Fabrikgelände kann neu beplant werden

Weiterverkauf des Wilke-Geländes liegt vorerst auf Eis

Für den Abriss des Wilke-Gebäudes sind der Gemeinde Twistetal Fördermittel in Aussicht gestellt worden.
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Für den Abriss des Wilke-Gebäudes sind der Gemeinde Twistetal Fördermittel in Aussicht gestellt worden.

Nach der Ankündigung aus Wiesbaden, wonach der Abriss des massiven Baukörpers der ehemaligen Wurstfabrik Wilke mit bis zu 50 Prozent bezuschusst werden könnte, hat Bürgermeister Stefan Dittmann die Beratung über ein Kaufangebot der Twister Firma „Ab in die Box“ von der Tagesordnung nehmen lassen.

Twistetal-Berndorf - Ungewöhnlich: Noch vor Eintritt in die Tagesordnung meldete sich der Erste Beigeordnete und Bürgermeister-Stellvertreter Rolf Ledebuhr (SPD) mit einer persönlichen Stellungnahme zu Wort und forderte ein Ende der persönlichen Verunglimpfungen. Es sei an der Zeit, verbal abzurüsten.

Die politischen Diskussionen sollten wieder in den Gremien stattfinden und nicht hinter den Rücken der Betroffenen oder gar in der Presse, so Ledebuhr. Die Stimmung in der Twistetaler Gemeindepolitik dürfe nicht wieder so vergiftet werden wie vor 30 Jahren. Alle ehrenamtlichen Gemeindevertreter seien seien gut beraten, sich gegenseitig mit Vertrauen und Respekt zu begegnen.

Mangelde Transparenz vorgeworfen

Den Hinweis auf „Vertrauen und Respekt“ griff die Grünen-Gemeindevertreterin Ilka Deutschendorf auf und verwies darauf, dass dem Bürgermeister schon seit Mitte Januar ein weitere Kaufangebot für das Wilke-Gelände vorgelegen habe. Dieses sei aber erst Mitte Februar im Gemeindevorstand thematisiert worden. Kritik an der Arbeit des Bürgermeisters habe nichts mit persönlichem Niedermachen zu tun, so Deutschendorf.

Dazu stellte Bürgermeister Stefan Dittmann fest: „Wir haben im Rathaus nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.“ Das zweite Kaufangebot habe sich nur auf 15 Prozent der Gesamtfläche bezogen. Deshalb habe man es als „schwebende Anfrage“ behandelt. Das Kaufinteresse der Firma Müller „Ab in die Box“ habe Vorrang gehabt.

War der Zuschuss immer an Erwartungen geknüpft?

In diesem Zusammenhang informierte der Bürgermeister: „In der vergangenen Woche ist ein weiteres Unternehmen auf das Wilke-Gelände aufmerksam geworden. Dieses Kaufinteresse habe er unverzüglich an die Gremien weitergeleitet, bitte aber darum, diese Anfrage vertraulich zu behandeln.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Christoph Dietzel ging noch einmal auf die Verkaufs-Diskussion in den vergangenen Wochen ein und fragte: „Wie kommt der Bürgermeister darauf, in der Öffentlichkeit zu behaupten, dass die Zuschussgelder vom Landkreis ohne Bedingungen gezahlt worden seien?“ Es habe doch schon im September ein Gespräch des Ältestenrates mit Landrat und Bürgermeister im Feuerwehrhaus von Berndorf gegeben.

Dabei sei nur von Abriss und Bereinigung der Fläche die Rede gewesen. Bei dieser Sitzung habe der FDP-Fraktionsvorsitzende unentschuldigt gefehlt. Dennoch habe FDP-Sprecher Marpe im Februar in öffentlicher Sitzung dem Ersten Kreisbeigeordneten eine „Unverschämtheit“ vorgeworfen. Das allein sei eine „Frechheit“ gewesen.

Bürgermeister: „Das sieht wohl jeder anders.“

„Das sieht jeder anders“, lautete hierauf der Kommentar von Bürgermeister Stefan Dittmann. Für ihn sei jedenfalls nicht klar gewesen, dass der Investitionszuschuss des Landkreises in Höhe von 500.000 Euro an die Auflage gebunden gewesen sei, das Wilke-Gelände städtebaulich zu entwickeln.

Die Gemeinde habe das schriftliche Förderangebot am 15. Dezember erhalten. Erst eine Woche später hätten die Haushaltsberatungen im Landkreis begonnen. Auch deshalb seien die Informationen wohl so spärlich geflossen. „Aber auch das sieht wohl jeder anders“, stellte der Rathauschef nüchtern fest.

Als „einfacher Gemeindevertreter“ nicht informiert

Abschließend meldete sich der SPD-Gemeindevertreter Rolf Rauschkolb zu Wort und bekräftigte, dass auch ihm „als einfachen Gemeindevertreter“ nicht bewusst gewesen sei, dass der Zuschuss des Landkreises an Bedingungen gebunden gewesen sei. Rauschkolb: „Wenn das in der Dezembersitzung alle gewusst hätten, dann wäre das Abstimmungsverhalten über den Grundstückskauf wohl ein anderes gewesen.“

Nachdem der Gemeindevorstand den Weiterverkauf des Wilke-Grundstücks vorerst auf Eis gelegt hat, kann nun in Ruhe über die künftige Verwendung des 35.000 Quadratmeter großen Geländes an der Ortsdurchfahrt von Berndorf nachgedacht werden.

Machbarkeitsstudie soll Chancen aufzeigen

Wie berichtet hat der Staatssekretär im hessischen Wirtschaftsministerium, der aus Berndorf stammende Jens Deutschendorf, der Gemeinde signalisiert, dass der Abriss des unschönen Betonklotzes in der Dorfmitte mit 50 Prozent aus Mitteln des europäischen EFRE-Programms gefördert werden könnte. Dazu muss nun die Gemeinde kurzfristig einen Antrag vorlegen.

Dazu schreibt Deutschendorf: „So wäre die Gemeinde in der Lage, das Grundstück neuen Nutzungen zuführen zu können. Das könnte beispielsweise die Schaffung von Wohnraum oder sozialer Infrastruktur sein.“ Die von der Gemeinde in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie werde dazu sicherlich städtebauliche Optionen für die Entwicklung des Areals aufführen. (Elmar Schulten)

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