dem widersprechender Trail-Beitrag würde im Fall des Falles nicht gebaut, machte Wecker klar. Die Touristen des Greentrails Waldeck-Frankenberg nur durch eintönigen, langweiligen Wirtschaftsforst mit Monokultur zu schicken, wo sie niemanden stören, ist keine Option, verdeutlichte er anhand von Fotobeispielen.

„Ride – Nature – Relax“. Radfahren – Natur – Entspannen lautet das Marketingversprechen des „Greentrails“ Waldeck-Frankenberg an sein künftiges Publikum. Zielgruppen sind die nichtsportlichen E-Mountainbiker, ob Singles, Paare, aktive Familien und „Best Ager“, wie die Generation 50plus im Marketing-Sprech bezeichnet wird. „Die vorhergesagten Verkaufszahlen von E-Mountainbikes für die nächsten Jahre zeigen, wie groß die Gruppe dieser Adressaten wird“, meint Bernd Wecker.

Gutes Angebot des Greentrails kann helfen, wildes Fahren im Wald zu reduzieren

Die Routen des Greentrails sind aus seiner Sicht gleichwohl auch interessant für sportlich orientierte Fahrerinnen und Fahrer. Es komme schließlich darauf an, wie man die absichtlich zwecks Vergnügens eingebaut Bodenwelle nehme. Der eine fahre entspannt darüber hinweg, der nächste nutze sie für einen Sprung. Das Kalkül des Greentrails besteht darin, dass Touristen von Hotels, Pensionen oder Ferienwohnungen aus zu ihren Ausflügen auf die Strecken starten. Die einzelnen Bike-Parks durch die Natur tragen im Idealfall ein jeweils charakteristisches Motto wie am Korbacher Eisenberg die „Goldspur“. Das Projekt soll auf diese Weise Impulse setzen für die Entwicklung des Tourismus.

Ein erwünschter Nebeneffekt: weil die Strecken ein hochwertiges Angebot darstellen, dem Hobby Mountainbiking nachzugehen, suchen sich deutlich weniger Menschen ihre eigenen, illegalen Wege „mitten durch die Botanik“, wie der Volksmund spricht. Davon könnte sogar der Nationalpark Kellerwald-Edersee profitieren, der sich zunehmend diesem Problem gegenüber sieht, meint Bernd Wecker. Als Beispiel zieht er den Willinger Ettelsberg heran. Die wilden, schädlichen „Trampelpfade“ der Mountainbiker früherer Jahre seien verschwunden, seit der attraktive Bikepark existiere. (Matthias Schuldt)

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