Plattdeutsche Arbeitsgruppe arbeitet sieben Jahre am Werk

Waldeckischer Geschichtsverein bringt Buch mit Geschichten in Diemelseer Platt heraus

Bei der Vorstellung des Buches „Dat nit olles vergiätten wärt“ im Flechtdorfer Kloster. Von links der der Vorsitzende der Diemelseer Bezirksgruppe, Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling, Mitinitiatorin Hildegard Becker, der Vorsitzende des Waldeckischen Geschichtsvereins, Günter Engemann, Sophie Eitzert von der Korbacher Druckerei Sprenger und der Leiter der Plattdeutschen Arbeitsgruppe Karl-Heinz Behle.
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Bei der Buchvorstellung im Flechtdorfer Kloster - von links der Vorsitzende der Diemelseer Bezirksgruppe, Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling, Mitinitiatorin Hildegard Becker, der Vorsitzende des Waldeckischen Geschichtsvereins, Günter Engemann, Sophie Eitzert von der Korbacher Druckerei Sprenger und der Leiter der Plattdeutschen Arbeitsgruppe Karl-Heinz Behle.

„Dat nit olles vergiätten wärt“ – dass nicht alles vergessen wird: So hat die Plattdeutsche Arbeitsgruppe der Diemelseer Bezirksgruppe im Waldeckischen Geschichtsverein ihr neues Buch genannt, das sie am Dienstag im Ringhof des Flechtdorfer Klosters vorstellte.

Diemelsee – Das Buch enthält auf 120 Seiten zwei Gedichte sowie Geschichten auf Platt. Sie stammen von Diemelseern und spielen in Diemelsee. Sie handeln vom Alltag, von Festtagen wie Weihnachten oder von kuriosen Ereignissen. Armin Hillebrand beschreibt das in „Zentral-Diemelsee“ gesprochene Vorupländer Platt, das sich etwa vom Vasbecker Platt abhebe – selbstverständlich ebenfalls „up platt“.

Zwei CDs mit Platt-Geschichten

Zum besseren Verständnis stehen neben allen plattdeutschen Texten die hochdeutschen Übertragungen. Am Ende finden sich historische Fotos aus dem Alltagsleben. Beigefügt sind außerdem zwei CDs, die jeweils rund eine Stunde laufen. 19 versierte Sprecher tragen dort 30 Texte vor – auch Geschichten aus der WLZ-Beilage „Mein Waldeck“ und dem Waldeckischen Landeskalender sind dabei.

Buch und CDs sind eine Gemeinschaftsleistung der Arbeitsgruppe, die sich im März 2008 auf Anregung des damaligen Vorsitzenden der Bezirksgruppe, Karl Baus, gegründet hat. Die Mitglieder sammelten zahlreiche Geschichten, die sie bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie bei ihren monatlichen Treffen untereinander austauschten. Immer seien um die zehn Plattsprecher zusammengekommen, berichtet der Vorsitzende der Bezirksgruppe, Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling.

Idee vor sieben Jahren entstanden

Vor sieben Jahren entstand die Idee für das Buch, wegen Corona habe sich die Fertigstellung verzögert, sagt Hildegard Becker – nicht alle Mitglieder hätten das Erscheinen erlebt. „Wir können das Verschwinden der plattdeutschen Sprache nicht verhindern, allenfalls aufhalten“, erklärt sie. „Wir haben versucht, das Platt ein wenig zu dokumentieren.“ Die Geschichten zeugten von der Dorfkultur und von sozialen Begebenheiten.

Leiter der Arbeitsgruppe ist der Benkhäuser Karl-Heinz Behle, der Fachmann fürs Plattdeutsche hat bereits ein „kleines Wörterbuch des Diemelseer Platts“ herausgebracht, derzeit arbeitet er an einer Erweiterung. Er geht im neuen Buch auf die Probleme der Verschriftlichtung des Platts ein und steuert eine Anleitung zur Aussprache der Vokale bei.

Hildegard Becker treibt Arbeiten voran

Einig ist sich die Arbeitsgruppe, dass es das Buchprojekt ohne die Initiative und die enorme Arbeit von Hildegard Becker nicht gäbe – oder es zumindest noch lange nicht fertiggestellt wäre. Sie hat die Texte zusammengetragen, die Abstimmungen mit der Korbacher Druckerei Sprenger über das Layout übernommen, sich um die Korrekturen gekümmert und auch die letzten Arbeiten wie das „Eintüten“ und Einkleben der CDs erledigt.

„Dat nit olles vergiätten wärt“ – dass nicht alles vergessen wird: So heißt das neue Buch, das die Plattdeutsche Arbeitsgruppe der Diemelseer Bezirksgruppe im Waldeckischen Geschichtsverein herausgebracht hat.

Auch historische Tonaufnahmen

Die Aufnahmen der beiden CDs hat sie mit ihrem im Mai gestorbenen Mann Winfried gemacht – die ältesten aus dem Jahr 1965 stammen aus Adorf, 1988 hatte der Wirmighäuser Ortsvorsteher Erwin Figge mit dem Kasettenrekorder Gespräche im Gasthaus Kaiser mitgeschnitten.

Hildegard und Winfried Beckers Sohn Matthias Becker hat die Aufnahmen „remastert“ und bei den neuen für eine gleichbleibende Qualität gesorgt. Weitere Aufnahmen steuerte Markus Hiegemann von der „Hochsauerland-Welle“ bei – er moderiert dort die Sendung „Do biste platt“ und hat auch in Waldeck viele Sprecher auf Band gebannt.

Wichtiger Baustein fürs Waldeckische Plattarchiv

Für den Waldeckischen Geschichtsverein sei das ästhetisch gestaltete und schöne Buch ein wichtiger Baustein in seinem Bemühen, das Platt zu dokumentieren und wenigstens auf diesem Weg zu erhalten, erklärt der Vorsitzende Günter Engemann. Der Verein ist Herausgeber des Werkes und unterstützt den Druck mit einem Zuschuss von 1000 Euro.

Engemann erinnert an den laufenden Aufbau eines Waldeckischen Plattarchivs. Dazu zählten auch die Aufnahmen, die der Plattbeauftrage des Vereins, Andreas Karl Böttcher, mit Dr. Werner Beckmann vom Sauerländisches Mundartarchiv zusammengetragen habe. Außerdem habe der Verein sieben Computer in allen Bezirksgruppen verteilt, mit denen das Platt in Ton und Schrift dokumentiert werden solle. Und es seien Bücher erschienen, so seien die Meineringhäuser aktiv.

„Vieles befindet sich schon im Schreiberschen Haus in Bad Arolsen“, sagt Engemann, „aber es muss noch ergänzt werden, bevor es ein Archiv wird.“

Markus Hiegemann begrüßte auch als Vertreter des Sauerländer Heimatkreises die Zusammenarbeit über die Landesgrenze hinweg. Auch er berichtet, wegen der Corona-Beschränkungen sei die Arbeit in vielen westfälischen Platt-Arbeitskreisen zusammengebrochen.

Die Mitglieder und Mtarbeiter

Derzeit gehören dem Diemelseer Arbeitskreis Karl-Heinz Behle, Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling, Irmgard Sude, Johanna Scheele, Margret Erlemann, Karl-Heinz Brocke, Helga Göbel, Armin Hillebrand, Hartmut Trachte-Gundler, Kurt Biederbick, Hildegard Becker und Ilse Bangert an. Bereits gestorben sind Helene Römer, Karl Flamme, der von Beginn an aktive Karl Schultze sowie die Buch-Mitarbeiter Heinz Grebe, Luise Fischer und Winfried Becker. Die Tonaufnahmen erinnern an sie.

Das Flechtdorfer Kloster hatte Hildegard Becker mit Bedacht für die Vorstellung ausgewählt: Auch dort wurde einst Platt gesprochen - in der Bibliothek stand einst auch ein Exemplar der gedruckten „Kölner Bibel“ in einer niederdeutschen Übersetzung - sprich: in einer Übersetzung „up Platt“.

Das eigentlich geplante Treffen zur Buchvorstellung mit Platt-Vorträgen bei Kaffee und Kuchen habe wegen Corona ausfallen müssen, stellt Hildegard Becker fest. Aber hoffentlich liege das schmucke Werk als Geschenk unter vielen Weihnachtsbäumen.

Die Vorverkaufsstellen:

Das Buch ist für 16 Euro zu haben bei Foto Ostermann in Adorf, bei der Diemelseer Tourist-Information in Heringhausen, in der Bad Arolser Buchhandlung Flemming sowie im Schreibwarengeschäft Flemming und in der Buchhandlung Colibri in Korbach. Außerdem kann es beim Waldeckischen Geschichtsverein in Bad Arolsen bestellt werden, Telefon 05691 / 6652 – die Geschäftsstelle ist mittwochs von 13.30 bis 16 Uhr erreichbar, E-Mail: info@waldeckischer-geschichtsverein.de.

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