Amtsgericht stellt Verfahren ein

Streit nach Feier in Waldecker Ferienwohnung eskaliert

Die Nachwirkungen einer Geburtstagsfeier beschäftigten das Korbacher Amtsgericht.
+
Die Nachwirkungen einer Geburtstagsfeier beschäftigten das Korbacher Amtsgericht.

Anklagen wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Diebstahls folgten auf eine Feier von Gästen in Waldeck. Das Korbacher Amtsgericht hat das Verfahren nun eingestellt.

Korbach/Waldeck – Eine Geburtstagsfeier in einer Waldecker Ferienwohnung nahm im Oktober 2016 ein unrühmliches Ende, als die Feiernden spät in der Nacht mit der Vermieterin in Streit gerieten. Am Korbacher Amtsgericht mussten sich ein 25-Jähriger aus Kassel und eine 32-Jährige aus Schaumburg wegen gefährlicher Körperverletzung, Diebstahl und Sachbeschädigung verantworten.

Als die Vermieterin um 3.30 Uhr an der Ferienwohnung klopfte, eskalierte der Streit: Sie verpasste dem jungen Mann eine Ohrfeige – versehentlich im Gedränge der Eingangstür, wie sie selbst schilderte. Die Angeklagten behaupteten, sie habe ins Gästezimmer eindringen wollen, in dem der Sohn der Frau schlief – daraufhin habe ihr damaliger Lebensgefährte sie gepackt und wieder „vor die Tür gestellt“, woraufhin es zur Ohrfeige kam. Andere Besucher der Feier bestätigten das Eindringen in die Wohnung aber nicht.

Nach der Ohrfeige ging die damalige Lebensgefährtin des jungen Mannes auf die Vermieterin los – darüber, ob beide zu Boden gingen oder nur die Vermieterin, gingen die Aussagen auseinander. Jedenfalls trug die heute 60-Jährige eine Schädelprellung, eine Halswirbelsäulenzerrung und eine Prellung des Beckenkamms davon.

Danach soll das Paar eine unter anderem eine Duscharmatur zerstört und einen Fernseher gestohlen haben, bevor sie aufbrachen. Beides stritten sie ab. Aber die Vermieterin schilderte, dass nach ihrer Abreise das Wasser wegen eines abgebrochenen Ventils in die Wohnung lief und sie den Hauptanschluss zudrehen musste. Vom Diebstahl des Fernsehers berichtete die Angeklagte derweil einer Besucherin der Feier später bei einer zufälligen Begegnung.

Beide Frauen gaben an, sich direkt nach den Handgreiflichkeiten bei der Polizei gemeldet zu haben, die jedoch keine Streifenwagen zur Verfügung gehabt habe, um noch in der Nacht vorbeizukommen.

Juristisch seien die Vorfälle schwer zu würdigen: Bei der Körperverletzung nach einer wohl versehentlichen Ohrfeige könnte die 32-jährige der irrigen Annahme erlegen sein, dass eine Verteidigungshandlung nötig sei – das wäre dann noch fahrlässige Körperverletzung. Bei der Sachbeschädigung könne nicht nachgewiesen werden, welcher der beiden Angeklagten strafrechtlich zu belangen sei – wenn rechtzeitig ein Zivilverfahren um Schadenersatz begonnen worden wäre, hätte die 32-Jährige als Mieterin gerade stehen müssen.

Fest stand somit nur der Diebstahl des Fernsehers. Das Gericht stellte das Verfahren gegen die nicht vorbestraften Angeklagten ein: Gegen den 25-Jährigen sofortig; gegen die 32-Jährige unter der Auflage, dass sie 300 Euro an die Opferschutz-Organisation „Weißer Ring“ zahlt.  (wf)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.