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Waldeck: Kindertagespflegepersonen fordern höhere Kostenpauschale vom Landkreis

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Von: Cornelia Höhne

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Optimistisch auch in schweren Zeiten: Janine Steinkamp (links) und Jasmin Roth (rechts), freiberufliche Kindertagespflegepersonen; mit im Bild der kleine Fabian.
Optimistisch auch in schweren Zeiten: Janine Steinkamp (links) und Jasmin Roth (rechts), freiberufliche Kindertagespflegepersonen; mit im Bild der kleine Fabian. © Cornelia Höhne

Freiberufliche Kindertagespflegepersonen im Waldecker Stadtteil Sachsenhausen fordern angesichts der extremen Kostensteigerung eine höhere Sachkostenpauschale vom Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Waldeck-Sachsenhausen – Jasmin Roth und Janine Steinkamp sind freiberufliche Kindertagespflegepersonen. Kleinkinder unter drei Jahren werden in der Gruppe „Gartenzwerge“ bei Vollpension betreut. Aber die Kosten dafür sind seit Monaten rasant in die Höhe geschnellt und der eklatante Preisanstieg bei Energie und Lebensmitteln sei nicht mehr zu schultern.

„Hier ist dringliches Handeln seitens des Fachdienstes Jugend nötig“, fordern die Frauen.

Kindertagespflegepersonen können Mehrkosten nicht an Kunden weitergeben

Die Satzungen des Landkreises Waldeck-Frankenberg sehen die Erstattung angemessener Kosten für den Sachaufwand vor. Darunter fallen Heizung, Strom, Lebensmittel, Versicherung. „Gerade diese Kosten sind in den letzten Monaten derartig in die Höhe geschossen, dass eine sofortige und rückwirkende Anpassung des Sachaufwandes unbedingt erforderlich ist“, sagt Roth.

Die Kindertagespflegepersonen arbeiten zwar freiberuflich, könnten aber nicht wie andere Selbstständige die Mehrkosten umgehend an Kunden – die Eltern – weiter geben. Die Freiberuflerinnen zehren aktuell von ihren eigenen Geldreserven, weil die Finanzierung durch die öffentlichen Jugendhilfeträger mit den Preissteigerungen nicht annähernd Schritt halte.

„Wir leben am Existenzminimum“

„Seit Monaten fangen wir mit fest vorgegebenen Geldleistungen seitens des Fachdienst Jugend die Kosten auf und leben am Existenzminimum,“ schildert Steinkamp. „Unsere Arbeit wird nicht wert geschätzt.“ Sehr dankbar indes seien die Eltern, weil ihre Kleinkinder fast wie in einer Großfamilie betreut werden, betont Roth.

Die finanzielle Förderung wird pro Kind gezahlt. Sie ist gestaffelt und orientiert sich am Alter der Kinder und am Umfang der Betreuung. Eine Kindertagespflegeperson kann maximal fünf Kinder gleichzeitig betreuen. Die Anzahl legt der Fachdienst Jugend fest.

224 Kinder in 2022 von Kindertagespflegepersonen betreut

In einem Schreiben an den Landkreis drängen die Sachsenhäuserinnen bis Ende Januar auf eine „Anpassung der Geldleistungen und eine angemessene Nachzahlung. Ansonsten sehen wir uns gezwungen die Tätigkeit, für den Fachdienst Jugend, als Kindertagespflegepersonen niederzulegen“. Roth und Steinkamp planen die Gründung einer Regionalgruppe im Bundesverband für Kindertagespflege, um ihre Interessen in der Gemeinschaft in einem starken Lobbyverband besser zu vertreten.

Allein im Landkreis waren in 2021 insgesamt 63 Kindertagespflegepersonen tätig. Nach Informationen des Kreises wurden im vergangenen jahr 224 Kinder durch Freiberuflerinnen betreut.

Jugendhilfekommission überprüft jährlich, welche Anpassungen notwendig sind

„Die Sachkostenpauschale war bisher auskömmlich“, sagt Erster Kreisbeigeordneten Karl-Friedrich Frese. „Durch die steigenden Lebenshaltungskosten bedarf es hier, wie bei vielen Jugendhilfeangeboten, einer Anpassung.“ Die hessische Jugendhilfekommission überprüfe jährlich, welche Anpassungen bei Sachkosten notwendig sind. Laut Frese wurden die finanziellen Rahmenbedingungen zuletzt im August 2021 „erheblich verbessert“.

Angestrebt werde eine erneute Anpassung zum 1. Januar 2023 – vorbehaltlich den Beschlüssen der Kreisgremien. „Kindertagespflege hat bei uns einen hohen Stellenwert.“ Sie habe sich zu einer eigenständigen Option insbesondere für Kleinkinder entwickelt. Das werde „von Fachleuten und Familien sehr geschätzt“, wegen der familienähnlichen Strukturen, kleiner Betreuungsgruppen und der höheren Flexibilität des Betreuungszeitraums.

„Der Landkreis hat deshalb in den letzten Jahren einiges unternommen, um die Rahmenbedingungen für die Kindertagespflege-Personen und somit natürlich für die dort betreuten Kleinkinder entschieden zu verbessern.“ (Cornelia Höhne)

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