Info-Abend zum Marktplatz hinter lässt Fragen

Waldeck am Edersee unzufrieden mit beschlossenen Plänen für neue Einbahnstraße im Zentrum

Baustelle des Abends in der Weihnachtszeit im Zentrum von Waldeck am Edersee
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Umstritten in Waldeck: das Einführen einer Einbahnstraße im Zuge der Umgestaltung des Marktplatzes und des Ausbaus der Straßen „Marktplatz“ (im Bild), Schlossstraße und Bahnhofstraße auf 500 Metern.

Die Meinungen gehen auseinander in Waldeck am Edersee über die von der Stadtverordnetenversammlung bereits beschlossenen Pläne für den Marktplatz und die neue Einbahnstraße.

Waldeck – Das wurde deutlich beim Informationsabend von Planungsbüros und Stadtverwaltung am Donnerstag im Bürgerhaus von Waldeck am Edersee. Die Teufel in den Details liegen nach Ansicht vieler Ortskundiger in der Einbahnstraße. Sie beginnt an der Einmündung der Straße „Am Stadtbrunnen“ in die Straße „Marktplatz“ (vis à vis der Kirche), geht vom „Marktplatz“ aus über in die Schlossstraße Richtung Schloss Waldeck am Edersee und als Bahnhofstraße um die Haarnadelkurve herum bis zur Einmündung „Am alten Weinberg“. Gesamtstrecke: 500 Meter.

Aus Sicht der Skeptikerinnen und Zweifler sollte die Einbahnregelung auf einer verkürzten Strecke gelten und zwar erst ab der Einmündung der Schulstraße, am Beginn der Schlossstraße. Auf den rund 100 Metern der Straße „Marktplatz“ bliebe der Begegnungsverkehr bestehen. Eine Möglichkeit zum Wenden würde eingeplant. Ein zweiter Gegenvorschlag besagt, die Richtung der Einbahnstraße umzukehren, den Berg hinauf. Die beiden entscheidenden Gründe für die Abwehrhaltung vieler Waldeckerinnen und Waldecker gegenüber dem, was das Stadtparlament per Beschluss einstimmig festgelegt hat:

Lange Umwege für viele Autofahrer durch neue Einbahnstraße im Zentrum von Waldeck am Edersee

1. Die meisten Autofahrer würden erst versuchen, einen der Kurzparkplätze zu ergattern, die sich um den neu gestalteten Parkplatz verteilen. Ihre Zahl ist deutlich geringer im Vergleich zur bisherigen Situation. Gilt die Einbahnregelung ab der Einmündung „Stadtbrunnen“, hätten sie keine Chance, auf kurzem Weg zum Parkplatz „Alter Hof“ am Bürgerhaus zurückzukommen, sollten alle Plätze belegt sein. Sie müssten der Einbahnstraße folgen und im kilometerweitem Umweg über Dr. Mauser-Straße und Sachsenhäuser Straße zum „Alten Hof“ fahren – oder sie benutzen illegalerweise die Schulstraße zwecks Abkürzens dieses langen Umweges. Schon heute leide die Schulstraße mit ihrem Schwerpunkt Gastronomie und vor allem Außengastronomie im Sommer unter denen, die das Schild „Durchfahrt verboten“ missachten. Als Folge der Einbahnstraße in ihrer langen Version könnte der Druck auf die Schulstraße wachsen, fürchten die Gegner der vom Parlament der Stadt Waldeck am Edersee beschlossenen Lösung. Und sie warnen vor einer zu großen Belastung etwa der Dr. Mauser-Straße.

2. Der Linienbusverkehr verschlechtert sich für die Passagiere. Der Bus Richtung Bad Wildungen hält weiter an der neuen, barrierefreien Haltestelle am „Marktplatz“. Der Bus in Gegenrichtung, nach Korbach, steuert den Marktplatz aber nicht mehr an. Seine Haltestelle würde in die Zimmerstraße verlegt. Wer von dort zum Marktplatz will, muss zu Fuß einen weiten Weg, teils steil bergan zurücklegen. „Dann kommen diese Leute gar nicht mehr zu uns“, fürchtete eine Stimme aus dem Publikum. Knackpunkt: Die Planer der Einbahnstraße setzten auf Basis des Verkehrsgutachtens voraus, dass die Busse eine Schleife führen und der Marktplatz in beide Richtungen angebunden bliebe. Doch die Verkehrsanbieter lehnen das ab. Den Grund nannte ein Zuschauer: „Sie müssten einen zusätzlichen Bus einsetzen, weil sie zehn Minuten länger durch die Stadt fahren.“ Laut Bauamtsleiter Martin Tepel und Bürgermeister Jürgen Vollbracht beharrt die Stadt aber bei den Anbietern auf ihrem Anliegen.

Neu gestalteter Marktplatz in Waldeck am Edersee lädt zum Verweilen und Feiern von Festen ein

Bauamtsleiter Martin Tepel begründete, weshalb eine Einbahnstraße überhaupt nötig ist: Die neuen Gehsteige müssen mindestens 2,50 Meter breit sein, um rund 100 000 Euro Fördergeld zu einzuholen. So bleibt zu wenig Platz für Begegnungsverkehr, denn schon die Einbahnstraße ist 4,50 Meter breit. Am „Marktplatz“ würde Begegnungsverkehr Raum zulasten der neuen Marktplatzfläche als Ort zum Verweilen und Feiern von Festen beanspruchen.
Die neue Marktplatzfläche selbst war ebenfalls Gegenstand von Nachfragen und Anregungen. Eine überschaubare, dreistufige Treppenanlage im Knick zwischen der Straße „Marktplatz“ und der Schulstraße etwa stieß auf geteiltes Echo. Einerseits ermöglich sie erst eine große, Ebene Fläche ohne das heutige Gefälle. Andererseits herrscht an diesem Punkt keine Barrierefreiheit, wie sonst zumeist um den neu gestalteten Platz.

Ein weiteres Manko der Gesamtplanung: In der Einbahnstraße gibt es keinen Platz für eine gesonderte Fahrradspur. Aber: Die Elemente des neuen Marktplatzes mit kleiner, ins Pflaster ebenerdig eingelassener Fontänenanlage, Rundbänken um die Bäume und weiteren Sitzgelegenheiten zum Schnuddeln, einer Ebene zum Verweilen und für Festveranstaltungen stieße auf positive Resonanz. „Das dürfen wir nicht außer Acht lassen im Schatten der Einbahnstraßenregelung“, lautete eine Aussage aus dem Publikum zum Schluss, begleitet von großem Beifall.

Weitere Details zu den Planungen gibt es hier.

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