Neue Leiter der Geschäftsstelle und der Bibliothek in Bad Arolsen

Waldeckischer Geschichtsverein präsentiert neues Team

Sitz des Waldeckischen Geschichtsvereins: das Schreibersche Haus in Bad Arolsen, die Gartenseite mit den beiden Seitenflügeln. Das auch als Museum genutzte Anwesen in Besitz einer privaten Stiftung zählt zu den ältesten Gebäuden der Stadt.
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Sitz des Waldeckischen Geschichtsvereins: Das Schreibersche Haus in Bad Arolsen zählt zu den ältesten Gebäuden der Stadt.

Ein neues Team kümmert sich beim Waldeckischen Geschichtsverein um Besucher oder um Anfragen. Wer erledigt was? Ein Besuch im Schreiberschen Haus in Bad Arolsen.

  • Der Waldeckische Geschichtsverein hat mehr als 1300 Mitglieder im gesamten Bundesgebiet, sieben Bezirksgruppen in Waldeck und rund 7000 Schriften in der Bibliothek im Schreiberschen Haus in Bad Arolsen.
  • Klaus-Dieter Michel leitet die Bibliothek im Schreiberschen Haus. Philipp Emde und dessen Vater Dirk Emde unterstützen ihn.
  • Philipp Wecker leitet die Geschäftsstelle im Schreiberschen Haus.

Bad Arolsen – Den Dank an Klaus-Dieter Michel ließ sich Ernstpeter Ruhe nicht nehmen. In seinem gerade erschienenen Buch „Aus Babareÿen erlösett“ schreibt der Würzburger Romanistik-Professor über deutschsprachige Gefangenenberichte aus Nordafrika. Bei seiner Forschung führte ihn eine Quellenangabe im Waldeckischen Landeskalender 1987 zu einem Manuskript von Ehrenfried Weishaupt, das in der Bibliothek des Waldeckischen Geschichtsvereins aufbewahrt wird.

Der wandernde Handwerksbursche Weishaupt geriet um 1775 für neun Jahre in arabische Sklaverei. Sein Bericht findet sich im Nachlass des Korbacher Gymnasialdirektors und Geschichtsforschers Louis Curtze, der zu den Beständen des Geschichtsvereins gehört. Michel sandte ihm eine Kopie des Berichts zu – und fand sich bei den Danksagungen im Buch benahmt.

Klaus-Dieter Michel leitet die Bibliothek

Seit Oktober 2020 leitet Klaus-Dieter Michel aus Korbach die Bibliothek und das Archiv. Ihm zur Seite stehen Philipp Emde und dessen Vater Dirk Emde.

Neuer Bibliotheks-Leiter des Waldeckischen Geschichtsvereins: Klaus-Dieter Michel aus Korbach.

„Ich habe mich schon immer für Geschichte interessiert, gerade für die Waldeckische“, sagt der 66-Jährige, der auch Ahnenforschung betreibt – sein Vater stammt aus Helsen, die Familie hat alte Verbindungen zu Lüthersheim.

Der gelernte Radio- und Fernsehmechaniker diente acht Jahre als Zeitsoldat beim Panzerbataillon 44 in der Mengeringhäuser Prinz-Eugen-Kaserne, danach wechselte er als ins Auswärtige Amt nach Bonn. 2018 ging er in den Ruhestand und kehrte nach dem Hessentag in seine Heimatstadt zurück.

„Es war eine glückliche Fügung“

In einer Korbacher Wandergruppe traf er den gleichaltrigen Günter Engemann. Über die gemeinsame Ahnenforschung kamen sie ins Gespräch. „Es war eine glückliche Fügung“, sagt Engemann. Denn sein Bibliotheksleiter Philipp Emde wollte kürzer treten: Der Mitarbeiter des Korbacher Kirchenkreisamtes ist ehrenamtlich eingebunden und arbeitet an einem neuen Buchprojekt.

Bis Oktober 2020 Bibliotheksleiter des Waldeckischen Geschichtsvereins: Philipp Wilhelm Emde aus Vasbeck.

Engemann fragte Michel, ob er das Amt übernehme. Er sagte zu. Emde arbeitete ihn gründlich ein und wirkt seitdem im Team weiter mit. „Das ist sehr gut gelaufen“, sagt der Vorsitzende.

Mit der Gründlichkeit eines Verwaltungsbeamten räumte Michel in einigen Ecken auf. „Es gab Nachholbedarf“, sagt er. So sortierte er die Kartenbestände neu.

Anfragen zur Ahnenforschung

Zu Michels Aufgaben gehört es, Anfragen zu beantworten – auch aus dem Ausland. In der Hauptsache handele es sich Ahnenforschung, aber auch das Fürstenhaus findet Interesse. Michel versendet Material per Post oder antwortet per Mail.

Auch ausgewiesene Wissenschaftler wie Ruhe oder der Historiker Walter Mühlhausen wenden sich an die Bibliothek. Das stellt das Team zum Teil vor Herausforderungen. „Wir haben die Bestände, aber wir machen das ehrenamtlich“, sagt Engemann. „Ich bin kein Bibliothekar.“ Der Verein sucht die Zusammenarbeit mit dem Museum und der Hofbibliothek in Bad Arolsen.

Wichtig ist auch die Besucherbetreuung während der Öffnungszeiten. So kommen regelmäßig Gymnasiasten der Bad Arolser Christian-Rauch-Schule, die für Arbeiten recherchieren. Montags ist Michel vor Ort, freitags ist weiter Dirk Emde präsent – allerdings ist derzeit wegen Corona geschlossen.

Die Digitalisierung der Bestandsverzeichnisse läuft zusätzlich. „Das geht nur außerhalb der Öffnungszeiten“, sagt Michel. Sein Kontingent von zweieinhalb Stunden die Woche reiche dafür nicht aus. „Die Stunden zählen wir nicht“, sagt Michel. „Das macht man ja gerne.“

Philipp Wecker leitet die Geschäftsstelle

Philipp Wecker aus Korbach leitet seit Juli 2019 die Geschäftsstelle des Geschichtsvereins. Der 24-Jährige studiert seit 2014 an der Kasseler Universität Geschichte und Kunstgeschichte.

Er leitet die Geschäftsstelle des Waldeckischen Geschichtsvereins in Bad Arolsen: Philipp Wecker aus Korbach.

Er absolvierte gerade ein Praktikum in den Museen in Bad Arolsen als ihn die Leiterin Birgit Kümmel ansprach – sie ist auch Vorsitzende der Schriftleitung. Der Vorstand um Dr. Jürgen Römer hatte damals viel aufzuarbeiten, der Posten des Geschäftsführers war bei den Vorstandswahlen 2018 unbesetzt geblieben, zumindest ein Leiter der Geschäftsstelle musste zur Entlastung her. Wecker sagte dem Vorsitzenden zu.

Seitdem ist er jeden Mittwoch in den Vereinsräumen unterm Dach des Schreiberschen Hauses. Er bearbeitet die Post, beantwortet E-Mails, telefoniert mit Interessenten und informiert den Vorsitzenden Günter Engemann über Entwicklungen „in und um den Verein“. Außerdem hält er den Schriftenaustausch mit Universitäten, Vereinen und anderen Einrichtungen am Laufen. Und er hilft Leuten bei der Ahnenforschung – für sie sind die Ortssippenbücher des Vereins unverzichtbar, die sind aber zum Teil ausverkauft. Dabei arbeitet er eng mit den Bibliotheksleitern Philipp Emde und Klaus-Dieter Michel zusammen.

„Er war mir eine große Hilfe“

Günter Engemann war nach seiner Wahl im Februar 2020 froh, mit Wecker einen bereits eingearbeiteten Mitstreiter an seiner Seite zu haben. „Er hat mich eingeführt, er war mir eine große Hilfe.“

Zwar ist die Geschäftsstelle wegen der Corona-Auflagen derzeit wieder geschlossen, aber für ihn habe sich die Arbeit seitdem nicht groß verändert, sagt Wecker. Er ist weiter mittwochs telefonisch und sonst per Mail erreichbar. Mit seinem Kontingent von zehn Stunden die Woche komme er ganz gut hin, berichtet er – das Studium muss schließlich weitergehen.

Weil während der Pandemie weniger Anfragen kamen, fand Wecker die Zeit, um die Bücher in den Verkaufsregalen neu zu ordnen und die Verkaufsliste auf der im Frühjahr neu gestalteten Homepage zu aktualisieren.

Mehr als 1300 Mitglieder

Mehr als 1300 Mitglieder im gesamten Bundesgebiet, sieben Bezirksgruppen in Waldeck, rund 7000 Schriften in der Bibliothek im Schreiberschen Haus in Bad Arolsen, das Museum „Hinter Schloss und Riegel“ in Schloss Waldeck, wichtige Publikationen wie die „Geschichtsblätter für Waldeck“ – der 1862 gegründete Waldeckische Geschichtsverein weist eine beträchtliche Größe auf.

Mit einem ehrenamtlichen Vorstand allein wäre die Arbeit nicht zu schaffen, weitere Ehrenamtler kümmern sich um Geschäftsstelle und Bibliothek. Daneben besteht die aus Fachleuten zusammengesetzte Schriftleitung um die Vorsitzende Dr. Birgit Kümmel. Sie gibt die Publikationen und die renommierten Geschichtsblätter heraus. (Dr. Schilling)

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